LITILIT erhält 8 Millionen Euro für Hochleistungs Femtosekundenlaser
Der litauische Laserhersteller LITILIT hat sich eine Finanzierung über acht Millionen Euro von der staatlichen Entwicklungsbank ILTE gesichert. Das Kapital fließt in die Entwicklung von FEMODA, einem modularen Femtosekundenlasersystem, das eine durchschnittliche optische Leistung von bis zu 1.000 Watt erreichen soll.
Das gesamte Entwicklungsprojekt hat ein Volumen von zehn Millionen Euro. Zwei Millionen Euro bringt LITILIT aus eigenen Mitteln ein. Die Kommerzialisierung der neuen Technologie ist für die zweite Jahreshälfte 2029 geplant.
Vom Präzisionslaser in die industrielle Massenproduktion
Femtosekundenlaser arbeiten mit extrem kurzen Lichtimpulsen und können Materialien bearbeiten, ohne die umliegenden Strukturen wesentlich thermisch zu beeinflussen. Diese sogenannte kalte Ablation macht die Technologie bereits heute für hochpräzise Anwendungen interessant.
Zum Einsatz kommen entsprechende Systeme unter anderem in der Chip und Displayproduktion sowie bei medizinischen Anwendungen wie Augenoperationen oder der Herstellung von Gefäßstents. LITILIT will die Technologie nun stärker für industrielle Anwendungen mit größeren Flächen und höheren Stückzahlen öffnen.
"Derzeit werden Femtosekundenlaser hauptsächlich bei der Herstellung hochwertiger kleiner Bauteile eingesetzt" erklärt CEO und Mitgründer Nikolajus Gavrilinas. Mit FEMODA sollen künftig unter anderem die Massenproduktion von Metallwerkzeugen oder Spezialbeschichtungen großer Flächen wie Flugzeug und Fahrzeugkarosserien möglich werden.
Bis zu 1.000 Watt und 20 Bearbeitungspunkte
FEMODA soll eine durchschnittliche optische Leistung von bis zu 1.000 Watt über zehn bis 20 separate Strahlkanäle verteilen können. Jeder dieser Kanäle kann Femtosekundenimpulse an einen anderen Bearbeitungspunkt innerhalb einer Produktionslinie liefern.
Damit könnte ein System mehrere Bearbeitungsschritte beziehungsweise Produktionspunkte parallel versorgen. Nach Angaben des Unternehmens soll FEMODA damit zu den leistungsstärksten modularen industriellen Femtosekundenlasersystemen gehören.
Weniger Infrastruktur rund um den Laser
Ein wesentliches Problem bestehender Hochleistungssysteme sieht LITILIT allerdings nicht nur bei der eigentlichen Laserleistung. Aktuelle Anlagen benötigen häufig komplexe Wasserkühlungen, große optische Module, massive Unterkonstruktionen und kontrollierte Umgebungsbedingungen. Das erhöht Kosten und Wartungsaufwand und erschwert die Integration in bestehende Produktionsanlagen.
Das Startup will deshalb Steuerungselektronik, Optik und Kühlung in einer industriellen Einheit zusammenführen. Die einzelnen Module sollen weniger empfindlich gegenüber Temperatur, Feuchtigkeit und Vibrationen sein. Zudem sind einzelne Einheiten bei Ausfall leichter austauschbar.
Eine neue Fabrik für 3.000 Laser pro Jahr
Parallel zur Entwicklung von FEMODA baut LITILIT seine Produktionskapazitäten deutlich aus. Im Juni begann das Unternehmen mit dem Aufbau einer neuen Laserfabrik in Vilnius. Diese soll bereits im Herbst den Betrieb aufnehmen und perspektivisch eine Produktionskapazität von 3.000 Femtosekundenlasern pro Jahr erreichen.
Damit adressiert LITILIT einen weiteren Engpass der Technologie. Leistungsstarke Femtosekundenlasersysteme sind komplex und lassen sich bislang nur schwer in großen Stückzahlen produzieren. Das Unternehmen will deshalb nicht nur leistungsfähigere Laser entwickeln, sondern deren industrielle Fertigung gleichzeitig skalierbarer machen.
DeepTech aus Litauen nimmt die industrielle Produktion ins Visier
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich europäisches DeepTech stärker auf die Modernisierung klassischer Industrien ausrichten könnte. Während ein großer Teil der aktuellen Technologieinvestitionen rund um KI und Software stattfindet, entstehen parallel neue Hardwareplattformen für die industrielle Produktion.
Für LITILIT liegt die Chance darin, Femtosekundenlaser aus hochspezialisierten Präzisionsanwendungen heraus in deutlich größere industrielle Märkte zu bringen. Gelingt die Skalierung auf 1.000 Watt bei gleichzeitig modularer und einfacher Integration, könnte aus einer bislang hochspezialisierten Technologie ein wesentlich breiter einsetzbares Werkzeug für industrielle Produktionslinien werden.

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