Energie

Nomos erhält 20 Millionen Euro für KI-native Energieplattform

Index Ventures führt die neue Finanzierungsrunde des Berliner Energie-Startups an. Mit dabei sind auch die Gründer von Bolt, UiPath und Nord Security.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 16. September 2026

Das Berliner Energie-Startup Nomos hat 20 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Index Ventures. Zu den beteiligten Business Angels gehören zudem Markus Villig, Gründer von Bolt, UiPath-Gründer Daniel Dines und Tomas Okmanas, Mitgründer von Nord Security. Mit dem Kapital will Nomos sein Team ausbauen und seine Plattform skalieren, die Solaranlagen, Batteriespeicher und Elektroautos von Privathaushalten stärker mit dem europäischen Strommarkt verbinden soll.

Haushalte werden Teil des Strommarkts

Nomos setzt auf eine Entwicklung, die mit dem Ausbau erneuerbarer Energien an Bedeutung gewinnt: Immer mehr Haushalte verfügen über eigene Energieanlagen. Solarmodule erzeugen Strom, Batteriespeicher können ihn zeitversetzt bereitstellen und Elektroautos ermöglichen eine flexible Steuerung des Ladezeitpunkts. Ein großer Teil dieser Flexibilität werde bislang allerdings nicht am Strommarkt genutzt, argumentiert Nomos. Das Unternehmen will deshalb koordinieren, wann Haushalte Strom verbrauchen, speichern oder verkaufen.

Batterien könnten beispielsweise dann geladen werden, wenn viel Solarstrom verfügbar und Strom entsprechend günstig ist. Elektroautos wiederum könnten bevorzugt zu preiswerten Zeiten laden. Für Haushalte sollen dadurch niedrigere Stromkosten und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten entstehen. Gleichzeitig könnte die Flexibilität dabei helfen, Schwankungen durch erneuerbare Energien im Stromsystem auszugleichen.

Nomos baut eigenes Betriebssystem für Energieversorger

Technologisch setzt das Unternehmen dafür auf einen Full-Stack-Ansatz. Nomos ist in Deutschland bereits regulierter Stromversorger und Bilanzkreisverantwortlicher. Gleichzeitig entwickelt das Startup die dafür benötigte Software selbst. Im Zentrum steht das sogenannte "Nomos OS". Das Betriebssystem soll einen möglichst großen Teil der Prozesse automatisieren, für die Energieversorger traditionell umfangreiche Teams benötigen.

Dazu gehören unter anderem Prognosen über den Stromverbrauch einzelner Haushalte, Stromhandel, Liquiditätsmanagement und die Absicherung gegen Preisschwankungen. Hinzu kommen klassische Prozesse eines Energieversorgers wie Marktkommunikation, Messdatenverarbeitung, Abrechnung und Kundenservice.

Nomos setzt dabei gezielt auf Automatisierung und agentische KI. Die Herausforderung liegt nach Darstellung des Unternehmens darin, die unterschiedlichen Prozesse miteinander zu verbinden. Eine Handelsentscheidung kann beispielsweise Auswirkungen auf die Liquidität haben, während fehlende Messwerte wiederum die Abrechnung beeinflussen.

Stromversorgung im Hintergrund für andere Marken

Nomos will seine Infrastruktur allerdings nicht ausschließlich über eine eigene Endkundenmarke vertreiben. Stattdessen arbeitet das Unternehmen mit Herstellern und Installateuren von Energietechnik zusammen. Diese können ihren Kunden Stromprodukte unter der eigenen Marke anbieten, während Nomos im Hintergrund die Stromversorgung und die damit verbundenen operativen Prozesse übernimmt.

Damit positioniert sich das Startup als Infrastrukturplattform zwischen Haushalten, Energieunternehmen und Strommarkt. Die klassische Stromversorgung sowie die Vermarktung von Solarstrom sind nach Angaben des Unternehmens bereits verfügbar. Als nächste Schritte sollen Batteriespeicher und Elektroautos stärker in den flexiblen Stromhandel integriert werden.

20 Millionen Euro für die Skalierung

Mit den jetzt eingesammelten 20 Millionen Euro will Nomos vor allem das Team in Berlin vergrößern und die vorhandene Infrastruktur skalieren. Bereits im Oktober 2024 berichteten wir auf der Startbase über eine erfolgreiche Runde über 2,1 Millionen Euro für das Startup.

Nomos will nach eigenen Angaben Europas größtes Energieunternehmen aufbauen und dafür Millionen dezentrale Energieanlagen von Haushalten mit dem Strommarkt verbinden. Der Ansatz trifft auf einen Energiemarkt, der durch den Ausbau von Solarenergie, Batteriespeichern und Elektromobilität zunehmend dezentraler wird. Damit wächst grundsätzlich auch das Potenzial, Verbrauch und Speicherung stärker an schwankende Strompreise und die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien anzupassen.

Entscheidend für Nomos wird sein, ob sich die komplexen regulatorischen und operativen Prozesse eines Energieversorgers tatsächlich so weit automatisieren lassen, dass das Unternehmen seine Plattform mit vergleichsweise schlanken Strukturen skalieren kann. Die Finanzierung durch Index Ventures gibt dem Berliner Startup nun zusätzliches Kapital, um genau diesen Ansatz in größerem Maßstab umzusetzen.


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