Lilly kauft AtaiBeckley für bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar und setzt auf neue Therapien gegen therapieresistente Depressionen
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly übernimmt das Biotechnologieunternehmen AtaiBeckley. Der Kaufpreis beträgt zunächst rund 2,8 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich können die Aktionäre über erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen weitere bis zu einer Milliarde US-Dollar erhalten. Damit erreicht die Transaktion ein potenzielles Gesamtvolumen von 3,8 Milliarden US-Dollar.
Mit der Übernahme stärkt Lilly seine Neurowissenschafts-Pipeline und baut sein Engagement im Bereich innovativer Therapien für schwere psychische Erkrankungen weiter aus.
Fokus auf therapieresistente Depressionen
Im Mittelpunkt der Akquisition steht BPL-003, das am weitesten entwickelte Programm von AtaiBeckley. Dabei handelt es sich um eine synthetische Form des Wirkstoffs 5-MeO-DMT, die als Nasenspray verabreicht wird und speziell für die Behandlung therapieresistenter Depressionen entwickelt wurde.
Der Wirkstoff verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Antidepressiva. Statt vor allem den Neurotransmitterhaushalt zu beeinflussen, soll BPL-003 die synaptische Plastizität des Gehirns fördern und die Bildung neuer neuronaler Verbindungen unterstützen. Ziel ist es, die biologischen Ursachen schwerer Depressionen zu adressieren.
In einer Phase-2b-Studie zeigte BPL-003 nach Unternehmensangaben schnelle und langanhaltende Verbesserungen der depressiven Symptome. Das Programm erhielt bereits den Breakthrough Therapy Status der US-Arzneimittelbehörde FDA und befindet sich in den Vorbereitungen für die Phase-3-Entwicklung.
Weitere Pipeline stärkt Lillys Neurowissenschaften
Neben BPL-003 übernimmt Lilly weitere Entwicklungsprogramme von AtaiBeckley. Dazu zählt unter anderem VLS-01, eine DMT-basierte Buccal-Film-Therapie gegen therapieresistente Depressionen, die sich aktuell in einer Phase-2b-Studie befindet.
Darüber hinaus arbeitet AtaiBeckley an EMP-01, einer MDMA-basierten Therapie gegen soziale Angststörungen, sowie an einer Forschungsplattform für nicht-halluzinogene Wirkstoffe zur Behandlung psychischer Erkrankungen.
Mit der Übernahme erhält Lilly Zugang zu einer der umfangreichsten Entwicklungsplattformen für neuartige neuroplastogene Wirkstoffe.
Bis zu 3,8 Milliarden Dollar Gesamtvolumen
Die Aktionäre von AtaiBeckley erhalten 6,75 US-Dollar je Aktie in bar. Hinzu kommen sogenannte Contingent Value Rights (CVRs) im Wert von bis zu 2,50 US-Dollar je Aktie, sofern definierte klinische und regulatorische Meilensteine für die Programme BPL-003 und VLS-01 erreicht werden.
Das sofort zahlbare Kaufangebot bewertet AtaiBeckley mit rund 2,8 Milliarden US-Dollar und entspricht einem Aufschlag von etwa 40 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenkurs der vergangenen 30 Handelstage. Werden sämtliche Meilensteine erreicht, erhöht sich das Gesamtvolumen der Transaktion auf rund 3,8 Milliarden US-Dollar.
Strategischer Ausbau der Psychiatrie-Pipeline
Mit der Akquisition setzt Lilly seinen Ausbau im Bereich innovativer Neurowissenschaften konsequent fort. Das Unternehmen reagiert damit auf den hohen medizinischen Bedarf bei therapieresistenten Depressionen, für die bislang nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Sollten sich die neuartigen Wirkstoffe in den laufenden Studien bestätigen, könnten sie einen grundlegenden Wandel in der Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen einleiten – weg von der reinen Symptombehandlung hin zu Therapien, die direkt auf die biologischen Ursachen der Erkrankung abzielen.

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