Fischfarmen

Oceanloop zieht bis zu 38,5 Millionen Euro an Land

Fischzucht wird zum Tech Geschäft: Hatch Blue, Stolt Ventures und die EIB unterstützen Oceanloop beim Aufbau einer europäischen Plattform für landbasierte Aquakultur.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · München, 19. August 2026

Das deutsche Aquaculture Tech Oceanloop hat sich eine Finanzierung von bis zu 38,5 Millionen Euro gesichert. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine landbasierte Aquakulturtechnologie skalieren und erstmals den Giant Grouper kommerziell in Europa züchten.

Als neuer Lead Investor steigt der auf Aquakultur spezialisierte Blue Revolution Fund von Hatch Blue ein. Hinzu kommt Stolt Ventures, der Venture Arm von Stolt Nielsen, als strategischer Investor. Einen wesentlichen Teil der Finanzierung stellt zudem die Europäische Investitionsbank (EIB) über eine Venture Debt Fazilität von 32 Millionen Euro bereit.

Auf eine neue Anlage mit einer Jahreskapazität von 250 Tonnen bei Kiel soll perspektivisch eine 2.000 Tonnen Farm auf Gran Canaria folgen.

Vom Forschungsprojekt zur kommerziellen Fischzucht

Oceanloop entwickelt softwaregesteuerte Kreislaufanlagen, sogenannte Recirculating Aquaculture Systems, kurz RAS. Dabei werden Fische in weitgehend geschlossenen Systemen an Land gezüchtet, in denen Wasser aufbereitet und erneut genutzt wird. Nach mehreren Jahren biologischer und technischer Entwicklungsarbeit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben als erstes den Giant Grouper in Europa gezüchtet.

Der kommerzielle Verkauf aus der bestehenden Anlage in Strande bei Kiel läuft seit April 2026 über die Schwestergesellschaft Honest Catch. Für dieses Jahr rechnet Oceanloop mit einer Produktion von rund 20 Tonnen, 2027 sollen es etwa 40 Tonnen werden. Die neue Finanzierung soll nun den Übergang in eine ganz andere Größenordnung ermöglichen.

250 Tonnen Giant Grouper aus Kiel

Noch bis Ende 2026 soll in Kiel mit dem Bau einer neuen Anlage begonnen werden. Diese ist auf eine jährliche Produktion von etwa 250 Tonnen Giant Grouper ausgelegt.

Dabei soll der Standort weit mehr als eine reine Fischfarm werden. Oceanloop will dort kommerzielle Produktion mit Forschung, biologischer Optimierung, Laborleistungen, Softwareentwicklung, digitaler Überwachung und der Ausbildung von Anlagenbetreibern verbinden. Die Anlage soll damit gleichzeitig als Referenz für zukünftige Oceanloop Farmen dienen.

Daten aus dem laufenden Betrieb sollen genutzt werden, um unter anderem Fütterung, Tierwohl, Energieeffizienz und Produktionsleistung weiter zu optimieren.

Diese Finanzierung markiert den Beginn der industriellen Skalierung von Oceanloop.

Fabian Riedel, CEO und Gründer Oceanloop

Der nächste Schritt führt nach Gran Canaria

Deutlich größer sind die Pläne für Spanien. Auf Gran Canaria soll eine Anlage mit einer jährlichen Produktionskapazität von rund 2.000 Tonnen Giant Grouper entstehen. Der derzeitige Zeitplan sieht einen Baubeginn im Jahr 2029 vor.

Oceanloop verfügt bereits über eine lokale Tochtergesellschaft und arbeitet an Planung, Standortentwicklung und den weiteren Voraussetzungen für das Projekt. Die Anlage soll Brüterei, Aufzucht, Verarbeitung, digitales Farmmanagement und Qualitätskontrolle miteinander verbinden. Gran Canaria bietet aus Sicht des Unternehmens neben dem Zugang zu Meerwasser auch Potenzial für erneuerbare Energien und eine gute Anbindung an europäische Absatzmärkte.

Ein Premiumfisch soll in Europa heimisch werden

Besonders interessant ist die Entscheidung für den Giant Grouper, wissenschaftlich Epinephelus lanceolatus. Die Zackenbarschart gehört zu den größten Grouper Arten und gilt insbesondere auf asiatischen Märkten als hochwertiger Speisefisch.

Oceanloop will daraus nun auch in Europa eine neue Premiumkategorie entwickeln. Statt den Fisch über lange Lieferketten zu importieren, soll er künftig kontrolliert in europäischen Anlagen produziert werden. Damit verbindet Oceanloop seine Technologieplattform direkt mit einem eigenen hochwertigen Endprodukt. Gleichzeitig soll die Technologie nicht auf diese Fischart beschränkt bleiben. Das Unternehmen entwickelt seine RAS Plattform weiterhin auch für andere Arten und forscht unter anderem an der landbasierten Garnelenzucht.

International sind neben eigenen Farmen auch Lizenzmodelle, Joint Ventures und strategische Partnerschaften vorgesehen.

Hatch Blue und Stolt bringen Branchenwissen

Mit den neuen Investoren holt sich Oceanloop dabei gezielt Aquakulturkompetenz ins Unternehmen. Hatch Blue ist auf Investments in der Aquakultur spezialisiert und verwaltet mit dem Blue Revolution Fund einen Fonds mit einem Volumen von 92 Millionen Euro. Neben Kapital soll der Investor insbesondere bei der Skalierung vom Pilotbetrieb zur kommerziellen Produktion unterstützen.

Noch stärker operativ geprägt ist die Beteiligung von Stolt Ventures. Über Stolt Sea Farm verfügt die Stolt Nielsen Gruppe über mehr als 50 Jahre Erfahrung in der Aquakultur. Das Unternehmen züchtet unter anderem Steinbutt und Seezunge und bringt Erfahrung von Brutstationen und Biologie über Verarbeitung und Biosicherheit bis zum internationalen Vertrieb mit.

EIB stellt 32 Millionen Euro Venture Debt bereit

Der größte Finanzierungsbaustein kommt von der Europäischen Investitionsbank. Sie unterstützt Oceanloop mit einer Venture Debt Fazilität über 32 Millionen Euro. Die Finanzierung wurde ursprünglich bereits im Oktober 2024 vereinbart und im Juli 2026 erweitert, um nun auch die Giant Grouper Produktion einzubeziehen. Unterstützt wird sie durch das InvestEU Programm der Europäischen Union.

Die Mittel sollen Forschung und Entwicklung in Deutschland, die weitere technologische Skalierung sowie die geplante Anlage auf den Kanarischen Inseln unterstützen. Damit kann Oceanloop einen Teil seines kapitalintensiven Wachstums finanzieren, ohne ausschließlich auf zusätzliche klassische Eigenkapitalrunden angewiesen zu sein.

Aquakultur wird zum Infrastrukturgeschäft

Die Finanzierung zeigt zugleich eine der großen Herausforderungen von Food und Aquaculture Tech: Eine funktionierende Technologie allein reicht nicht. Wer Lebensmittel in industriellem Maßstab produzieren möchte, muss erhebliche Summen in Anlagen, Biologie, Energieversorgung und operative Strukturen investieren.

Bei Oceanloop wird deshalb vor allem entscheidend sein, ob der Schritt von bislang einigen Dutzend Tonnen auf zunächst 250 und später 2.000 Tonnen wirtschaftlich funktioniert. Gelingt dieser Sprung, könnte das Geschäftsmodell weit über den Verkauf von Giant Grouper hinausreichen. Denn dann hätte Oceanloop nicht nur eine Fischfarm aufgebaut, sondern eine replizierbare Technologieplattform für landbasierte Aquakultur, die sich über Lizenzen, Partnerschaften und Joint Ventures international ausrollen ließe.


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