beel startet Syndikate für Angel- und Co-Investments

beel startet Investment-Syndikate und bringt den Dealflow von Business Angels auf seine Plattform. Zum Launch sind unter anderem Andy Bruckschlögl, Alex von Frankenberg und Roland Fassauer dabei.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Mittweida, 26. August 2026

Die Fundraising-Plattform beel, ehemals Tokenize.it, erweitert ihr Angebot um Investment-Syndikate. Erfahrene Business Angels können darüber eigene Investment-Communities aufbauen, ausgewählte Startup-Deals mit anderen Investoren teilen und im Erfolgsfall über eine Carry-Gebühr an deren Investments partizipieren. Zum Start sind unter anderem Andy Bruckschlögl, der ehemalige HTGF-Geschäftsführer Alex von Frankenberg und Seriengründer Roland Fassauer als Syndikat-Leads dabei.

Angel-Dealflow für weitere Investoren öffnen

Mit dem neuen Feature will beel einen Mechanismus aus dem internationalen Angel- und Venture-Capital-Umfeld für eine größere Gruppe von Investoren zugänglich machen. Im Mittelpunkt steht der sogenannte Syndikat-Lead. Dabei handelt es sich typischerweise um einen erfahrenen Business Angel, der interessante Startups identifiziert und diese seiner Investment-Community vorstellt.

Der Lead kann selbst festlegen, wer seinem Syndikat beitreten darf und ob dieses öffentlich oder privat geführt wird. Investoren müssen in beiden Fällen individuell bestätigt werden.

Damit erhalten auch weniger vernetzte Investoren Zugang zu vorselektiertem Dealflow, der bislang häufig innerhalb kleiner Angel-Netzwerke stattfand. Statt selbst eine große Zahl von Pitch Decks zu prüfen und entsprechende Kontakte aufzubauen, können sie sich an der Vorauswahl erfahrener Investoren orientieren. Die endgültige Investitionsentscheidung bleibt allerdings bei jedem einzelnen Investor.

Kein klassischer VC-Fonds

Der wesentliche Unterschied zu einem klassischen Venture-Capital-Fonds liegt in der Struktur. Das Kapital der beteiligten Investoren wird bei beel nicht in einem gemeinsamen Fonds gebündelt. Stattdessen entscheidet jeder Teilnehmer selbst, ob und in welcher Höhe er sich an einem vorgestellten Startup beteiligen möchte. Das Investment erfolgt anschließend individuell und direkt über die von beel angebotenen virtuellen Anteile.

Nach Angaben des Unternehmens lassen sich dadurch die für klassische Fonds notwendigen Strukturen und ein Teil des damit verbundenen administrativen Aufwands vermeiden. beel positioniert Syndikate damit als schlanke Alternative für Investoren, die gemeinsam investieren wollen, ohne dafür einen eigenen VC-Fonds aufzusetzen. Der Syndikat-Lead fungiert als Tippgeber beziehungsweise gibt eine Anlageempfehlung ab. Die Entscheidung über das Investment und dessen Höhe verbleibt vollständig beim jeweiligen Investor.

Carry für den Syndikat-Lead

Für erfahrene Business Angels eröffnet das Modell gleichzeitig eine neue Möglichkeit, ihren Dealflow zu monetarisieren. Beim Beitritt zu einem Syndikat schließen die Investoren einen Vertrag mit dem jeweiligen Lead. Darin wird eine Carry-Fee vereinbart, deren Höhe der Syndikat-Lead festlegt. Diese wird im Erfolgsfall bei Auszahlungen, beispielsweise nach einem Exit oder bei Dividenden, fällig.

Damit können Angels nicht nur mit ihrem eigenen Kapital von erfolgreichen Startup-Investments profitieren, sondern auch an erfolgreichen Co-Investments ihrer Community partizipieren.

Starke, erfahrene Investoren können Carry-Fees durch ihren gut kuratierten Dealflow verdienen, ohne dass sie dafür einen Fonds benötigen.

Christoph Jentzsch, beel-Gründer und CEO

Gleichzeitig müssten sich neue Investoren nicht selbst durch Hunderte Pitch Decks arbeiten, sondern könnten auf bereits vorselektierte Unternehmen zugreifen. Jentzsch erwartet dadurch einen zusätzlichen Hebel für privates Kapital im Startup-Ökosystem.

Drei bekannte Gesichter starten eigene Syndikate

Zum Start des neuen Angebots konnte beel drei Investoren als Syndikat-Leads gewinnen.

Andy Bruckschlögl ist Mitgründer von Bits & Pretzels sowie mehreren weiteren Unternehmen und seit mehr als 20 Jahren als Investor aktiv. Alex von Frankenberg leitete über viele Jahre den High-Tech Gründerfonds und ist heute Partner bei May Ventures. Der dritte Lead ist Roland Fassauer. Der Unternehmer hat nach Angaben von beel zwei Börsengänge begleitet, ist Professor an der CODE University, General Partner bei Outlier VC und hat in mehr als 80 Startups investiert.

Über ihre Syndikate sollen künftig ausgewählte Startup-Investments auch weiteren Investoren zugänglich gemacht werden.

Virtuelle Anteile statt Eintrag ins Handelsregister

Technische und rechtliche Grundlage der Investments sind die bereits von beel eingesetzten virtuellen Anteile. Dahinter stehen speziell ausgestaltete Genussrechte, mit denen Investoren wirtschaftlich an einem Unternehmen beteiligt werden können, ohne selbst Teil der Gesellschafterliste im Handelsregister zu werden.

Dadurch können Startups nach Angaben von beel kontinuierlich neue Investoren aufnehmen, ohne für jedes Investment einen klassischen Beteiligungsprozess mit Notartermin durchführen zu müssen. Die Genussrechte werden im Hintergrund als Token auf einer Blockchain abgebildet. Dadurch sollen die Beteiligungen perspektivisch auch über Sekundärmärkte handelbar sein. Neben dem Startup-Fundraising bietet beel auf dieser Grundlage auch Mitarbeiterbeteiligungen sowie einen eigenen Sekundärmarkt an.

Co-Investing soll einfacher werden

Mit den Syndikaten erweitert beel sein Geschäftsmodell damit von der technischen Abwicklung einzelner Startup-Beteiligungen hin zur Organisation von Investment-Communities. Für erfahrene Business Angels liegt der Vorteil vor allem darin, ihren eigenen Dealflow einer größeren Investorengruppe zugänglich zu machen und bei erfolgreichen Investments Carry zu erhalten. Co-Investoren wiederum erhalten Zugang zu kuratierten Investmentmöglichkeiten und können bei jedem Deal selbst entscheiden, ob sie investieren.

beel selbst ist dabei als vertraglich gebundener Vermittler im Sinne des Wertpapierinstitutsgesetzes tätig und arbeitet bei der Anlagevermittlung auf Rechnung und unter Haftung der Concedus GmbH.

Ob Syndikate tatsächlich eine Alternative zu kleineren VC-Fonds werden können, dürfte vor allem davon abhängen, ob es beel gelingt, dauerhaft attraktive Leads und deren Dealflow auf die Plattform zu bringen. Mit drei erfahrenen Investoren zum Start schafft das Unternehmen dafür zumindest eine erste Grundlage.


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