CRM

Zero erhält 10,3 Millionen Dollar für CRM-Alternative mit KI-Agenten

Primary Venture Partners führt die Seed-Runde des finnischen Startups Zero an. Das Unternehmen will mit KI-Agenten große Teile von Vertrieb und Customer Success automatisieren.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Helsinki, 15. September 2026

Das finnische Software-Startup Zero hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 10,3 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom New Yorker Investor Primary Venture Partners. Beteiligt sind außerdem Inception Fund, Defiant, Greens sowie Gründer und Unternehmer aus dem Umfeld von Lovable, Supercell, Langdock und Silo AI. Zero entwickelt ein KI-basiertes Go-to-Market-Betriebssystem, das klassische CRM-Systeme sowie zusätzliche Tools für Vertrieb und Customer Success ersetzen soll.

CRM soll nicht verbessert, sondern ersetzt werden

Zero setzt bei einem Problem an, das trotz zunehmender Automatisierung in vielen Vertriebsorganisationen bestehen bleibt: Mitarbeiter müssen Kundendaten manuell erfassen, aktualisieren und über verschiedene Systeme hinweg pflegen. Klassische CRM-Systeme wurden ursprünglich genau um diese manuelle Dateneingabe herum aufgebaut. Zwar wurden Lösungen wie Salesforce oder HubSpot inzwischen um zahlreiche KI-Funktionen erweitert, an der grundlegenden Architektur habe sich aus Sicht der Zero-Gründer jedoch wenig verändert.

Das finnische Startup verfolgt deshalb einen radikaleren Ansatz. Statt ein weiteres CRM mit zusätzlichen KI-Funktionen zu entwickeln, soll die Software einen Großteil der bisher von Mitarbeitern erledigten Verwaltungs- und Vertriebsaufgaben selbst übernehmen. Langfristig soll das klassische CRM damit überflüssig werden.

KI-Agenten übernehmen Aufgaben entlang der Customer Journey

Zero bezeichnet seine Plattform als "GTM Operating System". KI-Agenten sollen dabei Aufgaben vom ersten Kontakt mit potenziellen Kunden bis zur Verlängerung bestehender Verträge übernehmen. Die Software erstellt unter anderem Interessentenlisten, unterstützt beim Versand von Outbound-E-Mails und aktualisiert Kundendaten automatisch. Nach einem erfolgreichen Abschluss überwacht das System zudem die Entwicklung der Kundenbeziehung und soll mögliche Risiken oder zusätzliche Geschäftschancen erkennen.

Damit will Zero die bislang häufig getrennten Bereiche Prospecting, Sales, Customer Success und Revenue Operations stärker zusammenführen. Ein einzelner Mitarbeiter soll dadurch größere Teile der Kundenbeziehung betreuen können, während KI-Agenten administrative und wiederkehrende Aufgaben übernehmen.

Gründer skalierten Smartly.io auf 100 Millionen Dollar ARR

Hinter Zero stehen Tuomo Riekki und Santtu Koivumäki. Beide bringen umfangreiche Erfahrung beim Aufbau internationaler Softwareunternehmen mit. Riekki gehörte zu den Mitgründern von Smartly.io. Koivumäki verantwortete dort den Go-to-Market-Aufbau in fünf Märkten. Gemeinsam waren sie nach Angaben von Zero daran beteiligt, das Unternehmen auf einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 100 Millionen US-Dollar zu skalieren.

Marketing-, Vertriebs- und Customer-Success-Teams verbringen noch immer zu viel Zeit damit, zwischen Tools zu wechseln und Daten aktuell zu halten.

Tuomo Riekki, Co-Founder Zero

Zero solle laut Riekki Unternehmen ermöglichen, Kunden zu finden, zu gewinnen und zu betreuen, ohne dass der manuelle Aufwand im gleichen Verhältnis mitwachse.

Die Erfahrungen aus dem Aufbau der Vertriebsorganisation wurden zum Ausgangspunkt für Zero.

Erste Kunden ersetzen bestehende CRM-Systeme

Vor der öffentlichen Veröffentlichung wurde Zero bereits in einer privaten Beta-Phase getestet. Nach Angaben des Startups haben erste Kunden dabei sowohl ihre bestehenden CRM-Systeme als auch separate Anwendungen für Prospecting, Outreach und Customer Health ersetzt. Das Unternehmen Teamspective berichtet laut Zero davon, seit dem Wechsel doppelt so viel Neugeschäft abzuschließen. Co-Founder und CRO Jose Kantola geht demnach davon aus, dass die Automatisierung rechnerisch jeden dritten zusätzlichen Sales-Hire überflüssig machen könne.

Auch der Kunde Watchdog meldet kürzere Verkaufszyklen. Die durchschnittliche Dauer eines Abschlusses sei nach Unternehmensangaben von 60 auf 30 Tage gesunken. Einzelne Deals seien innerhalb einer Woche abgeschlossen worden. Emfas wiederum spricht davon, durch Zero derzeit etwa einen kompletten Arbeitstag pro Woche zu automatisieren. Die Zahlen stammen von Kunden beziehungsweise von Zero selbst und müssen sich entsprechend noch in einem breiteren Einsatz bestätigen.

Primary Venture Partners führt Seed-Runde an

Die Finanzierungsrunde über 10,3 Millionen US-Dollar wird von Primary Venture Partners aus New York angeführt. Hinzu kommen Inception Fund, Defiant und Greens. Zur Liste der beteiligten Angel-Investoren gehören Fabian Hedin, Mitgründer und CTO von Lovable, Supercell-CEO Ilkka Paananen und Silo-AI-Mitgründer Peter Sarlin. Auch die Gründer von Langdock und Depict investieren.

Bereits zuvor hatte Zero eine Pre-Seed-Runde unter Führung von 20VC abgeschlossen. Zu den früheren Unterstützern gehören außerdem PostHog-Mitgründer James Hawkins sowie von Führungskräften aus dem Umfeld von Spotify, Wolt, Shopify, Dropbox, Meta und OpenAI unterstützte Operator Funds.

Primary-Venture-Partners-General-Partner Cassie Young sieht die Chance insbesondere darin, nicht ein weiteres System zur reinen Dokumentation von Kundenbeziehungen aufzubauen. Zero könne stattdessen Prozesse vom ersten Kundenkontakt über Onboarding und Expansion bis zum Support miteinander verbinden.

Eine der größten finnischen Seed-Runden

Zero bezeichnet die Finanzierung als eine der größten Seed-Runden, die ein finnisches Technologieunternehmen bislang abgeschlossen hat. Parallel zur Finanzierungsankündigung öffnet das Unternehmen seine bislang private Plattform für den allgemeinen Markt. Interessenten können Zero zunächst 14 Tage kostenlos testen. Für den Wechsel von bestehenden Systemen bietet das Startup eine KI-gestützte Migration an.

Damit beginnt für Zero nun der entscheidende Test außerhalb der kontrollierten Beta-Phase.

Angriff auf einen etablierten Milliardenmarkt

Der Zeitpunkt für Zeros Angriff auf klassische CRM-Systeme ist nicht zufällig. Generative KI und zunehmend autonome Agenten verändern die Frage, welche Aufgaben Unternehmenssoftware künftig überhaupt noch von Mitarbeitern verlangen muss. Bislang werden KI-Funktionen häufig in bestehende Softwarearchitekturen integriert. Zero dreht diesen Ansatz um und konzipiert sein System von Beginn an für weitgehend autonom arbeitende Agenten.

Wenn Software Kundendaten selbst erfassen, aktualisieren und daraus Aktionen ableiten kann, verliert das klassische CRM als manuell gepflegtes "System of Record" an Bedeutung. Ob daraus tatsächlich das Ende des CRM entsteht, wie Zero es offensiv formuliert, muss sich erst zeigen. Auch werden die Platzhirsche sicherlich nicht kamplos Marktanteile aufgeben.


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