Agtech

Tellia erhält 5 Millionen US-Dollar für Voice AI in der Landwirtschaft

Voice AI auf dem Acker. Tellia sammelt eine Pre-Seed-Finanzierung ein. Die KI erfasst Sprach- und WhatsApp-Nachrichten direkt vom Feld und überträgt die Informationen in digitale Agrarsysteme.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Paris, 09. September 2026

Das AgTech-Startup Tellia hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 5 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Berliner VC Revent. Ebenfalls beteiligt sind Grey Silo Ventures, Jeriko und Fund F. Tellia entwickelt eine KI-basierte Sprachschnittstelle, mit der landwirtschaftliche Betriebe Informationen direkt aus dem Feld erfassen und in bestehende digitale Systeme übertragen können.

Sprachsteuerung statt Formulare auf dem Feld

Tellia setzt bei einem alltäglichen Problem landwirtschaftlicher Betriebe an: Viele Softwarelösungen sind für die Arbeit am Computer konzipiert, während ein großer Teil der relevanten Informationen direkt auf dem Feld entsteht.

Beobachtungen zu Pflanzenkrankheiten, Entscheidungen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Ergebnisse aus Feldkontrollen oder Informationen von Mitarbeitern werden deshalb häufig zunächst handschriftlich, über Messenger oder aus dem Gedächtnis dokumentiert. Erst später müssen diese Daten in die entsprechenden Systeme übertragen werden.

Tellia will diesen Zwischenschritt beseitigen. Mitarbeiter können die Plattform anrufen oder Informationen per Sprachnachricht, WhatsApp, Text oder Foto übermitteln. Die KI verarbeitet die Angaben, strukturiert sie und ordnet sie dem entsprechenden Feld, der Kultur und dem zuständigen Team zu. Dabei können Nutzer in ihrer eigenen Sprache und mit ihren eigenen Worten kommunizieren. Zusätzliche Formulare oder eine separate App sollen nicht notwendig sein.

Voice AI als Schnittstelle für die Landwirtschaft

Tellia versteht sich damit weniger als weitere landwirtschaftliche Softwareplattform, sondern als Schnittstelle zwischen den Menschen auf dem Feld und bestehenden AgTech-Systemen.

Die Landwirtschaft steht immer wieder vor derselben Herausforderung: Die Menschen, die ihre Tage auf dem Feld verbringen, verbringen ihre Abende an der Tastatur.

Coline Labadie de Faÿ, CEO und Co-Founder Tellia

Das Problem ist deshalb weniger ein Datenproblem als vielmehr eines der Benutzeroberfläche. Diese Oberfläche soll zunehmend Sprache werden. Neben der reinen Erfassung will Tellia eine sogenannte „Agentic Layer“ entwickeln, die zwischen den Mitarbeitern auf dem Feld und der bestehenden AgTech-Infrastruktur sitzt. Damit könnten Informationen perspektivisch nicht nur dokumentiert, sondern von der KI direkt verarbeitet und in nachgelagerte Prozesse eingebunden werden.

Bereits auf einer Million Acres im Einsatz

Tellia kann nach eigenen Angaben bereits eine Reihe von Kunden in den USA und Europa vorweisen. Die Technologie wird derzeit auf landwirtschaftlichen Flächen mit einer Gesamtgröße von rund einer Million Acres eingesetzt. Das entspricht mehr als 400.000 Hektar. In den USA gehören Campos Brothers Farms und die Weingüter von Duckhorn zu den genannten Anwendern.

In Europa arbeitet Tellia unter anderem mit dem französischen Institut Français de la Vigne et du Vin, der landwirtschaftlichen Genossenschaft Val de Gascogne und dem Pflanzenzüchter KWS Saat zusammen. Nach Angaben des Startups nutzen 80 Prozent der US-Feldteams, die Tellia eingeführt haben, die Lösung bereits innerhalb von zwei Monaten täglich.

Revent führt die Pre-Seed-Runde an

Die 5 Millionen US-Dollar schwere Finanzierungsrunde wird von Revent angeführt. Der Berliner Venture-Capital-Investor beteiligt sich gemeinsam mit Grey Silo Ventures, Jeriko und Fund F an Tellia. Das Kapital soll in drei zentrale Bereiche fließen. Zunächst will das Unternehmen seine Voice-AI-Technologie weiterentwickeln.

Parallel soll die KI-Agentenschicht ausgebaut werden, die Informationen aus dem Feld mit den übrigen digitalen Systemen eines landwirtschaftlichen Betriebs verbindet. Der dritte Schwerpunkt liegt auf dem personellen Wachstum in den USA und Europa.

KI soll Digitalisierung auf dem Feld vereinfachen

Tellia adressiert damit eine Herausforderung, die bei der Digitalisierung traditioneller Branchen häufig unterschätzt wird. Entscheidend ist nicht allein, welche Daten theoretisch erfasst werden können, sondern wie einfach sich digitale Systeme in den tatsächlichen Arbeitsalltag integrieren lassen.

In der Landwirtschaft findet dieser Arbeitsalltag häufig weit entfernt vom klassischen Schreibtisch statt. Eine Sprachschnittstelle kann die Hürde zur Datenerfassung entsprechend deutlich reduzieren. Für Tellia besteht die Chance deshalb darin, sich als verbindende Ebene zwischen landwirtschaftlichen Mitarbeitern und einer wachsenden Zahl spezialisierter Softwarelösungen zu positionieren.

Nun muss das Startup zeigen, ob sich die ersten Einsätze bei großen Landwirtschaftsbetrieben in ein international skalierbares Produkt übersetzen lassen.


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