Flinket und Upvest bringen digitale fondsgebundene Versicherungen nach Europa
Das spanische InsurTech Flinket und das Berliner FinTech Upvest gehen eine Partnerschaft ein. Gemeinsam wollen die Unternehmen Versicherern ermöglichen, vollständig digitale fondsgebundene Versicherungsprodukte schneller auf den europäischen Markt zu bringen. Die Kooperation verbindet dafür Flinkets Infrastruktur für Unit-Linked-Produkte mit der Investment API von Upvest.
Als erstes gemeinsames Produkt startet in Spanien "myETF". Die digitale fondsgebundene Versicherung wurde von Flinket entwickelt, Versicherer ist MGC Mutua. Weitere Produkte mit zusätzlichen Versicherern und Anlageklassen in Europa sollen folgen.
Investment-Infrastruktur trifft Versicherungsplattform
Flinket hat eine technologische und operative Plattform entwickelt, über die Versicherer fondsgebundene Produkte digital abbilden können. Die Infrastruktur deckt dabei den gesamten Lebenszyklus ab, darunter Onboarding, Geeignetheitsprüfung, Policenverwaltung sowie Dokumentations- und Reportingprozesse rund um PRIIPs und IDD.
Durch die Integration der Investment API von Upvest kommt nun die Investment-Infrastruktur hinzu. Upvest übernimmt im Hintergrund unter anderem Orderausführung, Settlement und Verwahrung. Damit sollen Versicherer Investmentprodukte auf Basis unterschiedlicher Anlageklassen entwickeln können, ohne dafür selbst eine entsprechende technische Infrastruktur aufbauen zu müssen.
ETFs innerhalb der Versicherung
Zum Start können Kunden innerhalb ihrer Police zwischen zwei Ansätzen wählen. Einerseits lassen sich einzelne ETFs auswählen und zu einer individuellen Strategie kombinieren. Andererseits stehen von MGC Mutua zusammengestellte Portfolios zur Verfügung.
Beide Varianten unterstützen Sparpläne sowie wiederkehrende und anteilige Investments.
Eine Besonderheit ergibt sich aus der spanischen steuerlichen Behandlung der Unit-Linked-Struktur. Innerhalb der Police können Anleger zwischen ETFs wechseln, ohne dass bei jedem einzelnen Wechsel unmittelbar ein steuerpflichtiges Ereignis ausgelöst wird. Die Besteuerung erfolgt laut Flinket erst bei der Auszahlung der Anlage.
Gerade diese Kombination aus digitaler Abwicklung, ETF-Investments und steuerlicher Struktur soll fondsgebundene Versicherungen auch für eine breitere Gruppe von Privatanlegern interessanter machen.
Schnellere Produkte
Für Flinket liegt eine der größten Hürden des Marktes bislang in der Komplexität solcher Produkte. Versicherungsbasierte Investmentangebote müssen nicht nur technisch umgesetzt, sondern auch in umfangreiche regulatorische Prozesse eingebettet werden. Die gemeinsame Infrastruktur soll diesen Aufwand reduzieren. Nach Angaben von Flinket können Banken, FinTechs und Versicherer entsprechende Lösungen dadurch innerhalb von Monaten statt Jahren auf den Markt bringen.
Für die Anbieter selbst sind die Produkte ebenfalls interessant: Versicherungsbasierte Spar- und Investmentlösungen können langfristige Kundenbeziehungen schaffen und wiederkehrende Erlöse generieren.
Upvest liefert die Infrastruktur im Hintergrund
Für Upvest ist die Kooperation ein weiterer Anwendungsfall seiner Investment API. Während Flinket die Versicherungslogik und den regulatorischen Rahmen abbildet, übernimmt Upvest zentrale Investmentprozesse im Hintergrund.
Flinket wurde 2021 gegründet und verfolgt dabei mehrere Geschäftsmodelle. Neben eigenen Produkten für Endkunden bietet das Unternehmen White-Label-Lösungen für Banken und andere Institutionen sowie seine Technologie über APIs für Versicherer mit eigenen Entwicklungsteams an.
Unterstützt wird das spanische InsurTech unter anderem von den Gründern des Antai Venture Builder, EBISU Digital VC und MGC Mutua. Entscheidend dürfte anschließend sein, wie schnell Flinket und Upvest weitere Versicherer gewinnen und das Modell über Spanien hinaus in anderen europäischen Märkten etablieren können.

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