NewSpace

Aerospacelab erhält 2,4-Milliarden-Euro-Auftrag für IRIS²

Aerospacelab erhält einen Rekordauftrag für Europas IRIS²-Konstellation. Bis 2030 soll das Unternehmen einen Großteil der geplanten LEO-Satelliten liefern.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Mont-Saint-Guibert, 10. September 2026

Der belgische Satellitenhersteller Aerospacelab hat einen Auftrag im Wert von 2,4 Milliarden Euro für das europäische Satellitenprogramm IRIS² erhalten. Das 2018 gegründete Raumfahrtunternehmen soll 264 Satelliten für das LEO-Segment der geplanten europäischen Konstellation entwickeln, produzieren und ausliefern. Insgesamt sind für diesen Teil des Projekts 348 Satelliten vorgesehen. Für Aerospacelab ist es der bislang größte Auftrag der Unternehmensgeschichte und ein Sprung vom New-Space-Unternehmen zum industriellen Großauftragnehmer.

264 Satelliten für Europas neue Konstellation

Aerospacelab wurde als einer der Hauptauftragnehmer für das LEO-Segment von IRIS² ausgewählt. Die Abkürzung steht für "Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite". Dem Auftrag vorausgegangen war ein Wettbewerbsdialog mit Eutelsat. Das Unternehmen führt innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums, zu dem auch Hispasat und SES Astra gehören, das LEO-Segment des Programms.

Aerospacelab übernimmt nun die Entwicklung und Produktion von 264 Satellitenplattformen sowie die Auslieferung der vollständig integrierten Satelliten. Bis 2030 sollen sie Teil der europäischen Konstellation werden. Damit verantwortet das Unternehmen einen erheblichen Anteil der geplanten Infrastruktur: Von insgesamt 348 vorgesehenen LEO-Satelliten entfallen rund 76 Prozent auf Aerospacelab.

IRIS² soll Europas digitale Souveränität stärken

IRIS² gehört zu den strategischen Raumfahrtprojekten der Europäischen Union und soll eine sichere und widerstandsfähige Satellitenkommunikation ermöglichen. Die Infrastruktur richtet sich unter anderem an europäische Regierungen, Institutionen sowie Verteidigungs- und Sicherheitsbehörden. Gleichzeitig soll die Konstellation auch kommerzielle Kommunikationsdienste ermöglichen.

Politisch steht dahinter insbesondere der Anspruch, bei kritischer Kommunikationsinfrastruktur weniger abhängig von außereuropäischen Satellitennetzwerken zu sein. IRIS² reiht sich damit in europäische Großprojekte wie Galileo und Copernicus ein. Während Galileo die europäische Satellitennavigation und Copernicus die Erdbeobachtung abdeckt, soll IRIS² insbesondere die sichere satellitengestützte Konnektivität stärken.

Aerospacelab steigt zum Großauftragnehmer auf

Für Aerospacelab bedeutet der Auftrag einen erheblichen Sprung bei Größenordnung und industrieller Verantwortung. Das Unternehmen wurde erst 2018 gegründet und verfolgt einen vertikal integrierten Ansatz bei der Entwicklung und Produktion von Satelliten. Statt Satelliten weitgehend als Einzelprojekte zu fertigen, setzt Aerospacelab auf standardisierte Plattformen und eine stärker industrialisierte Produktion. Dieses Modell soll nun beim IRIS²-Auftrag seine Skalierbarkeit unter Beweis stellen.

„Die Wahl von Aerospacelab für IRIS² spiegelt eine bewusste industrielle Entscheidung wider – ein entscheidender Moment für ganz Europa“, sagt Gründer und CEO Benoît Deper.

Benoît Deperm, Gründer und CEO Aerospacelab

Aus seiner Sicht zeige die Vergabe, dass europäische Institutionen zunehmend auch einer neuen Generation von Raumfahrtunternehmen zutrauen, kritische Infrastruktur in großem Maßstab bereitzustellen.

Neue Megafactory soll Großserien ermöglichen

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Auftrags spielt die neue Megafactory von Aerospacelab. Die Produktionsanlage befindet sich derzeit in Fertigstellung und wurde nach Angaben des Unternehmens gezielt für Satellitenprogramme dieser Größenordnung konzipiert.

Für Aerospacelab wird der IRIS²-Auftrag damit zugleich zum entscheidenden Test des eigenen Industrialisierungsansatzes. 264 vollständig integrierte Satelliten innerhalb weniger Jahre zu produzieren und auszuliefern, erfordert eine andere Fertigungsstruktur als klassische Raumfahrtprojekte mit kleinen Stückzahlen.

Die Dimension zeigt sich auch am durchschnittlichen Auftragswert: Rechnerisch entsprechen 2,4 Milliarden Euro bei 264 Satelliten rund 9,1 Millionen Euro pro Satellit. Der tatsächliche Vertragswert umfasst allerdings mehr als die reine Hardwareproduktion, sodass daraus keine direkten Stückkosten abgeleitet werden können.

Vom Startup zum europäischen Space-Prime

Für das erst acht Jahre alte Unternehmen verändert der Auftrag auch die eigene Position innerhalb der europäischen Raumfahrtindustrie. Aerospacelab konkurriert zunehmend nicht mehr ausschließlich mit anderen New-Space-Unternehmen, sondern übernimmt Aufgaben, die traditionell von großen etablierten Raumfahrtkonzernen ausgeführt werden.

Mathieu Costes, Operating Partner bei AV und Chairman of the Board von Aerospacelab, spricht entsprechend von einem „entscheidenden Meilenstein“ für das Unternehmen. Der Auftrag bringe Aerospacelab in eine neue Führungsposition als sogenannter New-Space-Prime. Damit könnte IRIS² auch industriepolitische Auswirkungen haben. Europa versucht seit einigen Jahren, neben etablierten Raumfahrtkonzernen eine neue Generation skalierbarer Satellitenhersteller aufzubauen.

2,4 Milliarden Euro verändern die Größenordnung

Für Aerospacelab ist IRIS² damit weit mehr als ein weiterer Kundenauftrag. Ein Vertragsvolumen von 2,4 Milliarden Euro verändert die Größenordnung, in der das Unternehmen operiert. Gleichzeitig steigt jedoch auch das Risiko. Die Produktion und termingerechte Auslieferung von 264 Satelliten bis 2030 wird zeigen müssen, ob sich die von Aerospacelab versprochene industrielle Skalierbarkeit tatsächlich auf ein europäisches Infrastrukturprojekt dieser Dimension übertragen lässt.

Gelingt das, dürfte der Auftrag die Position des Unternehmens im internationalen Satellitenmarkt grundlegend verändern. Aus einem 2018 gegründeten New-Space-Unternehmen würde innerhalb von gut einem Jahrzehnt einer der zentralen industriellen Lieferanten für Europas souveräne Kommunikationsinfrastruktur.


Like it? Please spread the word:


Newsletter

Startups, Geschichten und Statistiken aus dem deutschen Startup-Ökosystem direkt in deinen Posteingang. Abonnieren mit 2 Klicks. Noice.

LinkedIn Connect

FYI: English edition available

Hello my friend, have you been stranded on the German edition of Startbase? At least your browser tells us, that you do not speak German - so maybe you would like to switch to the English edition instead?

Go to English edition

FYI: Deutsche Edition verfügbar

Hallo mein Freund, du befindest dich auf der Englischen Edition der Startbase und laut deinem Browser sprichst du eigentlich auch Deutsch. Magst du die Sprache wechseln?

Deutsche Edition öffnen

Ähnliche Beiträge