Mergers & Acquisitions

AMD übernimmt World Labs für 8,2 Milliarden Dollar

AMD will das von KI-Pionierin Fei-Fei Li geführte Forschungslabor übernehmen. Bezahlt wird der Deal vollständig mit AMD-Aktien.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Santa Klara, 29. September 2026

Der US-Chiphersteller AMD will das von KI-Pionierin Fei-Fei Li geführte Startup World Labs übernehmen. Die vollständig aktienbasierte Transaktion hat einen Wert von rund 8,2 Milliarden US-Dollar und soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Voraussetzung sind noch regulatorische Genehmigungen und die üblichen Abschlussbedingungen. Mit der Übernahme baut AMD seine Kompetenzen über klassische KI-Hardware hinaus aus und holt ein spezialisiertes Forschungsteam für Spatial Intelligence, Robotik und sogenannte Physical AI ins Unternehmen.

8,2 Milliarden Dollar in AMD-Aktien

AMD und World Labs haben eine verbindliche Vereinbarung über die Übernahme geschlossen. Der Kaufpreis wird vollständig mit Aktien bezahlt.

Nach Abschluss der Transaktion soll World Labs seine Forschung an KI-Modellen fortsetzen. Mitgründerin und CEO Fei-Fei Li wechselt gleichzeitig in die Führungsebene von AMD. Sie wird Executive Vice President und Chief Scientist und direkt an AMD-Chefin Lisa Su berichten.

Für AMD ist die Übernahme damit nicht nur ein Technologiezukauf. Das Unternehmen integriert ein komplettes KI-Forschungsteam und dessen wissenschaftliche Führung in die eigene Organisation.

World Labs entwickelt räumliche KI

Das in San Francisco ansässige World Labs beschäftigt sich mit sogenannten Spatial-Intelligence-Modellen. Diese sollen aus Texten, Bildern und Videos interaktive dreidimensionale Umgebungen erzeugen, rekonstruieren und simulieren können.

Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an Technologien für robotisches Lernen und Simulation.

Damit adressiert World Labs einen Bereich, der für die nächste Generation von KI-Anwendungen zunehmend relevant werden könnte. Während große Sprachmodelle primär mit digitalen Informationen arbeiten, sollen räumliche Modelle physische Umgebungen erfassen, simulieren und letztlich die Interaktion von KI-Systemen mit der realen Welt unterstützen.

Anwendungen reichen perspektivisch von Robotik und autonomen Systemen bis hin zu Simulationen und virtuellen Welten.

AMD will Hardware stärker an KI-Modellen ausrichten

Für AMD steht allerdings nicht nur die Technologie von World Labs selbst im Mittelpunkt. Der Chiphersteller will durch die Übernahme besser verstehen, wie sich zukünftige KI-Modelle und deren Anforderungen an Recheninfrastruktur entwickeln.

"Der Aufbau von Compute-Plattformen für die nächste Generation von KI erfordert ein tiefes Verständnis dafür, wie sich Modelle entwickeln", erklärt AMD-CEO Lisa Su.

Die Forschung von World Labs soll entsprechend Einfluss auf zukünftige Hardware-, Software- und System-Roadmaps von AMD nehmen.

Das ist insbesondere relevant, weil sich KI-Workloads zunehmend ausdifferenzieren. Neben dem Training und der Inferenz großer Sprachmodelle gewinnen Reasoning, Robotik, Simulation und Physical AI an Bedeutung – und stellen teilweise andere Anforderungen an Rechenleistung, Speicher und Software.

Fei-Fei Li wird Chief Scientist bei AMD

Mit Fei-Fei Li gewinnt AMD zugleich eine der bekanntesten Wissenschaftlerinnen der modernen KI-Forschung.

Die Stanford-Professorin ist insbesondere durch ihre Arbeit an ImageNet bekannt, einem groß angelegten Bilddatensatz, der eine wichtige Rolle bei Fortschritten im maschinellen Sehen spielte. Bei World Labs konzentriert sie sich mit ihrem Team auf die nächste Entwicklungsstufe visueller und räumlicher KI.

Nach Abschluss der Übernahme soll sie als Chief Scientist von AMD die Verbindung zwischen KI-Forschung und der Entwicklung zukünftiger Compute-Plattformen stärken.

World Labs soll dabei weiterhin an seinen KI-Modellen forschen.

Vom Chiphersteller zum breiteren KI-Anbieter

Strategisch passt die Übernahme zu AMDs Bestrebungen, sich im KI-Markt nicht ausschließlich über Prozessoren und GPUs zu positionieren. Das Unternehmen bietet bereits CPUs, GPUs, Networking-Technologie und Software für KI-Infrastruktur an.

Mit World Labs kommt nun eine deutlich stärkere Forschungs- und Modellebene hinzu.

AMD argumentiert, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Modellentwicklung und Compute-Infrastruktur helfen soll, zukünftige Systeme besser auf neue KI-Anwendungen auszurichten. Gleichzeitig betont das Unternehmen seinen Ansatz eines offenen KI-Ökosystems.

Milliardenwette auf die nächste KI-Generation

Mit einem Transaktionsvolumen von rund 8,2 Milliarden Dollar ist World Labs für AMD ein bedeutender strategischer Zukauf. Bemerkenswert ist dabei, dass der Wert offenbar weniger aus einem etablierten Massengeschäft als aus Forschungskompetenz, Technologie und der erwarteten Bedeutung räumlicher KI resultiert.

Der Deal ist damit auch eine Wette darauf, welche Workloads künftig einen großen Teil der KI-Rechenleistung beanspruchen werden. Sollten Robotik, Simulation und Physical AI tatsächlich zu zentralen Anwendungsfeldern werden, könnte das Know-how von World Labs unmittelbar in die Entwicklung zukünftiger AMD-Systeme einfließen.

Bis dahin steht die Transaktion allerdings noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Der Abschluss wird bis Ende 2026 erwartet.


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