Pre-Seed

alqem sammelt 8 Millionen Euro ein

Das Münchner Deep-Tech-Startup alqem sammelt 8 Millionen Euro ein und will die Entwicklung neuer Hochleistungsmaterialien mit KI von Jahrzehnten auf Monate verkürzen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · München, 06. Juli 2026

Die Suche nach neuen Materialien gehört zu den größten Herausforderungen moderner Industriegesellschaften. Ob Elektromobilität, Energiewende oder Verteidigungstechnologien, viele Schlüsselindustrien sind auf leistungsfähige und zugleich strategisch verfügbare Werkstoffe angewiesen. Das Münchner Deep-Tech-Startup alqem will die Entwicklung solcher Materialien mithilfe von Künstlicher Intelligenz drastisch beschleunigen und hat dafür nun eine Pre-Seed-Finanzierung über acht Millionen Euro abgeschlossen.

Die Finanzierungsrunde wird gemeinsam von UVC Partners und dem US-amerikanischen Venture-Capital-Investor Union Square Ventures angeführt. Das erst 2026 gegründete Unternehmen entwickelt eine KI-Plattform, die die Entdeckung und Kommerzialisierung neuartiger Hochleistungsmaterialien grundlegend beschleunigen soll.

Drastisce Cyclekürzung

Die Entwicklung neuer Materialien gilt traditionell als langwieriger und kostenintensiver Prozess. Zwischen wissenschaftlicher Entdeckung und industrieller Anwendung vergehen häufig Jahrzehnte. alqem will diesen Zeitraum mithilfe von Künstlicher Intelligenz und automatisierter Forschung drastisch verkürzen. Das Unternehmen kombiniert dafür mehrere technologische Komponenten: eine eigene Datenbank potenziell stabiler kristalliner Verbindungen ("al-mine"), spezielle Trainingsdatensätze für Materialeigenschaften ("al-oracle") sowie eigene Laborinfrastruktur für Synthese und experimentelle Validierung.

Ziel ist es, neue Materialien nicht mehr zufällig oder durch langwierige Forschungsprozesse zu entdecken, sondern systematisch vorherzusagen, experimentell zu bestätigen und schnell in industrielle Anwendungen zu überführen.

Strategischer Fokus auf seltene Erden

Das erste konkrete Anwendungsgebiet adressiert zugleich eine der größten geopolitischen Herausforderungen moderner Industriepolitik: Hochleistungsmagnete ohne seltene Erden.

Derzeit stammen rund 90 Prozent der weltweit produzierten Hochleistungs-Permanentmagnete aus China. Gleichzeitig gelten diese Materialien als unverzichtbar für Elektromotoren, Windkraftanlagen und zahlreiche industrielle Anwendungen.

Nach Angaben des Unternehmens konnte alqem bereits mehrere vielversprechende Materialkandidaten identifizieren und deren vorhergesagte Eigenschaften experimentell validieren. Damit adressiert das Startup nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern auch Fragen der strategischen Rohstoff- und Lieferkettensicherheit.

Wissenschaftliche Exzellenz trifft Unternehmertum

Hinter alqem steht ein interdisziplinäres Gründerteam aus Wissenschaft und Industrie. CEO Dr. Hanh Nguyen bringt Erfahrungen aus Unternehmen wie McKinsey, Unilever und OCI Global mit. CTO Dr. Tiago Cerqueira war unter anderem an der Entwicklung der offenen Materialdatenbank Alexandria beteiligt. Komplettiert wird das Gründerteam durch Prof. Milan Allan, Inhaber des Lehrstuhls für Experimentalphysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Unterstützt wird das Unternehmen darüber hinaus von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Forschungseinrichtungen wie der Max-Planck-Gesellschaft, der Ruhr-Universität Bochum sowie internationalen Universitäten in Portugal.

Europäische Materialforschung als strategischer Wettbewerbsvorteil

Die Investoren sehen in alqem weit mehr als ein klassisches KI-Startup. Fortschrittliche Materialien gelten zunehmend als strategische Schlüsseltechnologie für die Wettbewerbsfähigkeit Europas – von der Energiewende über Mobilität bis hin zu sicherheitsrelevanten Technologien.

Die Kombination aus KI, Materialwissenschaft und industrieller Anwendung könnte dabei einen grundlegenden Wandel in der Entwicklung neuer Werkstoffe einleiten. Statt jahrzehntelanger Forschungszyklen könnten künftig datengetriebene Modelle und automatisierte Labore die Geschwindigkeit der Materialentwicklung entscheidend erhöhen.

Mit der nun abgeschlossenen Finanzierung will alqem seine Plattform weiter ausbauen, zusätzliche Forschungskapazitäten schaffen und seine Standorte in München und Coimbra erweitern. Die entscheidende Frage wird dabei sein, ob Europa künftig nicht nur bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz, sondern auch bei der Entwicklung der Materialien für die Technologien von morgen eine führende Rolle einnehmen kann.


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