Quantum Systems holt 1,2 Milliarden US-Dollar nach München
Die europäische Defence-Tech-Branche erlebt ihre bislang größte Finanzierungsrunde: Das Münchner Unternehmen Quantum Systems hat eine Series-D-Finanzierung über 1,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen und wird damit nach Unternehmensangaben mit rund acht Milliarden US-Dollar bewertet. Die Runde zählt zu den größten privaten Finanzierungen eines europäischen Verteidigungstechnologie-Unternehmens überhaupt.
Angeführt wurde die Finanzierung von Blackstone, Noteus, Airbus und Advent. Darüber hinaus beteiligen sich zahlreiche internationale institutionelle Investoren wie BOND, Fidelity Management & Research, Wellington Management, A.P. Moller Holding und Elephant Lake Ventures. Auch bestehende Investoren wie Balderton und HV Capital bleiben an Bord.
Vom Drohnenhersteller zum "Neo Prime"
Mit der neuen Finanzierung verfolgt Quantum Systems ein deutlich größeres Ziel als den Ausbau einzelner Drohnensysteme. Das Unternehmen will sich als sogenannter "Neo Prime" etablieren, als neue Generation eines Verteidigungsunternehmens, das softwaredefinierte, autonome Systeme über verschiedene Einsatzdomänen hinweg entwickelt und integriert.
Im Mittelpunkt dieser Strategie steht die Plattform MOSAIC UXS, über die künftig autonome Systeme in der Luft, an Land und auf See miteinander vernetzt werden sollen. Statt einzelner unbemannter Systeme setzt Quantum Systems damit auf ein interoperables Ökosystem autonomer Plattformen.
"Die Zukunft ist unbemannt", erklärt Mitgründer und Co-CEO Florian Seibel. Moderne Verteidigung werde künftig durch autonome Systeme geprägt, die in Echtzeit über verschiedene Domänen hinweg zusammenarbeiten können.
Bewertung mehr als verdoppelt
Die aktuelle Finanzierungsrunde hat die Unternehmensbewertung von Quantum Systems nach eigenen Angaben mehr als verdoppelt. Ausschlaggebend dafür seien das starke Umsatzwachstum, die bereits erreichte Profitabilität sowie die strategische Positionierung im Bereich autonomer Verteidigungssysteme gewesen.
Damit gehört Quantum Systems inzwischen zu den höchstbewerteten privaten Defence-Tech-Unternehmen Europas und positioniert sich zunehmend als europäische Alternative zu großen amerikanischen Verteidigungstechnologie-Anbietern.
Ausbau der europäischen Verteidigungsindustrie
Parallel zur Finanzierungsrunde haben Quantum Systems und Airbus Defence and Space ihre strategische Zusammenarbeit weiter vertieft. Beide Unternehmen wollen ihre Kompetenzen in den Bereichen Software, künstliche Intelligenz und Systemarchitektur bündeln, um die Entwicklung souveräner europäischer Verteidigungsfähigkeiten zu beschleunigen.
Die Kooperation verdeutlicht einen grundlegenden Wandel in der europäischen Rüstungsindustrie: Große etablierte Unternehmen verstehen sich zunehmend als Plattform- und Ökosystemanbieter, während spezialisierte Technologieunternehmen innovative autonome Systeme entwickeln.
Von der Ukraine bis nach Australien
Die operative Skalierung des Unternehmens ist bereits weit fortgeschritten. Nach Angaben von Quantum Systems absolvierten die Systeme des Unternehmens allein in der Ukraine im Jahr 2025 mehr als 19.000 Einsätze.
Gleichzeitig hat das Unternehmen seine Produktions- und Entwicklungsstandorte in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut und ist mittlerweile unter anderem in Deutschland, der Ukraine, den USA, Australien, Rumänien, Großbritannien und den baltischen Staaten vertreten. Die neuen Mittel sollen nun vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten, die Stabilisierung der Lieferketten, die internationale Expansion sowie die Weiterentwicklung von Software- und KI-Technologien fließen.
Europas Defence-Tech-Moment?
Die Finanzierung von Quantum Systems steht exemplarisch für einen strukturellen Wandel im europäischen Kapitalmarkt. Verteidigungstechnologien, die über viele Jahre für institutionelle Investoren kaum investierbar waren, entwickeln sich zunehmend zu einem eigenständigen Deep-Tech-Segment mit erheblichem Wachstumspotenzial.
Die Kombination aus geopolitischen Veränderungen, technologischer Disruption und steigenden Verteidigungsbudgets schafft dabei einen Markt, der vor wenigen Jahren in Europa noch kaum existierte. Mit einer Bewertung von acht Milliarden US-Dollar, globaler Präsenz und einer milliardenschweren Kriegskasse verfolgt Quantum Systems nun nichts Geringeres als den Aufbau eines neuen europäischen Rüstungs- und Technologiekonzerns für das Zeitalter autonomer Systeme.

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