xorlab erhält 5 Millionen Euro für europäische E-Mail-Security
Das Schweizer Cybersecurity-Startup xorlab hat in einer Series-A+-Finanzierungsrunde 5 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wird die Runde vom Bestandsinvestor Spicehaus Partners. Ebenfalls beteiligt sind Grapha Holding, EquityPitcher Ventures und ZKB Start-up Finance. Mit dem frischen Kapital will das Zürcher Unternehmen seine Expansion in Europa beschleunigen und insbesondere in der DACH-Region, den Benelux-Ländern und den nordischen Ländern wachsen.
Digitale Souveränität als Wachstumstreiber
xorlab positioniert sich als europäische Alternative zu US-amerikanischen Anbietern von E-Mail-Sicherheitslösungen. Nach Angaben des Unternehmens steigt die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten deutlich. 2025 habe xorlab das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr seiner Geschichte abgeschlossen. Im laufenden Jahr habe sich die Nachfrage europäischer Unternehmen erneut verdoppelt.
Neben steigenden Cyberrisiken sieht das Unternehmen vor allem den Wunsch nach größerer digitaler Souveränität als Wachstumstreiber. Europäische Unternehmen und Behörden beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, wie abhängig ihre kritische IT-Infrastruktur von außereuropäischen Anbietern sein soll.
Gleichzeitig erhöhen regulatorische Vorgaben wie DORA und NIS2 die Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit digitaler Lieferketten, insbesondere bei Finanzinstituten und Betreibern kritischer Infrastruktur.
KI verändert Phishing-Angriffe
Technologisch konzentriert sich xorlab auf die Absicherung eines der wichtigsten Einfallstore für Cyberangriffe: die E-Mail. Durch den Einsatz generativer KI können Angreifer Phishing-Nachrichten und sogenannte Business-Email-Compromise-Attacken zunehmend glaubwürdig und in großem Umfang erstellen.
Eine besondere Herausforderung stellen dabei Angriffe dar, die weder Schadsoftware noch bereits bekannte Signaturen enthalten. Entsprechende Nachrichten können wie reguläre Geschäftskommunikation aussehen und dadurch klassische Sicherheitsfilter umgehen.
xorlab setzt deshalb auf verhaltensbasierte KI. Statt eine E-Mail ausschließlich isoliert zu analysieren, betrachtet die Plattform die Nachricht im Kontext der bisherigen Kommunikation einer Organisation.
Das System soll beispielsweise ungewöhnliche Absender, atypische Anfragen oder erstmalig auftretende Zahlungsaufforderungen erkennen und blockieren, bevor Mitarbeitende mit der Nachricht interagieren.
Von 500 bis mehr als 37.000 Mitarbeitenden
Das Startup richtet sich insbesondere an Unternehmen und Institutionen mit hohen Sicherheits- und regulatorischen Anforderungen. Zu den Kunden gehören Organisationen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, kritische Infrastruktur und öffentlicher Sektor.
Nach Angaben von xorlab nutzen Organisationen mit 500 bis mehr als 37.000 Mitarbeitenden die Technologie. Zu den genannten Kunden zählen Julius Bär, Swisscom, G+D Netcetera, Vontobel und CERN.
Dabei können Kunden selbst entscheiden, wie die Plattform betrieben wird. Neben einer Cloud-Lösung bietet xorlab auch hybride Installationen und einen vollständig lokalen On-Premises-Betrieb an. Bei der Cloud-Variante sollen europäische Rechenzentren und europäische Mitarbeiter den Betrieb übernehmen.
Das Unternehmen gibt an, dass seine Plattform die Anforderungen von DORA, NIS2 und DSGVO erfüllt.
5 Millionen Euro für die Expansion
Mit der neuen Finanzierung soll insbesondere die europäische Expansion beschleunigt werden. Neben dem Heimatmarkt Schweiz stehen Deutschland, Österreich und die übrige DACH-Region sowie Benelux und die nordischen Länder im Fokus.
„Europa braucht seine eigenen Champions im Bereich der Cybersicherheit für Unternehmen“, sagt Antonio Barresi, CEO und Mitgründer von xorlab. Dabei gehe es nicht darum, europäische Kopien bestehender US-Anbieter zu schaffen, sondern Unternehmen aufzubauen, die selbst die nächste Generation der Unternehmenssicherheit prägen können.
Lead-Investor Spicehaus Partners sieht in der Kombination aus KI-basierten Cyberbedrohungen, steigenden regulatorischen Anforderungen und dem europäischen Streben nach digitaler Souveränität eine langfristige Marktchance.
„xorlab hat etwas Seltenes geschaffen: eine differenzierte Technologie, die ein geschäftskritisches Problem löst und von einigen der anspruchsvollsten Unternehmenskunden Europas bestätigt wurde“, erklärt Daniel Andres, Gründungspartner von Spicehaus Partners.
Europäischer Cybersecurity-Champion als Ziel
xorlab will die Finanzierung nutzen, um sich langfristig als führender europäischer Anbieter für E-Mail-Sicherheit zu etablieren. Neben der Erkennung von Phishing und BEC-Angriffen bietet die Plattform Funktionen für Security Operations Center, darunter eine detaillierte Analyse von E-Mail-Flows sowie KI-gestützte Automatisierungen.
Die Finanzierungsrunde trifft dabei auf ein Marktumfeld, in dem sich zwei Entwicklungen gegenseitig verstärken: KI erleichtert Angreifern die Erstellung immer überzeugenderer Attacken, während Unternehmen gleichzeitig höhere Anforderungen an Datenschutz, Compliance und die Kontrolle ihrer digitalen Infrastruktur stellen.
Für xorlab könnte gerade die Kombination aus Cybersecurity und digitaler Souveränität damit zu einem entscheidenden Faktor für die weitere Expansion in Europa werden.

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