LOVE DISRUPTION 2026 bringt Startups, Mittelstand und Deep Tech nach Marburg
Mehr als 300 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Startup-Szene und Politik kamen bei der LOVE DISRUPTION 2026 im Lokschuppen Marburg zusammen. Im Mittelpunkt standen Künstliche Intelligenz, Deep Tech, Quantentechnologie, Industrie und Health Tech. Neben Keynotes und Panels präsentierten sich insgesamt 17 Startups aus den Bereichen Industry und Health Tech.
Die Veranstaltung von LOVEDIS sollte sichtbar machen, was über das Jahr hinweg als Innovationsökosystem in Mittelhessen aufgebaut wird: die Verbindung von Startups mit etablierten Unternehmen, Wissenschaft und Politik. Inhaltlich konzentrierte sich das Event auf Construction, Industry und Health Tech sowie das Querschnittsthema Künstliche Intelligenz.
Hessens Startup-Strategie trifft auf die Frage nach der Umsetzung
Nach der Eröffnung durch Mara Steinbrenner von LOVEDIS richtete sich der Blick zunächst auf die politischen Rahmenbedingungen. Hessens Startup-Beauftragter Holger Follmann beschäftigte sich mit der Start-up Strategie Hessen 2030 und insbesondere mit der Frage, welche konkreten Schritte nun folgen müssen.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär und heutige Unternehmer Dr. Peter Tauber widmete sich anschließend in seiner Keynote dem Umgang mit Unsicherheit.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Verbindung von Energie und Künstlicher Intelligenz. Unter dem Titel "Ohne Energie keine KI – ohne KI keine Energiewende" diskutierten Sophia Rödiger von 1KOMMA5° sowie Dr. Steffen Lehmann und Kai Lehmann von C. A. Weber über zwei zentrale Transformationsfelder der Wirtschaft.
Das Ökosystem sucht Sichtbarkeit
Sowohl Holger Follmann, als auch Dr. Peter Tauber stellten in ihren jeweiligen Vorträgen die Sichtbarkeit des Ökosystems jeweils mit in den Mittelpunkt. Follmann forderte auf, dass man die Erfolge, auf die man zurecht stolz in Hessen sein könne, aktiv nach außen zu kommunizieren. Taubner ging darüber sogar noch ein Stück hinaus und forderte die Startups dazu auf, sich bei Bedarf Kommunikatöre zu suchen. Die Gründer seien zwar sehr gut in ihrem jeweiligen Produkt, aber dies bedeutet jedoch noch lange nicht, dass man dazu in der Lage ist, die Idee mit gutem Storytelling nach außen zu tragen.
Kommentar Startbase zum Thema Sichtbarkeit:
Als unabhängiges Medium für die Startup-Welt versteht sich Startbase auch als Plattform, die Gründungen sichtbar macht und ihre Themen über die Grenzen des eigenen Ökosystems hinaus nach außen trägt. Mit niedrigschwelligen Angeboten wie unserer kostenlosen Startup-Datenbank und einer umfassenden redaktionellen Berichterstattung wollen wir dazu beitragen, die viel zitierte Startup-Bubble durchlässiger zu machen.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Viele Gründerinnen und Gründer investieren Monate oder sogar Jahre in ihre Idee, ihr Produkt und ihre Technologie, beschäftigen sich aber vergleichsweise wenig mit der Frage, wie sie diese anschließend kommunizieren wollen. Eine PR-Strategie wird häufig erst dann zum Thema, wenn die Finanzierungsrunde abgeschlossen, das Produkt fertig oder die erste große Erfolgsmeldung vorhanden ist.
Gerade bei Innovationen ist das ein echtes Problem. Wer etwas entwickelt, das tatsächlich neu ist, kann nicht darauf warten, dass der Markt von selbst danach sucht. Im Zweifel kennt noch niemand das Produkt, die Technologie oder sogar das Problem, das damit gelöst werden soll. Die Innovation sucht ihren Markt und Kommunikation ist ein wesentlicher Teil dieses Prozesses.
In der Praxis beschränkt sich die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit dennoch häufig auf Empfehlungen für eine PR-Agentur durch Investoren oder einen vermittelten und bezahlten Auftritt in einem Podcast. Breitere mediale Aufmerksamkeit erhalten vor allem jene Startups automatisch, die bereits große Finanzierungsrunden, bekannte Investoren oder andere öffentlichkeitswirksame Erfolge vorweisen können.
Für viele junge Unternehmen entsteht damit ein klassisches Henne-Ei-Problem. Sichtbarkeit gibt es häufig erst mit dem Erfolg. Gleichzeitig kann Sichtbarkeit eine wichtige Voraussetzung dafür sein, diesen Erfolg überhaupt zu erreichen.
Die Herausforderung, über die eigene Nische hinaus wahrgenommen zu werden, betrifft Startups nahezu unabhängig von Branche und Geschäftsmodell. Diese Hürde zu senken, sollte deshalb nicht allein Aufgabe der Gründerinnen und Gründer sein. Medien, Investoren, Hochschulen, Wirtschaftsförderungen, Politik und andere Akteure des Ökosystems können ihren Teil dazu beitragen, relevante Innovationen früher sichtbar zu machen. Eventuell ihnen damit die Chance geben, auch außerhalb der eigenen Bubble wahrgenommen zu werden.
Wenn Du mehr Sichtbarkeit brauchst, schreibe gerne eine Nachricht an unseren DoP: G.Belger@Startbase.com
Welche Rolle spielt der Mittelstand im KI-Rennen?

Am Nachmittag rückte die industrielle Transformation stärker in den Fokus. Heiko Brömmelstrote von EnBW beschäftigte sich mit der Frage, ob das KI-Rennen möglicherweise im Mittelstand entschieden wird.
Mit der konkreten Anwendung neuer Technologien befasste sich anschließend auch das Panel zur Predictive Maintenance. Lena Weirauch von ai-omatic, Gunter Schneider von Schneider Optical Machines und Prof. Dr. Michael Guckert von der Technischen Hochschule Mittelhessen diskutierten über die Veränderungen industrieller Wartungsprozesse.
Damit rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das für viele Industrieunternehmen derzeit entscheidend ist: Wie lassen sich KI und neue digitale Technologien aus Pilotprojekten in den operativen Alltag übertragen?
Zehn Startups starten in den neuen Industry Batch
Nachdem der Construction-Accelertor sich in der Umsetzung mit den Partnern befindet wurde es praxisorientiert beim Kick-off des Industry Batch. LOVEDIS hatte dafür Startups ausgewählt, deren Lösungen auf konkrete Herausforderungen der Industriepartner treffen sollen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Wissensmanagement.
Mit dabei waren Stryza, Credular, Elephant, VSight, Epinoia, great2know, genow, lytra, Klarendo und industry impact. Im Anschluss stand das Matchmaking zwischen den Startups und Industriepartnern auf dem Programm. Die jungen Unternehmen sollten direkt mit etablierten Marktteilnehmern in Kontakt gebracht und mögliche Anwendungsfelder ihrer Technologien diskutiert werden. In der Retrospektive gibt es auch unter den vorgestellten Startups eine gewisse Schnittmenge, so dass man auch dort Kooperationen in der Zukunft vermuten darf.
Deep Tech und Quantenforschung zwischen Wissenschaft und Markt

Auf der zweiten Bühne "Gleis 360" stand unter anderem die Frage im Mittelpunkt, wie aus technologischen Durchbrüchen tatsächlich Unternehmen und skalierbare Geschäftsmodelle entstehen.
Günter Kraft von Focused Energy sprach über die Herausforderungen nach dem eigentlichen Deep-Tech-Durchbruch. Nicolai Walter, CEO und Mitgründer von Pixel Photonics, gab Einblicke in den aktuellen Stand der Quantentechnologie und mögliche Anwendungen.
Gemeinsam mit Dr. Michael Hofstetter von SPRIND und Jovana Walter von Futury Capital wurde anschließend diskutiert, was notwendig ist, um wissenschaftliche Innovation tatsächlich in den Markt zu bringen.
Investoren diskutieren KI-Thesen für 2026
Auch die Perspektive der Kapitalgeber gehörte zum Programm. Jovana Walter von Futury Capital und Dirk Rudolf von Wunderland Capital diskutierten ihre Investorenthese für 2026 und die Frage, wie sich mit und in Künstliche Intelligenz investieren lässt. Im anschließenden Scale-up-Panel teilten Magdalena Pusch-Wiebach von Framen, Sophia Rödiger von 1KOMMA5° und Clemens Feigl von everwave ihre Erfahrungen mit dem Wachstum junger Unternehmen.
Health Tech zwischen Faxgerät und KI
Zum späteren Nachmittag rückte die Digitalisierung des Gesundheitswesens in den Mittelpunkt. Dr. Johanna Ludwig beschäftigte sich in ihrer Keynote unter dem Titel "Zwischen Faxgerät und KI" mit der Transformation des deutschen Gesundheitssystems.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Kuhn, Professor für Digitale Medizin und Direktor des Instituts für Digitalisierung in der Medizin am UKGM, diskutierte sie anschließend darüber, welche Rolle Kliniken als Innovationstreiber übernehmen können und wie neue Technologien schneller in die praktische Anwendung gelangen.
Sieben Health-Tech-Startups auf der Bühne
Wie solche Innovationen aussehen können, zeigten anschließend sieben Health-Tech-Startups. Jedes Team erhielt 90 Sekunden für die Präsentation seiner Lösung. Auf der Bühne standen myScribe, ORUS 2.0, Quinn Health, Lumaid, medicalvalues, ArInLaS Aila und anonetics.
Den Abschluss des fachlichen Programms bildete unter anderem das Panel "Mission Life Science" mit Vertretern von CSL, der Philipps-Universität Marburg und dem Regionalmanagement Mittelhessen. Anschließend ging die LOVE DISRUPTION in das After Work über.

Mittelhessen will Innovation stärker vernetzen
Die LOVE DISRUPTION 2026 zeigte vor allem die Bandbreite des Innovationsökosystems in Mittelhessen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen treffen hier auf Industrieunternehmen, Startups, Investoren und politische Akteure.
Dabei zog sich eine Frage durch viele Programmpunkte: Wie gelingt der Schritt von Forschung und technologischer Innovation in die tatsächliche Anwendung?
Mit Startup-Pitches, Accelerator-Programmen und direktem Matchmaking setzte LOVEDIS deshalb nicht ausschließlich auf Diskussionen, sondern auf die Vernetzung potenzieller Partner. Ob daraus neue Pilotprojekte, Kooperationen und langfristig wachsende Unternehmen entstehen, wird sich nach dem Event zeigen.
Durch das Event führte Mara Steinbrenner, CEO Love Dis samt Team gekonnt in der wunderbaren Location Lokschuppen von Gunter Schneider in Marburg.

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