Biotech

Science4Beauty holt sich 1,6 Millionen Euro

1,6 Millionen Euro für Biotech im Beauty-Markt. Science4Beauty entwickelt Wirkstoffe auf Basis rekombinanter Proteine und setzt bei seinem ersten Produkt auf ein Conotoxin.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Warschau, 03. September 2026

Das polnische Biotech-Startup Science4Beauty hat eine Finanzierungsrunde über 1,6 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom polnischen Investor 4growth VC, beteiligt sind zudem Hard2beat und mehrere Business Angels. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine internationale Expansion vorantreiben, den Vertrieb ausbauen und weitere bioaktive Moleküle für Dermatologie und ästhetische Medizin entwickeln.

Im Zentrum der Technologie steht eine eigene Plattform zur Entwicklung und Herstellung rekombinanter Proteine und bioaktiver Peptide. Das bislang prominenteste Produkt basiert auf einem Wirkstoff, der den Mechanismus von Conotoxinen aus dem Gift von Meeresschnecken nachahmt und zur nicht-invasiven Reduktion von Gesichtsfalten eingesetzt wird.

Biotechnologie trifft Beauty-Markt

Science4Beauty wurde 2020 von Magdalena Janczewska, Dr. Anna Mazurkiewicz-Pisarek, Alina Mazurkiewicz und Agata Stefanek gegründet. Prof. Tomasz Ciach unterstützt das Unternehmen als wissenschaftlicher Berater.

Das Startup betreibt ein eigenes zertifiziertes gentechnisches Labor, in dem rekombinante Proteine und bioaktive Peptide entwickelt, produziert und aufgereinigt werden. Die Technologie soll nicht auf einzelne Kosmetikprodukte beschränkt bleiben, sondern als Plattform für unterschiedliche Anwendungen in Hautpflege, Dermatologie und Medizin dienen. Das geistige Eigentum des Unternehmens ist nach eigenen Angaben über Patentanmeldungen in zehn Jurisdiktionen abgesichert.

Conotoxin soll Gesichtsmuskulatur entspannen

Das bisherige Flaggschiff ist die Produktlinie Miorelaxant Magic. Grundlage ist ein von Science4Beauty biotechnologisch produziertes rekombinantes Conotoxin. Conotoxine kommen natürlicherweise im Gift von Kegelschnecken vor. Science4Beauty nutzt eine eigene rekombinante Variante eines solchen bioaktiven Moleküls. Der Wirkstoff soll die Gesichtsmuskulatur entspannen und dadurch Falten reduzieren. Das Unternehmen positioniert das Produkt entsprechend als nicht-invasive Alternative beziehungsweise Ergänzung zu ästhetischen Behandlungen.

Nach Angaben von Science4Beauty zeigten klinische Untersuchungen eine Reduktion der Faltentiefe um bis zu 48 Prozent. Bei regelmäßiger Anwendung sollen die Ergebnisse von Behandlungen mit Botulinumtoxin zudem um rund 60 Tage verlängert werden können.

Weitere Anwendungen in der Entwicklung

Die Ambitionen reichen jedoch über Anti-Aging-Produkte hinaus. Science4Beauty arbeitet an zusätzlichen Einsatzgebieten seiner Plattform.

Dazu zählen nach Angaben des Unternehmens Lösungen gegen Hyperhidrose, also übermäßiges Schwitzen, sowie dermatologische Anwendungen beispielsweise bei Rosazea. Darüber hinaus untersucht das Team neue Darreichungsformen wie Mikronadel-Patches.

Science4Beauty ist nicht nur eine Linie fertiger Hautpflegeprodukte, sondern vor allem eine vollständige und hoch skalierbare Biotechnologieplattform.

Magdalena Janczewska, CEO Science4Beauty

Mit dem neuen Kapital sollen sowohl die Produktion skaliert als auch Vertriebskanäle in internationalen Märkten aufgebaut werden.

Fünf Produkte und erste Umsätze

Science4Beauty hat bislang fünf Produkte auf den Markt gebracht. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 500.000 polnische Złoty beziehungsweise rund 115.000 Euro Umsatz, ohne dafür Marketingausgaben eingesetzt zu haben.

Das Geschäftsmodell basiert derzeit auf zwei Vertriebswegen. Einerseits verkauft das Unternehmen seine Produkte im B2B-Geschäft direkt an Kliniken und Anbieter aus der ästhetischen Medizin. Andererseits vertreibt Science4Beauty die Produkte über einen eigenen Onlineshop direkt an Endkunden. Mit der Finanzierung soll dieses Modell nun international skaliert werden.

4growth VC setzt auf Plattformpotenzial

Lead-Investor 4growth VC sieht den entscheidenden Wert des Unternehmens nicht allein in den bereits verfügbaren Produkten, sondern in der zugrunde liegenden Technologie.

Neben dem eigenen Labor verweist der Investor auf die Patentstrategie und die klinische Validierung der Produkte. Zudem wurden die bisherigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit mehr als zehn Millionen Złoty, umgerechnet rund 2,3 Millionen Euro, an Fördermitteln des polnischen National Centre for Research and Development unterstützt. Dadurch sei ein Teil des technologischen Entwicklungsrisikos bereits vor der aktuellen Venture-Capital-Runde reduziert worden.

Auch Hard2beat sieht vor allem die Verbindung aus Biotechnologie und vergleichsweise schneller Kommerzialisierung als interessant. Während klassische Medikamentenentwicklung häufig jahrelange Entwicklungs- und Zulassungsprozesse benötigt, adressiert Science4Beauty zunächst den Markt für wissenschaftlich basierte Hautpflege und ästhetische Anwendungen.

Zwischen Kosmetik und klassischer Biotechnologie

Genau diese Positionierung macht das Geschäftsmodell interessant. Science4Beauty bewegt sich zwischen zwei Branchen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften: Auf der einen Seite steht der margenstarke und schnelllebige Beauty-Markt, auf der anderen Seite die technologischen Eintrittsbarrieren von Biotechnologie und Protein Engineering.

Die entscheidende Frage für die weitere Entwicklung wird sein, ob sich aus dem bislang vergleichsweise kleinen Produktgeschäft tatsächlich eine international skalierbare Biotech-Plattform entwickeln lässt. Mit 1,6 Millionen Euro neuem Kapital, einer eigenen Produktions- und Forschungsinfrastruktur und weiteren Wirkstoffen in der Pipeline will Science4Beauty nun den nächsten Schritt gehen.


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