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Isar Aerospace erreicht beim zweiten Flug den Orbit und setzt Satelliten aus

Spectrum hat vom norwegischen Andøya aus den Orbit erreicht und Nutzlasten ausgesetzt. Die nächsten fünf Raketen befinden sich bereits in Produktion.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · München, 07. September 2026

Das deutsche SpaceTech-Unternehmen Isar Aerospace hat mit seiner Trägerrakete Spectrum erstmals den Orbit erreicht und Nutzlasten ausgesetzt. Der zweite Flug des Unternehmens startete am 5. September 2026 vom Andøya Spaceport in Norwegen. Damit erreicht das Münchner Unternehmen einen entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zu einem kommerziellen europäischen Zugang zum Weltraum.

Die Mission "Onward and Upward" startete um 22:12 Uhr MESZ vom eigenen Startkomplex auf Andøya. Nach Angaben von Isar Aerospace erreichte Spectrum die vorgesehene Umlaufbahn und setzte anschließend die mitgeführten Nutzlasten aus. Gemeinsam mit den Kunden überprüft das Unternehmen nun den Status der Satelliten.

Beim zweiten Flug bis in den Orbit

Für Isar Aerospace ist der erfolgreiche Flug ein erheblicher Technologiesprung. Bereits beim zweiten Startversuch gelang es dem Unternehmen nach eigenen Angaben, die komplette Flugsequenz bis zum Aussetzen der Nutzlasten zu absolvieren. Spectrum durchquerte zunächst den Bereich der maximalen aerodynamischen Belastung, das sogenannte MaxQ. Anschließend folgten das Abschalten der Haupttriebwerke der ersten Stufe, die Stufentrennung und die planmäßige Zündung der zweiten Stufe.

Wir haben ein neues Kapitel für die europäische Raumfahrt aufgeschlagen.

Daniel Metzler, CEO und Co-Founder Isar Aerospace

Die Rakete überschritt danach in 100 Kilometern Höhe die Kármán-Linie und warf die Nutzlastverkleidung ab. Nach dem Erreichen der Orbitalgeschwindigkeit und einem weiteren Manöver zur Zirkularisierung der Umlaufbahn wurden die Satelliten ausgesetzt. Damit konnte Isar Aerospace seine orbitale Startfähigkeit erstmals praktisch demonstrieren. Nun liegt der Fokus darauf, die Produktion der Trägerraketen schnell hochzufahren und die vorhandene Auftragspipeline abzuarbeiten.

Nutzlasten aus deutschem Microlauncher-Wettbewerb

Die bei der Mission transportierten Nutzlasten stammen aus dem Microlauncher Competition der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR. Über den Wettbewerb sollen insbesondere Bildungseinrichtungen und Startups einen kostengünstigeren Zugang zum Weltraum erhalten. Finanziert wird das Programm über ESA Boost!.

Der erfolgreiche Flug ist damit nicht nur für Isar Aerospace relevant. Mit der Mission wurden zugleich Satelliten europäischer Akteure über einen kommerziellen Launcher von einem europäischen Startplatz aus in den Orbit transportiert.

Spectrum soll zur kommerziellen Trägerrakete werden

Für Isar Aerospace beginnt nach dem technischen Erfolg nun die wirtschaftlich entscheidende Phase. Das Geschäftsmodell basiert nicht auf einzelnen Demonstrationsflügen, sondern auf einem möglichst regelmäßigen und skalierbaren Startbetrieb. Spectrum wurde für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten sowie Satellitenkonstellationen entwickelt. Isar Aerospace will damit kommerzielle Unternehmen ebenso wie institutionelle und staatliche Kunden bedienen.

Der Bedarf ist vorhanden: Satelliten werden für Kommunikation, Erdbeobachtung, Navigation, Forschung und zunehmend auch sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen benötigt. Gleichzeitig bleibt der Zugang zum Orbit ein Engpass der Branche. Isar Aerospace will sich hier als europäische Alternative auf dem internationalen Launch-Markt etablieren.

Raketen drei bis sieben bereits in Produktion

Das Unternehmen bereitet sich deshalb bereits auf weitere Starts vor. Nach eigenen Angaben befinden sich die Spectrum-Trägerraketen Nummer drei bis sieben bereits in Produktion. Parallel entsteht eine neue Produktionsstätte mit rund 40.000 Quadratmetern Fläche. Im Endausbau soll Isar Aerospace dort Kapazitäten für die Fertigung von bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr schaffen können.

Das Startup setzt dabei auf eine weitgehend vertikal integrierte Produktion und einen hohen Automatisierungsgrad. Möglichst viele zentrale Komponenten und Produktionsschritte sollen innerhalb der eigenen Strukturen kontrolliert werden. Dieser Weg soll technologische Unabhängigkeit ermöglichen und auch die Voraussetzungen für eine industrielle Serienproduktion von Trägerraketen schaffen.

Zweiter Startplatz in Kanada

Auch geografisch erweitert Isar Aerospace seine Infrastruktur. Neben dem bestehenden Startkomplex im norwegischen Andøya entsteht ein weiterer Standort in Nova Scotia in Kanada. Von dort sollen ebenfalls Missionen in mittlere und hohe Inklinationen möglich werden. Solche Umlaufbahnen sind insbesondere für Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten relevant.

Mit mehreren verfügbaren Startplätzen will Isar Aerospace seine Flexibilität erhöhen und langfristig eine höhere Startfrequenz ermöglichen.

Vom europäischen Raketenprojekt zum Launch-Anbieter

Für Isar Aerospace verändert der zweite Spectrum-Flug die Ausgangslage erheblich. Bislang musste das Unternehmen vor allem beweisen, dass seine selbst entwickelte Rakete grundsätzlich orbital einsatzfähig ist. Mit dem erfolgreichen Aussetzen von Nutzlasten verschiebt sich die Herausforderung nun in Richtung Zuverlässigkeit, Wiederholbarkeit und Skalierung.

Denn ein erfolgreicher Orbitalflug allein schafft noch keinen wettbewerbsfähigen Launch-Anbieter. Kunden benötigen planbare Starttermine, zuverlässige Missionen und wettbewerbsfähige Preise. Genau deshalb dürften die bereits in Produktion befindlichen nächsten Spectrum-Raketen mindestens ebenso wichtig werden wie der jetzige Erfolg.

Ein wichtiger Schritt für Europas souveränen Zugang zum All

Die strategische Bedeutung reicht dabei über Isar Aerospace hinaus. Europa versucht seit Jahren, seinen eigenständigen Zugang zum Weltraum zu stärken. Gleichzeitig wächst durch kommerzielle Satellitenkonstellationen und geopolitische Entwicklungen die Bedeutung schnell verfügbarer eigener Startkapazitäten.

Mit dem zweiten Spectrum-Flug hat Isar Aerospace nun einen echten technischen Nachweis erbracht. Aus einem erfolgreichen Raketenstart muss ein regelmäßiger kommerzieller Launch-Betrieb werden. Die Voraussetzungen dafür werden bereits geschaffen. Raketen drei bis sieben befinden sich in Produktion, eine 40.000 Quadratmeter große Fabrik soll Kapazitäten für bis zu 40 Spectrum pro Jahr ermöglichen und mit Kanada entsteht ein zweiter Startstandort.

Damit beginnt für Isar Aerospace nach dem Erreichen des Orbits eine womöglich noch schwierigere Etappe: den technischen Erfolg in ein skalierbares europäisches Raumfahrtgeschäft zu verwandeln.


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