Defence Tech

NRW.BANK investiert erstmals in Defence-Tech und beteiligt sich an Skylance

Weniger als 3.000 Euro pro Flugkörper und mehr als 600 km/h schnell. Skylance entwickelt mit der Bundeswehr ein neues Drohnenabwehrsystem und sammelt dafür mehr als eine Million Euro ein.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Hürth, 03. September 2026

Die NRW.BANK steigt erstmals direkt bei einem Defence-Tech-Startup ein. Die Förderbank investiert insgesamt 500.000 Euro in das Hürther Unternehmen Skylance, das mit dem "DroneHammer" ein kostengünstiges System zur Abwehr kleiner Drohnen entwickelt. Insgesamt hat das 2025 gegründete Startup in der Finanzierungsrunde mehr als eine Million Euro eingesammelt. Die Technologie wird derzeit gemeinsam mit der Bundeswehr erprobt und weiterentwickelt.

Die Beteiligung markiert zugleich einen bemerkenswerten Schritt für die öffentliche Venture-Capital-Finanzierung in Nordrhein-Westfalen. Defence Tech entwickelt sich angesichts der veränderten europäischen Sicherheitslage zunehmend von einer Nische zu einem relevanten Investitionsfeld.

500.000 Euro von der NRW.BANK

Die NRW.BANK hatte Skylance zunächst über ein Wandeldarlehen in Höhe von 200.000 Euro finanziert. Dieses wird nun in eine Beteiligung umgewandelt. Im Zuge der aktuellen Finanzierungsrunde stellt die Förderbank weitere 300.000 Euro bereit.

Neben der NRW.BANK investiert ein Konsortium aus Unternehmern und Investoren des Investment Advisory Club Düsseldorf (IACD e.V.). Insgesamt fließen Skylance durch die Runde mehr als eine Million Euro zu.

Startups können mit neuen Technologien einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit und Resilienz unseres Landes leisten.

Gabriela Pantring, Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK

Junge Unternehmen benötigten ausreichend Kapital, um aus technologischen Entwicklungen marktfähige Lösungen zu machen. Für die Förderbank ist die Transaktion ein Novum. Skylance ist das erste Defence-Startup, an dem sich die NRW.BANK beteiligt.

Skylance entwickelt den "DroneHammer"

Skylance wurde 2025 von Philipp Bohne, Dr. Tobias de Taillez und Dr. Olaf Wollersheim gegründet und hat seinen Sitz in Hürth bei Köln. Im Mittelpunkt steht der sogenannte DroneHammer. Dabei handelt es sich um einen lasergesteuerten Lenkflugkörper, der kleinere Drohnen bekämpfen soll.

Der Flugkörper wiegt rund 700 Gramm und erreicht nach Angaben des Unternehmens eine Geschwindigkeit von mehr als 600 Kilometern pro Stunde. Für Zielerfassung und -verfolgung kombiniert Skylance Laserenergie mit Softwarealgorithmen und Bildverarbeitung. Ein wichtiger Faktor ist dabei der Preis. Ein DroneHammer soll nach Unternehmensangaben weniger als 3.000 Euro kosten.

Wenn die Abwehr teurer ist als die Drohne

Damit adressiert Skylance die wirtschaftlichen Probleme moderner Drohnenabwehr. Günstige und teilweise in großer Stückzahl verfügbare Drohnen mit deutlich teureren Abfangsystemen zu bekämpfen, ist auf Dauer nur schwer wirtschaftlich. Skylance versucht deshalb, die Kosten pro Abfangvorgang zu reduzieren. Gerade bei kleineren Drohnen könnte der Stückpreis eines Abwehrsystems darüber entscheiden, ob sich eine Technologie auch in größeren Stückzahlen einsetzen lässt.

Die Nachfrage nach entsprechenden Lösungen wächst. Die NRW.BANK verweist auf Zahlen des Bundeskriminalamts, wonach 2025 in Deutschland mehr als 1.000 verdächtige Drohnenflüge registriert wurden. Neben militärischen Einsatzgebieten rückt damit auch der Schutz kritischer Infrastruktur stärker in den Fokus.

Entwicklung gemeinsam mit der Bundeswehr

Der DroneHammer befindet sich derzeit noch in der Entwicklungs- und Erprobungsphase. Skylance arbeitet dafür mit der Bundeswehr zusammen. Mit dem neuen Kapital soll die technologische Entwicklung beschleunigt werden. Gleichzeitig will das Unternehmen die nächsten Schritte in Richtung Industrialisierung und Serienfertigung vorbereiten.

Genau dieser Übergang dürfte für Skylance entscheidend werden. Ein funktionierender Prototyp ist bei Defence Tech nur der erste Schritt. Für einen Einsatz in größerem Umfang müssen Systeme zuverlässig reproduzierbar hergestellt, getestet und in bestehende Verteidigungsstrukturen integriert werden können.

Defence Tech wird zum Investitionsfeld öffentlicher Kapitalgeber

Bemerkenswert an der Finanzierungsrunde ist deshalb nicht allein die Technologie von Skylance. Mit dem erstmaligen direkten Investment der NRW.BANK in ein Defence-Tech-Startup verändert sich auch die Haltung öffentlicher Kapitalgeber gegenüber der Branche. Verteidigungstechnologien galten bei vielen institutionellen und öffentlichen Investoren lange als schwieriges oder teilweise ausgeschlossenes Investmentfeld. Die veränderte Sicherheitslage in Europa und der steigende Bedarf an Drohnen, Sensorik, Aufklärung und Abwehrsystemen verschieben diese Grenzen zunehmend.

Für junge Defence-Tech-Unternehmen ist das relevant: Gerade der Schritt vom Prototyp zur industriellen Fertigung erfordert erhebliches Kapital, während Beschaffungsprozesse im Verteidigungsbereich gleichzeitig langwierig sein können.

Die 500.000 Euro der NRW.BANK sind für Skylance deshalb nicht nur zusätzliches Kapital. Die erstmalige Beteiligung einer öffentlichen Förderbank an einem Defence-Startup ist auch ein Signal dafür, dass sicherheitsrelevante Technologien zunehmend Teil der deutschen Startup- und Innovationsförderung werden.


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