Shiprocket geht für 1,1 Mrd US Dollar an die Börse und Bertelsmann Investments ist voll dabei
Die indische E Commerce Plattform Shiprocket hat den Sprung an die Börse geschafft. Das Unternehmen sammelte im Rahmen seines IPO rund 170 Millionen US Dollar ein und wurde zum Ende des ersten Handelstages mit 1,1 Milliarden US Dollar bewertet. Für Bertelsmann India Investments ist der Börsengang zugleich der vorläufige Höhepunkt einer Beteiligungsgeschichte, die bereits 2015 begann.
Shiprocket feiert Börsendebüt in Indien
Shiprocket ist nun an der National Stock Exchange of India sowie der BSE gelistet. Bereits im Vorfeld zeichnete sich großes Interesse ab. Nach Angaben von Bertelsmann Investments war der Börsengang 100 fach überzeichnet.
Auch der erste Handelstag verlief entsprechend stark. Die Shiprocket Aktie schloss 48 Prozent über ihrem Ausgabepreis. Am Ende des Tages erreichte das Unternehmen damit eine Bewertung von rund 1,1 Milliarden US Dollar.
Für Bertelsmann Investments ist das IPO auch ein Erfolg der eigenen langfristigen Investmentstrategie in Indien.
Vom Startup mit 1.500 Kunden zum Milliardenunternehmen
Bertelsmann India Investments, kurz BII, investierte bereits 2015 als erster institutioneller Venture Investor in Shiprocket. Die Dimensionen waren damals noch deutlich andere: Shiprocket betreute rund 1.500 Kunden und erzielte weniger als zwei Millionen US Dollar Umsatz.
Heute zählt das Unternehmen mehr als 214.000 aktive Händler und erwartet für das laufende Jahr einen Umsatz von mehr als 200 Millionen US Dollar. Aus der ursprünglichen Versandlösung für kleine und mittelständische Händler ist dabei eine umfassende E Commerce Plattform entstanden. Shiprocket bündelt unter anderem Versand, Fulfillment, Checkout und grenzüberschreitenden E Commerce in einem KI gestützten Ökosystem.
Bertelsmann bleibt mit rund 19 Prozent beteiligt
Bemerkenswert ist, dass der Börsengang für Bertelsmann nicht den vollständigen Exit bedeutet. BII hält weiterhin rund 19 Prozent an Shiprocket und bleibt damit der größte institutionelle Investor des Unternehmens.
Carsten Coesfeld, CEO von Bertelsmann Investments, sieht Shiprocket als Beispiel für den langfristigen Investmentansatz des Konzerns. Bertelsmann habe das Gründerteam früh unterstützt und über mehrere strategische Neuausrichtungen hinweg begleitet.
Neben BII gehören unter anderem Tribe Capital, March Capital und KDT Ventures zu den langjährigen Venture Investoren. Mit dem IPO kamen Kapitalmarktinvestoren wie SBI Mutual Fund, HDFC Mutual Fund und Goldman Sachs hinzu.
Ein Musterbeispiel für langfristiges Venture Capital?
Gerade aus VC Perspektive ist die Entwicklung interessant. Zwischen dem ersten institutionellen Investment und dem Börsengang liegen rund elf Jahre. In dieser Zeit wuchs Shiprocket nicht einfach nur mit seinem ursprünglichen Geschäftsmodell. Das Unternehmen entwickelte sich mehrfach strategisch weiter und baute aus einer einzelnen Versandlösung eine Plattform für wesentliche Teile der E Commerce Wertschöpfungskette.
Der Börsengang zeigt damit auch, wie lang der Weg von einem frühen Venture Investment bis zum öffentlichen Kapitalmarkt sein kann.
Für BII könnte sich diese Geduld nun auszahlen. Bei einer Bewertung von 1,1 Milliarden US Dollar entspricht ein Anteil von rund 19 Prozent rechnerisch einem Börsenwert von etwa 209 Millionen US Dollar. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine rechnerische Momentaufnahme auf Basis der Bewertung zum Ende des ersten Handelstages.
Indien wird für Bertelsmann zum strategischen Investmentmarkt
Der Shiprocket IPO ist zugleich Teil eines deutlich größeren Engagements von Bertelsmann in Indien.
Bertelsmann India Investments wurde bereits 2012 gegründet und verwaltet nach eigenen Angaben mittlerweile rund eine Milliarde US Dollar. Der Fokus liegt auf Startups in frühen Wachstumsphasen von Series A bis Series C.
Im Rahmen seiner Boost Strategie will Bertelsmann über BII jährlich mehr als 100 Millionen US Dollar in Indien investieren. Allein 2026 wurden bislang acht Investments getätigt, darunter sieben Folgeinvestitionen.
Damit wird Indien für Bertelsmann längst nicht mehr nur zum Absatzmarkt, sondern zu einem wichtigen Standort für Venture Capital und langfristige Beteiligungen.
Vom Venture Investment zum Börsenunternehmen
Für das europäische Startup Ökosystem ist der Shiprocket Börsengang noch aus einem anderen Grund interessant. Er zeigt, dass erfolgreiche Venture Investments nicht zwangsläufig mit einem Verkauf an einen strategischen Käufer oder Private Equity Investor enden müssen.
Der öffentliche Kapitalmarkt bleibt eine wichtige dritte Option. Shiprocket dürfte damit zu einem der sichtbareren Beispiele dafür werden, wie sich langfristiges Venture Capital in einem dynamischen Wachstumsmarkt wie Indien entwickeln kann.

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