OHB erhält Milliardenauftrag für Europas Satellitennetz IRIS²
Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB hat einen der ersten großen Industrieaufträge für Europas geplantes Satellitenkommunikationssystem IRIS² erhalten. Der Satellitenbetreiber SES beauftragt OHB mit der Entwicklung und dem Bau von 18 Satellitenplattformen für knapp eine Milliarde Euro. Die Satelliten werden Teil der MEO-Infrastruktur des europäischen Systems für sichere und souveräne Kommunikation.
Der Vertrag ist der erste Großauftrag seit dem offiziellen Start der Umsetzungsphase von IRIS² am 6. August 2026. Die Europäische Union plant eine Konstellation aus insgesamt 348 Satelliten in niedrigen und mittleren Erdumlaufbahnen. Erste Satelliten sollen 2029 starten, erste Dienste ab 2030 verfügbar sein.
18 Satelliten mit jeweils rund 2,6 Tonnen
OHB entwickelt und produziert für SES die Plattformen für 18 Satelliten im mittleren Erdorbit, dem sogenannten Medium Earth Orbit (MEO). SES verantwortet innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums diesen Teil der geplanten IRIS²-Konstellation.
Die Satelliten sollen beim Start jeweils rund 2,6 Tonnen wiegen und eine maximale Leistung von etwa 15 Kilowatt erreichen. Für OHB bedeutet der Auftrag damit nicht nur ein erhebliches Vertragsvolumen, sondern auch eine zentrale Rolle beim Aufbau eines der wichtigsten neuen europäischen Raumfahrtprogramme.
IRIS² wird ein bedeutender weiterer Schritt Europas in die Unabhängigkeit.
Marco Fuchs, CEO OHB
In einer zunehmend digitalisierten Welt sei eine resiliente und eigenständige Kommunikationsinfrastruktur notwendig. OHB kann dabei auf Erfahrungen aus den europäischen Flaggschiffprogrammen Galileo und Copernicus zurückgreifen.
Europas Antwort auf den Bedarf nach souveräner Kommunikation
Mit IRIS² will die Europäische Union eine eigene hochsichere Satellitenkommunikationsinfrastruktur aufbauen. Das Programm gilt nach Galileo und Copernicus als drittes großes EU-Weltraumprogramm.
Die geplante Konstellation soll aus insgesamt 348 Satelliten in niedrigen und mittleren Erdumlaufbahnen bestehen. Der Multi-Orbit-Ansatz soll globale Abdeckung mit vergleichsweise kurzen Signallaufzeiten verbinden. Ergänzt wird die Infrastruktur durch ein eigenes, nach europäischen Standards abgesichertes Bodensegment.
Die Bedeutung des Projekts geht damit über klassische kommerzielle Satellitenkommunikation hinaus. IRIS² soll sichere Kommunikationsdienste für öffentliche und private Nutzer bereitstellen, kritische Infrastrukturen widerstandsfähiger machen und die europäischen Kapazitäten bei Krisen stärken. Gleichzeitig soll die Konstellation dazu beitragen, bislang schlecht versorgte ländliche und entlegene Regionen besser anzubinden.
SpaceRISE setzt IRIS² für die EU um
Die Europäische Kommission hat das SpaceRISE-Konsortium mit der Entwicklung und Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur beauftragt. Neben SES gehören EUTELSAT und HISPASAT dem Konsortium an. SES übernimmt innerhalb des Projekts die Verantwortung für den MEO-Anteil und setzt bei den dafür benötigten Satellitenplattformen nun auf OHB.
Der Vertrag stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Realisierung der nächsten Generation einer sicheren und resilienten Kommunikationsinfrastruktur für Europa dar.
Xavier Bertran, Chief Product and Innovation Officer bei SES
Unterstützt wird das öffentlich-private Projekt zudem durch die technische Expertise der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der EU-Agentur für das Weltraumprogramm EUSPA sowie durch weitere Unternehmen der europäischen Raumfahrtindustrie.
Knapp eine Milliarde Euro für OHB
Für OHB ist der Auftrag auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung. Mit einem Vertragswert von knapp einer Milliarde Euro sichert sich das Unternehmen einen zentralen Anteil am Aufbau des europäischen Kommunikationsnetzes.Zugleich stärkt der Auftrag den Raumfahrtstandort Deutschland innerhalb des europäischen Großprojekts. OHB ist bereits seit Beginn des Programms Technologiepartner des SpaceRISE-Konsortiums und gehört zum industriellen Kernteam.
"Europa braucht eigene, unabhängige Kommunikationskapazitäten", sagt Gianaldo Mantovani, Vorstandsmitglied der OHB System AG und verantwortlich für den Bereich Telekommunikation.
IRIS² wird zum industriepolitischen Großprojekt
Der Auftrag verdeutlicht zugleich die industriepolitische Dimension von IRIS². Satellitenkommunikation ist längst nicht mehr nur eine Frage von Breitbandversorgung. Sichere Kommunikationsnetze sind für staatliche Institutionen, Verteidigung, Unternehmen und kritische Infrastruktur zunehmend von strategischer Bedeutung. Europa will deshalb eigene technologische und industrielle Kapazitäten aufbauen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Kommunikationsinfrastrukturen reduzieren.
Für die europäische Raumfahrtindustrie beginnt mit dem Start der Umsetzungsphase nun der wirtschaftlich entscheidende Teil des Programms: Aus politischen Plänen werden konkrete industrielle Aufträge. Bis zum tatsächlichen Betrieb bleibt allerdings ein ambitionierter Zeitplan. Die ersten IRIS²-Satelliten sollen 2029 starten, ab 2030 sollen erste Dienste angeboten werden.

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