Enterprisesoftware

Flip sichert sich 25 Millionen US Dollar für KI Plattform

HV Capital und Notion Capital legen nach, die L Bank steigt ein. Flip erhält 25 Millionen US Dollar für den Ausbau seiner KI Plattform.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Stuttgart, 20. August 2026

Das Stuttgarter KI Scale up Flip hat 25 Millionen US Dollar frisches Kapital eingesammelt. Die Bestandsinvestoren HV Capital und Notion Capital erhöhen ihr Engagement, während mit der L Bank ein neuer Investor hinzukommt. Mit der Finanzierung will Flip vor allem seine KI Plattform und digitale Identitäten für Beschäftigte ohne klassischen Büroarbeitsplatz ausbauen.

25 Millionen US Dollar für die nächste Wachstumsphase

Flip wurde 2018 in Stuttgart gegründet und entwickelt eine KI native Mitarbeiterplattform für sogenannte Frontline Teams. Gemeint sind Beschäftigte in Fabriken, Filialen, Logistikzentren oder anderen operativen Bereichen, die häufig weder über einen klassischen Büroarbeitsplatz noch über eine eigene Firmen E Mail Adresse verfügen.

Mit der neuen Finanzierungsrunde erhält das Startup nun weitere 25 Millionen US Dollar. Die bestehenden Investoren HV Capital und Notion Capital stocken ihre Beteiligungen erneut auf. Neu hinzu kommt die L Bank, die Förderbank des Landes Baden Württemberg. Darüber hinaus beteiligen sich nach Angaben des Unternehmens weitere Business Angels und institutionelle Investoren.

Das Kapital soll insbesondere in zwei Bereiche fließen: den Ausbau von Flip Fusion und die Weiterentwicklung von Frontline Identity.

Apps künftig von der KI bauen lassen

Besonders ambitioniert ist die Idee hinter Flip Fusion. Unternehmen sollen bestimmte Anwendungen künftig nicht mehr als fertige Standardsoftware einkaufen müssen. Stattdessen sollen mit Hilfe von KI individuelle Frontline Apps innerhalb kurzer Zeit erstellt werden können.

Diese Anwendungen können beispielsweise auf einen bestimmten Standort, ein Team oder einen konkreten Arbeitsprozess zugeschnitten werden. Flip stellt damit eine grundlegende Frage an den klassischen Markt für Unternehmenssoftware: Warum eine Anwendung kaufen und anschließend aufwendig anpassen, wenn eine KI die benötigte Software direkt für den jeweiligen Prozess erzeugen kann?

Mitgründer und CEO Benedikt Brand bringt die Vision auf den Punkt: Apps sollen künftig innerhalb von Minuten gebaut und nicht mehr teuer gekauft werden.

Sollte dieses Prinzip in größerem Umfang funktionieren, könnte es nicht nur die Entwicklung von Unternehmenssoftware verändern. Auch Beschaffung, Implementierung und Anpassung von Software könnten sich grundlegend verschieben.

Digitale Identität als Voraussetzung für KI

Der zweite Schwerpunkt der Finanzierung ist Frontline Identity. Flip adressiert damit ein Problem, das bei der Diskussion über KI im Unternehmen häufig weniger Aufmerksamkeit erhält.

Während Beschäftigte an Büroarbeitsplätzen meist über Firmen Accounts und Zugänge zu zahlreichen digitalen Anwendungen verfügen, sieht die Situation bei Frontline Beschäftigten oftmals anders aus. Genau diese Mitarbeiter sollen über Flip eine sichere digitale Identität und damit Zugang zum Unternehmensnetzwerk erhalten.

Das ist für Flip gleichzeitig die Voraussetzung dafür, KI Anwendungen überhaupt in der Breite der Belegschaft ausrollen zu können.

Mehr als zwei Millionen Nutzer

Flip kann bei seiner Expansion bereits auf eine größere Kundenbasis zurückgreifen. Nach Unternehmensangaben vertrauen inzwischen mehr als 1.000 Marken auf die Plattform. Weltweit wird sie von über zwei Millionen Nutzerinnen und Nutzern eingesetzt. Zu den genannten Kunden gehören unter anderem Bosch, REWE, TEDi, FORVIA HELLA, Greif, SIXT und Europart. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 150 Mitarbeitende.

Mit dem neuen Kapital will Flip seine Position insbesondere bei KI Anwendungen und digitalen Identitäten für Frontline Teams weiter ausbauen.

Angriff auf den klassischen Enterprise Software Markt?

Spannend an der Finanzierungsrunde ist deshalb weniger allein die Höhe von 25 Millionen US Dollar als die These, die Flip damit finanzieren will.

Bislang kaufen Unternehmen Software, konfigurieren sie und passen anschließend ihre Prozesse oder die Anwendung aneinander an. Flip Fusion will dieses Verhältnis umdrehen: Die Software soll sich durch KI unmittelbar aus dem benötigten Prozess heraus entwickeln lassen. Damit würde generative KI nicht nur innerhalb bestehender Unternehmenssoftware eingesetzt. Sie könnte zunehmend selbst zum Werkzeug werden, mit dem Unternehmen ihre Anwendungen erstellen.

Ob damit tatsächlich das von Flip ausgerufene Ende der gekauften Unternehmens App beginnt, muss sich erst zeigen. 25 Millionen US Dollar neues Kapital und das erneute Engagement etablierter Investoren geben dem Stuttgarter Unternehmen nun zumindest die Mittel, diese These im Enterprise Markt unter Beweis zu stellen.


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