Fusionality erhält 3 Millionen Franken für Fusionstechnologie
Das Lausanner DeepTech-Startup Fusionality hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 3 Millionen Schweizer Franken abgeschlossen. Die Runde wird gemeinsam von Founderful und Playfair angeführt. Das 2026 gegründete Spin-off aus dem Umfeld des Swiss Plasma Center der EPFL entwickelt Hard- und Software, mit der sich Fusionsanlagen messen, simulieren, überwachen und steuern lassen. Hinter dem Unternehmen stehen zwei ehemalige Wissenschaftler von Google DeepMind.
Infrastruktur für die Fusionsindustrie
Das Startup Technologien für Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die an magnetischen Fusionsanlagen arbeiten. Bei diesen Anlagen wird extrem heißes Plasma mithilfe starker Magnetfelder eingeschlossen. Damit sollen Bedingungen geschaffen werden, wie sie auch im Inneren von Sternen herrschen. Langfristiges Ziel der Branche ist es, aus diesem Prozess kommerziell nutzbare Energie zu gewinnen.
Nach Angaben von Fusionality arbeiten inzwischen mehr als 30 privat finanzierte Unternehmen weltweit an eigenen Fusionsanlagen. Hinzu kommen staatlich finanzierte nationale und internationale Forschungsprogramme. Unabhängig von der jeweiligen Reaktortechnologie stehen viele dieser Projekte vor ähnlichen operativen Herausforderungen.
Plasma innerhalb von Millisekunden kontrollieren
Für den Betrieb einer Fusionsanlage müssen große Mengen unterschiedlicher Daten erfasst und verarbeitet werden. Systeme müssen den Zustand des Plasmas bestimmen und auf dieser Grundlage unter anderem Magnetfelder, Heizung und Brennstoffzufuhr steuern. Diese Reaktionen müssen teilweise innerhalb von Millisekunden erfolgen.
Die dafür notwendige Infrastruktur muss entsprechend zuverlässig funktionieren. Fehler können Forschungsarbeiten verzögern oder Komponenten beschädigen. In zukünftigen kommerziellen Fusionskraftwerken könnten Ausfälle zudem direkt die Energieproduktion beeinträchtigen.
Bislang entwickeln viele Unternehmen diese Infrastruktur weitgehend selbst. Fusionality sieht darin unnötige Doppelarbeit, höhere Entwicklungskosten und einen Faktor, der den Fortschritt der gesamten Branche verlangsamt.
Standardisierte Hard- und Software statt Eigenentwicklung
Fusionality will deshalb eine übertragbare Infrastruktur für Messung, Simulation und Steuerung entwickeln. Dabei kombiniert das Unternehmen Hard- und Softwarekomponenten. Der entscheidende Ansatz: Die Technologie soll sich möglichst einfach auf unterschiedliche Fusionsanlagen übertragen lassen. Statt für jeden Kunden ein vollständig neues System zu entwickeln, soll lediglich eine begrenzte Anpassung an die jeweilige Anlage notwendig sein.
Dadurch sollen die Kosten bei jeder weiteren Implementierung sinken und Fusionsunternehmen ihre operative Infrastruktur schneller aufbauen können. Das Startup positioniert sich damit als Technologiezulieferer für eine wachsende Fusionsindustrie – vergleichbar mit einer Infrastrukturplattform, auf der unterschiedliche Reaktorkonzepte aufsetzen können.
Gründer lernten sich bei DeepMind-Fusionsprojekt kennen
Gegründet wurde Fusionality 2026 von Federico Felici und Jonas Buchli. Beide bringen Erfahrung aus Wissenschaft, Regelungstechnik und künstlicher Intelligenz mit.
Felici studierte Regelungstechnik und promovierte an der EPFL in Plasmaphysik. Nach einer Tätigkeit als Assistenzprofessor an der TU Eindhoven kehrte er an die EPFL zurück und arbeitete am Swiss Plasma Center an der Steuerung von Fusionsanlagen. Anschließend verbrachte er zweieinhalb Jahre bei Google DeepMind, bevor er in die Schweiz zurückkehrte und Fusionality gründete.
Buchli ist Elektroingenieur und war zuvor an der ETH Zürich tätig. Später wechselte er als Senior Research Scientist zu Google DeepMind und beschäftigte sich unter anderem mit Robotik, optimaler Regelung und Reinforcement Learning für die Steuerung physischer Systeme.
KI steuerte bereits einen Tokamak
Kennengelernt haben sich die beiden Gründer bei einem gemeinsamen Forschungsprojekt von EPFL und Google DeepMind. Dabei trainierte das Team eine künstliche Intelligenz darauf, das Plasma im TCV-Tokamak der EPFL zu kontrollieren. Die Forschungsarbeit mündete 2022 in einer Veröffentlichung im Fachjournal Nature zur magnetischen Steuerung von Tokamak-Plasmen mithilfe von Deep Reinforcement Learning.
Der Betrieb einer Fusionsanlage ist eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der verschiedene Datenquellen, unterschiedliche Zeitskalen und komplexes Plasmaverhalten zusammenkommen.
Jonas Buchli, Mitgründer und CTO
Diese Verbindung aus Plasmaphysik, Regelungstechnik, Software und KI bildet nun auch die technologische Grundlage von Fusionality.
Laut Buchli woll Fusionaity diese Herausforderung mit einem multidisziplinären Ansatz aus Messtechnik, Software, Regelungstechnik und Data Engineering adressieren.
Founderful und Playfair führen Pre-Seed-Runde an
Die 3 Millionen Schweizer Franken sollen zunächst in den Aufbau des Teams am Standort Lausanne fließen. Fusionality sucht unter anderem Regelungsingenieure, Computational Physicists, Spezialisten für Plasmamessungen und Softwareentwickler. Parallel will das Unternehmen seine ersten Kundenprojekte umsetzen und damit zeigen, dass sich die entwickelte Infrastruktur tatsächlich auf unterschiedliche Fusionsanlagen übertragen lässt. David Gates, Mitgründer und CTO des US-amerikanischen Fusionsunternehmens Thea Energy, sieht insbesondere in der Konzentration auf Messung, Simulation und Steuerung das Potenzial, die Entwicklung der gesamten Fusionsbranche zu beschleunigen.
Ein Zulieferer für den Wettlauf um Fusionsenergie
Fusionality verfolgt damit einen anderen Ansatz als viele Startups im derzeit wachsenden Fusionsmarkt. Das Unternehmen muss nicht selbst beweisen, dass ein bestimmtes Reaktordesign wirtschaftlich Strom erzeugen kann. Stattdessen setzt es auf eine technologische Herausforderung, die viele unterschiedliche Fusionskonzepte gemeinsam haben: Anlagen müssen zuverlässig gemessen, verstanden und in Echtzeit gesteuert werden.
Sollte sich die Zahl der privaten Fusionsprojekte weiter erhöhen, könnte genau diese Spezialisierung interessant werden. Statt zentrale Betriebsinfrastruktur immer wieder neu zu entwickeln, könnten Unternehmen auf standardisierte Komponenten zurückgreifen. Mit den 3 Millionen Schweizer Franken muss Fusionality nun zunächst beweisen, dass sich die Technologie tatsächlich mit begrenztem Anpassungsaufwand über verschiedene Reaktortypen hinweg einsetzen lässt. Gelingt das, könnte das Lausanner Startup zu einem Infrastrukturzulieferer für eine noch junge, aber kapitalintensive Fusionsindustrie werden.

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