Nia Health kooperiert mit AbbVie Deutschland bei KI-gestützter Neurodermitis-Versorgung
Das Berliner HealthTech-Unternehmen Nia Health und AbbVie Deutschland arbeiten künftig gemeinsam an der Weiterentwicklung einer digitalen, KI-gestützten Versorgung für Menschen mit Neurodermitis. Seit Juli 2026 unterstützt AbbVie die Weiterentwicklung des Versorgungsangebots, während die wissenschaftliche Verantwortung vollständig bei Nia Health verbleibt.
Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen digitale Anwendungen, die den Krankheitsverlauf zwischen Arztterminen dokumentieren und mithilfe künstlicher Intelligenz eine objektivere Einschätzung des Schweregrads ermöglichen sollen.
KI soll Ärzte unterstützen
Neurodermitis verläuft häufig in Schüben und verändert sich teilweise täglich. Während Patientinnen und Patienten diese Veränderungen kontinuierlich erleben, erhalten behandelnde Ärzte meist nur punktuelle Einblicke während der Sprechstunde.
Die von Nia Health entwickelte App "Nia", nach Unternehmensangaben die meistgenutzte Neurodermitis-App Deutschlands, ermöglicht Betroffenen die Dokumentation ihres Krankheitsverlaufs im Alltag. Dadurch sollen Arztgespräche besser vorbereitet und Therapieentscheidungen fundierter getroffen werden.
Ein zentrales Entwicklungsprojekt ist der sogenannte "AI Severity Classifier". Das KI-System analysiert Fotos betroffener Hautstellen, die Patientinnen und Patienten mit ihrem Smartphone aufnehmen, und schätzt den Schweregrad der Erkrankung anhand etablierter klinischer Bewertungsskalen ein. Die KI dient dabei ausschließlich als Unterstützung, die medizinische Beurteilung bleibt weiterhin Aufgabe der behandelnden Ärztinnen und Ärzte.
Integration in die Charité geplant
Der AI Severity Classifier wird derzeit in das Krankenhausinformationssystem (KIS) der Berliner Charité integriert. Langfristig sollen Schweregrade dadurch standardisiert und teilweise bereits im häuslichen Umfeld erfasst werden können. Ziel ist es, den Dokumentationsaufwand zu reduzieren, die Vergleichbarkeit klinischer Bewertungen zu verbessern und gleichzeitig eine hochwertige Datengrundlage für Forschung und Versorgung zu schaffen.
Real-World-Daten für bessere Therapien
Neben der individuellen Versorgung entstehen durch die Nutzung der App anonymisierte Real-World-Daten. Diese liefern Einblicke in den tatsächlichen Krankheitsverlauf außerhalb der Arztpraxis und zeigen beispielsweise, welche Beschwerden Betroffene im Alltag besonders belasten oder wie sich Therapiewechsel auswirken.
Nia Health nutzt diese Erkenntnisse, um seine digitalen Medizinprodukte weiterzuentwickeln und die Versorgung von Menschen mit atopischer Dermatitis weiter zu verbessern.
Charité-Spin-off setzt auf digitale Dermatologie
Nia Health wurde als Ausgründung der Charité gegründet und entwickelt digitale Medizinprodukte für chronische Hauterkrankungen. Mit der Kooperation gewinnt das Unternehmen einen starken Partner aus der Pharmaindustrie, während AbbVie seine Aktivitäten im Bereich chronisch-entzündlicher Hauterkrankungen um digitale Versorgungslösungen ergänzt.
Die Zusammenarbeit zeigt zugleich, wie Künstliche Intelligenz zunehmend Einzug in die medizinische Versorgung hält – nicht als Ersatz ärztlicher Entscheidungen, sondern als Werkzeug für präzisere Diagnostik, bessere Verlaufskontrolle und individuellere Therapien.

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