Seed

NRW.BANK investiert in ag-tech.systems

Hochspannung statt Herbizide. Ag-tech.systems steht mit seiner Seed-Finanzierung vor Serienfertigung, Markteinführung und internationaler Expansion.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Geilenkirchen, 24. August 2026

Das AgTech-Startup ag-tech.systems aus Geilenkirchen hat eine Seed-Finanzierung erhalten. Im Rahmen ihres Programms NRW.SeedCap beteiligt sich die NRW.BANK gemeinsam mit weiteren Investoren an der Finanzierungsrunde. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen die Markteinführung seiner Technologie zur chemiefreien Unkrautbekämpfung vorbereiten, neue Anwendungsbereiche erschließen und international expandieren. Zur Höhe der Finanzierungsrunde wurden keine Angaben gemacht.

Hochspannung statt Herbizide

ag-tech.systems entwickelt eine Technologie, mit der Unkraut ohne den Einsatz synthetischer Herbizide bekämpft werden soll. Das Verfahren kombiniert Hochspannungsstrom mit einer eigens entwickelten leitfähigen Flüssigkeit. Diese senkt den elektrischen Eintrittswiderstand der Pflanzen und ermöglicht es, unerwünschte Pflanzen gezielt von den Blättern bis zu den Wurzeln zu behandeln. Nach Angaben des Unternehmens bleiben dabei keine chemischen Rückstände im Boden, in Kulturpflanzen oder Lebensmitteln zurück.

Neben der Unkrautbekämpfung kann die Technologie auch zur Begleitung des Reifeprozesses von Kulturpflanzen eingesetzt werden. Zu den bisherigen Anwendungsbereichen zählen unter anderem Kartoffeln und Hafer. Auch invasive Pflanzenarten wie Erdmandelgras sollen mit dem Verfahren bekämpft werden können.

epc.160 soll auf den Markt kommen

Ein wesentlicher Teil des neuen Kapitals soll in die Markteinführung des Systems epc.160 fließen. Die Technologie lässt sich nach Angaben des Startups vollständig in moderne Standard-Landmaschinen integrieren und über den jeweiligen Traktor steuern.

Unkrautbekämpfung ohne Chemie darf kein Kompromiss sein. Sie muss auf dem Acker genauso zuverlässig wirken wie ein Herbizid, und sie muss sich für den Betrieb rechnen.

Marcus Lehnen, Geschäftsführer von ag-tech.systems

ag-tech.systems will nun die Serienfertigung vorbereiten und die Einführung des Systems gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben vorantreiben. Das neue Kapital ermögliche es, die Serienfertigung vorzubereiten und die Markteinführung kontrolliert und nah an den Kunden umzusetzen.

Weitere Kulturpflanzen

Parallel zur Markteinführung soll die Technologie auf zusätzliche Einsatzgebiete ausgeweitet werden. Künftig will ag-tech.systems das Verfahren unter anderem für Zuckerrüben, Gerste und Raps anbieten.

Daneben arbeitet das Unternehmen an größeren Maschinen, mit denen die Technologie auch im großflächigen Ackerbau eingesetzt werden kann. Damit soll das System für weitere landwirtschaftliche Betriebe und Anwendungsbereiche interessant werden.

Expansion nach Nordamerika und Europa geplant

Mit der Seed-Finanzierung verfolgt ag-tech.systems auch internationale Wachstumspläne. Neben dem deutschen Markt stehen Kanada und die USA sowie Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich auf der Expansionsagenda. Die NRW.BANK unterstützt das Unternehmen im Rahmen ihres NRW.SeedCap-Programms. Dieses richtet sich an junge Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen und soll privates Beteiligungskapital in frühen Unternehmensphasen ergänzen.

"Innovationen sichern die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft. Entscheidend ist, dass gute Ideen nicht in der Entwicklungsphase stecken bleiben, sondern den Weg in den Markt finden", sagt Gabriela Pantring, Vorsitzende des Vorstands der NRW.BANK. Mit der Beteiligung solle eine Technologie aus Nordrhein-Westfalen bei diesem Schritt unterstützt werden.

Für ag-tech.systems beginnt mit der Finanzierung nun vor allem die Kommerzialisierungsphase. Neben der Weiterentwicklung der Technologie steht dabei die Frage im Mittelpunkt, ob sich die physikalische Alternative zu Herbiziden wirtschaftlich im landwirtschaftlichen Alltag etablieren und anschließend auch international skalieren lässt.


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