Munich Re übernimmt Cyber Insurtech At-Bay für 575 Millionen US Dollar
Die Munich Re Gruppe baut ihr Geschäft mit Cyberversicherungen weiter aus und übernimmt das US-amerikanische Insurtech At-Bay. Der vereinbarte Unternehmenswert liegt bei 575 Millionen US Dollar. Mit dem Zukauf will der Versicherungskonzern Versicherungsschutz und aktive Cybersicherheit stärker miteinander verzahnen.
575 Millionen US Dollar für At-Bay
Munich Re hat eine Vereinbarung zur vollständigen Übernahme von At-Bay geschlossen. Vorbehaltlich der erforderlichen regulatorischen Genehmigungen soll die Transaktion im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Nach der Übernahme wird At-Bay von Hartford Steam Boiler, kurz HSB, gesteuert. HSB gehört zum Segment Global Specialty Insurance von Munich Re und ist bereits seit der Gründung von At-Bay im Jahr 2017 strategischer Partner des Unternehmens.
Cyberversicherung trifft Cybersicherheit
At-Bay wurde 2017 gegründet und konzentriert sich insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen in den USA. Das Insurtech verbindet klassische Cyberversicherungen mit Technologien zur laufenden Erkennung, Überwachung und Reduzierung von Cyberrisiken.
Gerade kleine Unternehmen könnten das Angebot spannend finden. Die Bedrohung durch Cyberangriffe nimmt zu, während häufig die personellen und finanziellen Ressourcen für eine umfassende eigene IT-Sicherheitsorganisation fehlen. At-Bay versucht deshalb, Versicherung und Prävention miteinander zu verbinden. Die eigene Sicherheitsplattform überwacht Risiken während der Laufzeit einer Police und nutzt die gewonnenen Daten gleichzeitig für das Underwriting.
Munich Re sieht genau in dieser Verbindung einen wichtigen Entwicklungsschritt für den Markt. Cyberversicherungen könnten sich zunehmend von einem Produkt zur finanziellen Absicherung von Schäden hin zu einer Plattform für kontinuierliches Risikomanagement entwickeln.
At-Bay gehört bereits zu den größeren Cyberversicherern der USA
At-Bay beschäftigt rund 280 Mitarbeitende in den USA und Israel und gehört nach Angaben von Munich Re inzwischen zu den zehn führenden Cyberversicherern der Vereinigten Staaten. Zum Jahresende 2025 lagen die Bruttobeitragseinnahmen bei insgesamt 278 Millionen US Dollar. Hinzu kamen Gebühreneinnahmen aus Cyber Services in Höhe von 23 Millionen US Dollar.
Gemessen daran entspricht der vereinbarte Unternehmenswert von 575 Millionen US Dollar knapp dem Doppelten der kombinierten Beitrags- und Serviceeinnahmen des Jahres 2025. Ein direkter Bewertungsvergleich ist aufgrund der unterschiedlichen Erlösarten allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig.
Munich Re setzt auf "InsurSec"
At-Bay bezeichnet die Kombination aus Versicherung und Cybersicherheit als InsurSec. Statt erst nach einem erfolgreichen Angriff über die Versicherung aktiv zu werden, sollen Risiken möglichst früh erkannt und reduziert werden. Versicherungsschutz, Sicherheitsmaßnahmen und Schadenbearbeitung wachsen damit zu einem gemeinsamen System zusammen.
Für Munich Re könnte das gleich mehrere Vorteile bringen: Werden Risiken besser erkannt und Schäden verhindert, kann dies perspektivisch auch die Schadenquoten verbessern. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Dienstleistungen rund um die eigentliche Versicherung.
Mike Kerner, Mitglied des Vorstands von Munich Re, bezeichnet At-Bay deshalb als wichtigen Baustein des künftigen Cyber-Angebots. Langfristig erwartet der Konzern, dass sich das Geschäft zu einem starken Ertragstreiber entwickelt.
Vom Insurtech zum Teil eines Versicherungskonzerns
Die Übernahme zeigt zugleich eine interessante Entwicklung im Insurtech-Markt. Während viele Startups ursprünglich mit dem Anspruch angetreten sind, etablierte Versicherer technologisch herauszufordern, werden erfolgreiche Technologieplattformen zunehmend selbst zu strategisch interessanten Übernahmezielen.
Bei At-Bay kommt hinzu, dass Munich Re beziehungsweise HSB das Unternehmen bereits seit dessen Gründung begleitet hat. Für At-Bay bedeutet der Verkauf nun Zugang zur Kapitalstärke, Reichweite und Versicherungsexpertise eines der weltweit größten Rückversicherer. Munich Re wiederum kauft sich Technologie, einen etablierten Zugang zum amerikanischen KMU-Markt und zusätzliche Kompetenz bei der aktiven Cyberabwehr ein.
Der Kaufpreis von 575 Millionen US Dollar macht deutlich, welchen strategischen Stellenwert Cyberrisiken inzwischen für die Versicherungsbranche haben. Entscheidend wird sein, ob Munich Re mit At-Bay tatsächlich ein skalierbares Modell etablieren kann, bei dem Versicherung nicht erst für Schäden bezahlt, sondern bereits dabei hilft, diese zu verhindern. Ebenso spannend ist die Tatsache, dass sich die Münchner Rück damit eine Schnittstelle bedient, die bisher im Schadensfall häufig ein Streitpunkt darstellte. Fällt mit dem Zukauf dieser Punkt jetzt weg oder gibt es zukünftig ganz neue Haftungsfragen?

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