Zeit AI sammelt fünf Millionen Euro für KI-Datenplattform ein
Das Münchner Startup Zeit AI hat eine Finanzierungsrunde über fünf Millionen Euro abgeschlossen. Zu den Investoren gehören Y Combinator, der Oxford Seed Fund, Hasso Plattner VC, der Sequoia Capital Scout Fund und ACE Ventures. Zusätzlich beteiligen sich mehrere prominente Business Angels, darunter der ehemalige Bundesfinanzminister Christian Lindner, Fußballweltmeister Mario Götze und Helsing-CTO Robert Fink.
Das 2024 von Leopold von Waldthausen und Marvin Bornstein gegründete Unternehmen entwickelt mit ZeitMind einen KI-Agenten für Unternehmensdaten. Dieser soll Informationen aus ERP-, CRM- und hunderten weiteren Systemen zusammenführen und insbesondere Analyseprozesse automatisieren, die in vielen Unternehmen weiterhin über Excel und manuelle Arbeit abgebildet werden.
Von Palantir zum eigenen Daten-Startup
Die beiden Gründer bringen ihre Erfahrungen aus dem Datenunternehmen Palantir mit. Von Waldthausen verantwortete dort nach Angaben von Zeit AI das Bestandsgeschäft in der DACH-Region. Bornstein leitete ein Engineering-Team, das an frühen produktiven KI-Anwendungen arbeitete. Gemeinsam hätten die beiden während ihrer Zeit bei Palantir mehr als 50 Millionen Euro an neuem Projektumsatz erwirtschaftet.
2024 folgte die Gründung von Zeit AI. Nach eigenen Angaben erzielte das Unternehmen bereits im ersten Jahr mit sechs Mitarbeitern einen siebenstelligen Umsatz. Mittlerweile ist das Team auf zwölf Personen angewachsen. Dazu gehören auch ehemalige Mitarbeiter von Palantir, BCG und McKinsey.
Y Combinator und Hasso Plattner VC investieren
Für die nächste Wachstumsphase erhält Zeit AI nun fünf Millionen Euro von einem international besetzten Investorenkreis. Beteiligt sind Y Combinator, der Oxford Seed Fund der Universität Oxford, der Sequoia Capital Scout Fund, ACE Ventures und Hasso Plattner VC. Hinzu kommen die Business Angels Christian Lindner, Mario Götze, Charlie Songhurst, Martin Schoeller und Robert Fink.
Insbesondere Hasso Plattner VC sieht in dem Unternehmen auch eine europäische Souveränitätskomponente. "Europas Industrie darf ihre wichtigsten Entscheidungen nicht von außereuropäischer Software abhängig machen", sagt Partner Jens Schmidt-Sceery.
KI-Agent soll Excel-Workarounds ersetzen
Im Zentrum des Geschäftsmodells steht ZeitMind. Das Produkt soll als autonomer Data Engineer fungieren und Unternehmensdaten aus unterschiedlichen Quellen miteinander verbinden. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich ERP- und CRM-Systeme sowie mehr als 600 weitere Datenquellen anbinden. Auf dieser Grundlage erstellt der KI-Agent auswertbare Anwendungen und Analysen. Die Ergebnisse sollen dabei bis zur jeweiligen Einzelbuchung nachvollziehbar bleiben.
Zeit AI adressiert damit insbesondere ein Problem, das in vielen etablierten Unternehmen trotz umfangreicher IT-Infrastruktur bestehen bleibt: Daten sind zwar grundsätzlich vorhanden, für individuelle Analysen müssen sie jedoch häufig manuell aus unterschiedlichen Systemen zusammengeführt und anschließend in Excel weiterverarbeitet werden.
Der Ansatz des Münchner Startups ist, diesen Prozess weitgehend über KI-Agenten zu automatisieren. Ein Controller soll beispielsweise eine benötigte Auswertung beschreiben können, anstatt zunächst Datenmodelle und entsprechende Anwendungen manuell aufbauen zu müssen.
Deutsche Rechenzentren als Teil der Positionierung
Zeit AI positioniert seine Plattform ausdrücklich als europäische Alternative für sensible Unternehmensdaten. Die Anwendungen werden nach Unternehmensangaben in deutschen Rechenzentren betrieben.
Gerade für Industrieunternehmen könnte dieser Punkt neben der eigentlichen Automatisierung an Bedeutung gewinnen. Mit zunehmendem Einsatz von KI stellt sich für Unternehmen nicht nur die Frage, was technisch möglich ist, sondern auch, wo Daten verarbeitet werden und wie abhängig geschäftskritische Prozesse von einzelnen internationalen Plattformanbietern werden.
Zeit AI verbindet deshalb sein Produktversprechen mit dem Thema digitale Souveränität.
Erste Kunden aus Industrie, Landwirtschaft und Luftfahrt
Zu den Kunden gehören bereits Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Genannt werden unter anderem Kolbenschmidt, Horsch, Allgaier Agrarhandel, Wahl & Co, Stern Stewart & Co und Jetfly Aviation.
Damit konzentriert sich Zeit AI nicht ausschließlich auf klassische Digitalunternehmen. Gerade Industrie, Logistik und mittelständische Unternehmen verfügen häufig über historisch gewachsene IT-Landschaften, in denen Daten über verschiedene Systeme verteilt sind.
Hier will Zeit AI ansetzen und die Zeit zwischen vorhandenen Daten und einer tatsächlich nutzbaren Entscheidungsgrundlage verkürzen.
Fünf Millionen Euro für Vertrieb und Engineering
Mit dem frischen Kapital will Zeit AI nun vor allem seinen Vertrieb und das Engineering-Team ausbauen. Dabei sollen insbesondere Mitarbeiter eingestellt werden, die ZeitMind bei weiteren Kunden implementieren und produktiv einsetzen.
Für das Münchner Unternehmen beginnt damit die eigentliche Skalierungsphase. Der bisherige siebenstellige Umsatz zeigt nach Unternehmensangaben eine frühe Zahlungsbereitschaft im Markt. Nun muss Zeit AI beweisen, dass sich die bislang offenbar stark kundennah erbrachte Datenarbeit in ein skalierbares Softwaregeschäft überführen lässt.
Genau darin dürfte eine der entscheidenden Fragen für die weitere Entwicklung liegen. Denn der Markt für KI-Agenten wächst schnell – gleichzeitig müssen Anbieter zeigen, dass ihre Systeme nicht nur einzelne Aufgaben automatisieren, sondern sich zuverlässig in komplexe und oftmals über Jahrzehnte gewachsene Unternehmens-IT integrieren lassen.
Mit fünf Millionen Euro neuem Kapital und Investoren wie Y Combinator und Hasso Plattner VC im Rücken will Zeit AI nun genau diesen Schritt gehen.

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