Food-RegTech

Biorsaf erhält 5,2 Millionen Euro und übernimmt Cooki

P101 führt die neue Finanzierungsrunde des italienischen Food-RegTech-Unternehmens an. Mit dem Kapital startet Biorsaf einen dreijährigen Wachstumsplan.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Mailand, 10. September 2026

Das italienische Food-RegTech-Unternehmen Biorsaf hat eine Finanzierungsrunde über 5,2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom italienischen Venture-Capital-Investor P101. Gleichzeitig übernimmt Biorsaf das Foodtech-Unternehmen Cooki und erweitert damit seine Plattform um zusätzliche Funktionen für Rückverfolgbarkeit, Kennzeichnung, Kostenmanagement und Allergenkontrolle. Mit dem Kapital startet das Unternehmen einen dreijährigen Wachstumsplan, in dessen Zentrum der Ausbau einer KI-basierten Plattform für die Lebensmittelbranche steht.

Eine Plattform für Lebensmittelqualität und -sicherheit

Biorsaf wurde 2021 in Castell’Azzara in der Toskana gegründet und digitalisiert Prozesse rund um Lebensmittelsicherheit, Arbeitssicherheit und Wasserqualität. Mit der Plattform BS-Safe können Unternehmen unter anderem Kontrollen automatisieren, regulatorische Anforderungen verwalten und relevante Daten zentral erfassen. Ein Schwerpunkt liegt auf HACCP-Prozessen in der Lebensmittelbranche.

Nach Angaben des Startups nutzen inzwischen mehr als 10.000 Anwender die Plattform. Zu den Kunden gehören sowohl kleinere Unternehmen als auch große Restaurant- und Handelsgruppen. Genannt werden unter anderem die Compagnia Generale Ristorazione mit Marken wie Old Wild West, America Graffiti, Pizzikotto und Wiener Haus sowie der italienische Handelsverbund Conad.

Übernahme von Cooki erweitert die Plattform

Parallel zur Finanzierungsrunde übernimmt Biorsaf das 2017 von Giuseppe Grammatico gegründete Unternehmen Cooki. Die Plattform ist nach Unternehmensangaben in mehr als 450 italienischen Städten aktiv und kommt auf über 1.000 Nutzer. Eine Datenbank umfasst mehr als 35.000 codierte Produkte.

Cooki digitalisiert insbesondere Prozesse rund um Rückverfolgbarkeit, Lebensmittelkennzeichnung, Food Costing, Bestandsmanagement und Allergene. Durch die Integration will Biorsaf erstmals eine Plattform anbieten, die einen großen Teil der relevanten Daten- und Compliance-Prozesse entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette abbildet – von HACCP und Qualitätsmanagement über Rückverfolgbarkeit und Nährwerte bis zur Kennzeichnung und Kostenanalyse.

KI soll Compliance-Prozesse automatisieren

Eine zentrale Rolle in der weiteren Produktentwicklung soll künstliche Intelligenz spielen. Biorsaf hat bereits einen spezialisierten KI-Agenten für professionelle Berater entwickelt. Dieser soll Aufgaben rund um Überwachung, Compliance und Dokumentenmanagement automatisieren.

In den kommenden drei Jahren will das Unternehmen diesen Ansatz deutlich ausbauen. Ziel ist eine KI-Plattform, die Qualitäts-, Sicherheits- und operative Prozesse stärker automatisiert. Biorsaf zielt damit auf einen Markt, der nach Unternehmensangaben in Italien rund 3,4 Millionen Unternehmen umfasst und einen Umsatz von mehr als 12 Milliarden Euro generiert. Gleichzeitig liege der Digitalisierungsgrad derzeit bei lediglich rund drei Prozent.

30 Minuten Zeitersparnis pro Nutzer und Tag

Mit seiner bisherigen Plattform will Biorsaf insbesondere papierbasierte und manuelle Prozesse ersetzen. Nach Berechnungen des Unternehmens sparen Nutzer dadurch durchschnittlich rund 30 Minuten Arbeitszeit pro Tag. Für 2025 beziffert Biorsaf die eingesparten operativen Kosten seiner aktiven Nutzer auf insgesamt rund 30 Millionen Euro.

Die Übernahme von Cooki soll diesen Ansatz nun auf weitere Prozesse ausweiten. Statt einzelne digitale Lösungen für unterschiedliche Anforderungen einzusetzen, sollen Lebensmittelunternehmen möglichst viele Aufgaben über eine gemeinsame Plattform abwickeln können.

P101 führt 5,2-Millionen-Euro-Runde an

Angeführt wird die neue Finanzierungsrunde von P101. Der italienische Investor will Biorsaf auch bei einer Buy-and-Build-Strategie unterstützen.

Biorsaf hat alles, was wir bei einem RegTech-Unternehmen suchen: starke Technologie, tiefgreifende Branchenexpertise und eine Position in einem stark regulierten Markt.

Giuseppe Donvito, P101 Partner

Neben P101 beteiligen sich bestehende Investoren erneut an dem Unternehmen. Dazu gehören Maia Ventures, der AgrifoodTech-Technologietransfer-Hub Farming Future sowie Toscana Next. Farming Future hatte bereits die erste Finanzierungsrunde von Biorsaf im November 2024 unterstützt.

Von 40 auf 120 Mitarbeiter

Mit Finanzierung und Übernahme startet Biorsaf einen dreijährigen Wachstumsplan. Dabei soll nicht nur der Umsatz deutlich steigen, sondern auch das Team erheblich wachsen. Innerhalb der kommenden 18 Monate plant das Unternehmen, seine Mitarbeiterzahl von derzeit 40 auf 120 zu verdreifachen. Das Wachstum soll sowohl organisch als auch durch weitere Konsolidierung des bislang fragmentierten Marktes erfolgen. Die Übernahme von Cooki könnte damit erst der Anfang einer breiter angelegten Buy-and-Build-Strategie sein. CEO Marco Papalini bezeichnet die Akquisition entsprechend als ersten Schritt zur Konsolidierung des Marktes.

Food-RegTech als Konsolidierungsmarkt

Für P101 ist Biorsaf zugleich eine weitere Investition in den RegTech-Bereich. Rund 20 Prozent der Investments des Fonds Programma 103 entfallen mittlerweile auf diesen Bereich. Zuvor investierte P101 unter anderem in Aptus.AI und A-Cube. Bei Biorsaf trifft dieser Schwerpunkt auf einen zweiten Markt, in dem der Investor bereits aktiv war: die Lebensmittelbranche. Zum Portfolio gehörten dort unter anderem Cortilia, Soplaya und Tannico.

Mit der Kombination aus Finanzierung und Übernahme verfolgt Biorsaf nun einen ambitionierten Kurs. Das Unternehmen will nicht nur seine bestehende Software skalieren, sondern eine umfassendere Plattform für die Digitalisierung regulatorischer und operativer Prozesse in der Lebensmittelbranche aufbauen.


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