European Chips Act

QuantumDiamonds erhält 91 Millionen Euro für Quantensensorik in der Halbleiterindustrie

Der European Chips Act trägt 76 Millionen Euro zur Finanzierung bei. Weitere 15 Millionen Euro kommen von Investoren rund um World Fund und Bayern Kapital.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · München, 09. Juli 2026

Das Münchner DeepTech-Unternehmen QuantumDiamonds hat sich insgesamt 91 Millionen Euro für den Ausbau seiner Quantensensorik-Technologie gesichert. Der Großteil der Finanzierung stammt aus öffentlichen Fördermitteln im Rahmen des European Chips Act, ergänzt durch eine Series-A-Finanzierungsrunde mit namhaften Venture-Capital-Investoren.

Für den wirtschaftlichen Erfolg des Freistaats ist es essenziell, aktiv in Zukunftsbranchen wie die Chip-Industrie zu investieren. Dafür müssen wir auch Startups und Scaleups finanzieren, die in einem sehr wettbewerbsstarken Umfeld Innovation hervorbringen und so Marktanteile nach Bayern holen.

Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister Bayern

Von den insgesamt 91 Millionen Euro entfallen 76 Millionen Euro auf Fördermittel der Europäischen Union, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Freistaats Bayern. Weitere 15 Millionen Euro stammen aus einer Series-A-Runde unter der Führung von World Fund. Ebenfalls beteiligt sind Bayern Kapital über den ScaleUp-Fonds Bayern, IQ Capital, Earlybird, First Momentum, UnternehmerTUM Funding for Innovators, Creator Fund, Onsight Ventures sowie mehrere Business Angels.

Quantensensorik für die nächste Chipgeneration

QuantumDiamonds entwickelt Präzisionsmesstechnik für die Halbleiterindustrie auf Basis von Quantensensorik und synthetischen Diamanten. Die Technologie ermöglicht es, komplexe Chip-Architekturen zerstörungsfrei zu untersuchen und selbst kleinste Fehler im Nanometerbereich sichtbar zu machen.

Mit bereits laufenden Projekten in den USA und Taiwan und dem Hochfahren der Serienproduktion in München nimmt Europa nicht nur an der nächsten Phase des Chip-Zeitalters teil, sondern gestaltet diese maßgeblich mit.

Kevin Berghoff, CEO und Mitgründer von QuantumDiamonds

Dafür nutzt das Unternehmen sogenannte Stickstoff-Vakanzzentren in synthetischen Diamanten, die Magnetfelder mit außergewöhnlicher Präzision messen können. Fehler in modernen 3D-Chips lassen sich dadurch deutlich früher erkennen als mit bisherigen Verfahren.

Bereits neun der zehn größten Chip-Hersteller als Kunden

Die Technologie stößt bereits auf großes Interesse in der Branche. Nach Unternehmensangaben arbeitet QuantumDiamonds inzwischen mit neun der zehn weltweit führenden Halbleiterhersteller zusammen.

Zuletzt expandierte das Unternehmen nach Taiwan und Kalifornien – zwei der wichtigsten Standorte der globalen Chipindustrie. Dort unterstützt QuantumDiamonds Hersteller dabei, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten, Ausschuss zu reduzieren und Energie- sowie Wasserverbrauch in der Fertigung zu senken.

Produktion in München wird massiv ausgebaut

Mit dem frischen Kapital plant das 2022 als Spin-off der Technischen Universität München (TUM) gegründete Unternehmen den nächsten Wachstumsschritt.

Noch 2026 soll der erste Bauabschnitt eines 152 Millionen Euro teuren Produktionsstandorts in München in Betrieb gehen. Wir berichteten schon im Dezember 2025 über den geplanten Bau. Gleichzeitig will QuantumDiamonds sein Engineering-Team innerhalb der kommenden zwölf Monate mehr als verdoppeln und die Serienfertigung seiner Messtechnik hochfahren.

European Chips Act stärkt Europas Halbleiterindustrie

Die Finanzierung zeigt zugleich, welche Rolle der European Chips Act beim Aufbau einer europäischen Halbleiterindustrie spielen soll. Ziel des Programms ist es, Schlüsseltechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Europa zu stärken – von der Chipentwicklung bis zur Produktion.

Der Bedarf an hochkomplexen Chips, die entsprechend der Nachfrage in großer Stückzahl und mit größtmöglicher Effizienz hergestellt werden, steigt mit der zunehmenden Marktdurchdringung von KI-Anwendungen in Zukunft weiter an.

Monika Steger, Geschäftsführerin von Bayern Kapital

Mit seiner Kombination aus Quantensensorik und Präzisionsmesstechnik adressiert QuantumDiamonds dabei einen Bereich, der für die nächste Generation leistungsfähiger Chips zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der wachsende Einsatz von KI-Anwendungen erhöht den Bedarf an immer komplexeren Halbleitern – und damit auch an neuen Verfahren zur Qualitätskontrolle.

Für QuantumDiamonds bedeutet die Finanzierung Rückenwind auf dem Weg vom universitären Spin-off zum internationalen Technologieanbieter.


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