VisionSpace erhält über 300.000 Euro Förderung für eigenen Satellitencomputer
Das Darmstädter Raumfahrtunternehmen VisionSpace Technologies erhält mehr als 300.000 Euro Forschungszulage für die Entwicklung eines eigenen Onboard-Computers für Satelliten. Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage hat die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Unternehmens als förderfähig anerkannt. Begleitet wurde VisionSpace bei dem Verfahren von der auf Forschungszulagen spezialisierten Beratung re:fund.
Für VisionSpace steht hinter dem Projekt mehr als die Entwicklung einer einzelnen Hardwarekomponente. Das ursprünglich auf Software für den Satellitenbetrieb spezialisierte Unternehmen hat damit sein Geschäftsfeld um Hardware erweitert. Aus den Forschungsarbeiten entstand zudem ein neuer Schwerpunkt im Bereich Cybersecurity.
Vom Softwarehaus zum Hardwareentwickler
VisionSpace wurde 2011 von Tiago Carvalho und Miguel Lordelo gegründet. Beide verfügen über langjährige Erfahrung aus dem Umfeld der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Darmstadt in unmittelbarer Nähe zum ESA-Kontrollzentrum ESOC. Weitere Standorte bestehen im portugiesischen Figueira da Foz sowie seit 2024 in Madrid.
Ursprünglich konzentrierte sich VisionSpace auf Software für den Betrieb von Satelliten. Dazu gehören insbesondere Mission-Control-Systeme und Simulatoren, mit denen Satelliten auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Zu den Kunden zählen nach Unternehmensangaben unter anderem die ESA, EUMETSAT, Telespazio und Starion.
Parallel zum Auftragsgeschäft begann das Unternehmen jedoch mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Eines davon führte VisionSpace erstmals aus der reinen Softwareentwicklung in die Hardware.
Ein Computer für extreme Bedingungen im Orbit
Entwickelt wurde ein eigener Onboard-Computer für Satelliten. Vereinfacht handelt es sich dabei um eine Platine, die ähnliche Aufgaben wie das Mainboard eines Computers auf der Erde übernimmt, allerdings unter deutlich schwierigeren Bedingungen.
Die große Herausforderung war für uns, von den üblichen Boards, die am Boden eingesetzt werden, zu etwas zu kommen, das im Weltraum funktioniert und dort über viele Monate oder über die gesamte Missionsdauer überlebt.
Tiago Carvalho, Geschäftsführer Visionspace
Die Hardware muss unter anderem Strahlung, extremen Temperaturschwankungen und den Vibrationen während eines Raketenstarts standhalten. Gleichzeitig muss sie über Monate oder sogar die gesamte Dauer einer Mission zuverlässig funktionieren. Eine Reparatur im Orbit ist in der Regel nicht möglich. VisionSpace musste deshalb sowohl die Hardware als auch die dazugehörige Software entwickeln.
Mehr als 300.000 Euro über die Forschungszulage
Unterstützt wird die Entwicklung durch die Forschungszulage des Bundes. VisionSpace erhält dafür mehr als 300.000 Euro.
Das steuerliche Förderinstrument steht Unternehmen unabhängig von Branche und Gewinnsituation offen und soll einen Teil der Kosten für Forschung und Entwicklung kompensieren. Das Antragsverfahren erfolgt zweistufig: Zunächst bewertet die Bescheinigungsstelle Forschungszulage, ob ein Projekt die Voraussetzungen für Forschung und Entwicklung erfüllt. Anschließend erfolgt die steuerliche Festsetzung über das zuständige Finanzamt.
Bei VisionSpace mussten dafür Entwicklungsarbeiten aus mehreren Jahren voneinander abgegrenzt, technische Unsicherheiten dokumentiert und die entstandenen Aufwände nachvollziehbar belegt werden. Bei der Strukturierung und Dokumentation des Förderantrags wurde das Unternehmen von re:fund unterstützt.
Aus dem Satellitencomputer entstand ein Cybersecurity-Geschäft
Die Entwicklung des Onboard-Computers hatte für VisionSpace auch strategische Folgen. Bei der Arbeit mit der Hardware beschäftigte sich das Team intensiver mit den unterschiedlichen Kommunikationsprotokollen innerhalb von Satelliten und identifizierte dabei Ansatzpunkte für zusätzliche Sicherheitsmechanismen.
Daraus entwickelte sich ein eigener Cybersecurity-Bereich.
"Dieses Programm hat es uns erlaubt, das Unternehmen neu auszurichten", sagt Carvalho. VisionSpace sei von einem rein softwaregetriebenen Geschäft zur eigenen Hardwareentwicklung gekommen. Gleichzeitig sei daraus die Brücke zur Cybersicherheit entstanden.
In diesem Bereich arbeitet das Unternehmen heute nach eigenen Angaben unter anderem mit der Europäischen Kommission und der NATO zusammen.
Eigene Forschung verändert das Geschäftsmodell
Der Fall zeigt zugleich, welche Rolle staatliche Forschungsförderung gerade bei technologisch riskanten Entwicklungen spielen kann. VisionSpace hatte das Projekt zunächst ohne konkreten Kunden und aus eigenen Mitteln begonnen. Erst später folgte die staatliche Unterstützung. Aus einem solchen internen Entwicklungsprojekt sind inzwischen neue Produkte und Geschäftsfelder hervorgegangen. Die Ergebnisse des geförderten Vorhabens sind heute Bestandteil des Produktportfolios und werden nach Angaben des Unternehmens von externen Organisationen nachgefragt.
VisionSpace will seine eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeit entsprechend fortsetzen. Im Mittelpunkt stehen künftig die drei Bereiche Satellitenbetrieb, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz.

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