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Open Cosmos sammelt 300 Millionen Euro für Europas Satelliteninfrastruktur ein

Ein Satellit pro Tag, fünf Jahre profitables Wachstum und mehr als 370 Millionen US-Dollar Neugeschäft: Open Cosmos erhält 300 Millionen Euro für die nächste Wachstumsphase.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Harwell Campus, 15. September 2026

Das europäische Raumfahrtunternehmen Open Cosmos hat eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von europäischen Investoren, darunter Lightrock und ETF Partners. Beteiligt sind außerdem das Institut Català de Finances, Entrepreneurs First, zwei große internationale Pensionsfonds sowie weitere Kapitalgeber wie Trill Impact, Convex Group und der britische National Security Strategic Investment Fund. Mit dem Kapital will Open Cosmos seine Satellitenproduktion ausbauen und gleichzeitig stärker in satellitengestützte Konnektivität und Echtzeit-Datenanalysen investieren.

Damit entwickelt sich das 2015 gegründete Unternehmen zunehmend vom Satellitenhersteller zum integrierten Infrastruktur- und Datenanbieter. Open Cosmos beschäftigt knapp 400 Mitarbeiter in Großbritannien, Spanien, Portugal und Griechenland und verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über eine Fertigungskapazität von einem Satelliten pro Tag.

Lightrock und ETF Partners investieren in Open Cosmos

Zu den Investoren der 300-Millionen-Euro-Runde gehören neben Lightrock und ETF Partners das Institut Català de Finances (ICF), Entrepreneurs First und zwei internationale Pensionsfonds. Darüber hinaus beteiligen sich A&G Global Investors, Trill Impact, Phoenix Court, der National Security Strategic Investment Fund (NSSIF), Convex Group, Santander Alternative Investments, Sankara, Ireon Ventures, Sustainable Forward Capital, Endeavor Catalyst Fund, Iberis Capital, Shilling VC, Amena Ventures und Claret Capital Partners.

Das Kapital soll insbesondere in drei Bereiche fließen: den Ausbau der industriellen Satellitenproduktion, die Erweiterung der eigenen Konstellationen und Konnektivitätsinfrastruktur sowie den Aufbau von Daten- und Analysediensten.

Ein Satellit pro Tag

Open Cosmos hat seine Fertigungsstruktur in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. In vier europäischen Werken kann das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit einen Satelliten pro Tag produzieren.

Gleichzeitig verweist Open Cosmos auf eine Erfolgsquote von 100 Prozent bei seinen bisherigen Starts und fünf Jahre profitables Wachstum in Folge. In den vergangenen dreieinhalb Jahren habe das Unternehmen zudem Neugeschäft im Umfang von mehr als 370 Millionen US-Dollar gewonnen.

Damit hebt sich die Finanzierungsrunde von vielen kapitalintensiven SpaceTech-Wetten ab: Das Unternehmen befindet sich nicht mehr in einer frühen technologischen Validierungsphase, sondern will eine bereits vorhandene industrielle Basis deutlich skalieren. Zu den Kunden zählen Regierungen, Raumfahrtagenturen sowie Energie- und Infrastrukturunternehmen.

Der größere strategische Anspruch von Open Cosmos liegt jedoch jenseits der reinen Satellitenproduktion. Das Unternehmen versucht, Hardware, Kommunikation und Datenanalyse in einer gemeinsamen Infrastruktur zu verbinden.

Dafür hat Open Cosmos vier Plattformen aufgebaut: OpenOrbit deckt Entwicklung, Fertigung und Betrieb der Satelliten ab. Über OpenConstellation können mehrere Regierungen und Organisationen gemeinsam Satelliteninfrastruktur nutzen. ConnectedCosmos soll sichere Breitband-, IoT-, Orbit- und Bodenkommunikation ermöglichen. DataCosmos verarbeitet schließlich Bild- und Sensordaten zu operativ nutzbaren Analysen.

Open Cosmos will damit einen möglichst großen Teil der Wertschöpfungskette kontrollieren – vom Bau eines Satelliten bis zur Information, die am Ende beim Kunden ankommt.

Von 48 Stunden auf 30 Minuten

Wie relevant diese Verbindung werden könnte, zeigt die nächste Generation der OpenConstellation. Nach Angaben des Unternehmens soll sie die Zeit für die Bereitstellung ausgewerteter Erdbeobachtungsdaten von bislang bis zu 48 Stunden auf rund 30 Minuten reduzieren.

Möglich werden soll das unter anderem durch KI-Verarbeitung direkt an Bord der Satelliten und die Kommunikation zwischen den einzelnen Raumfahrzeugen. Der Unterschied ist für viele Anwendungen entscheidend. Satellitendaten, die erst Stunden oder Tage später ausgewertet vorliegen, eignen sich für langfristige Analysen. Bei Waldbränden, Naturkatastrophen, Infrastrukturproblemen oder sicherheitsrelevanten Ereignissen kann dagegen nahezu jede Minute zählen.

Open Cosmos will eine "Intelligence Layer" um die Erde bauen

Open Cosmos spricht deshalb vom Aufbau einer "Intelligence Layer" rund um die Erde. Sensorik, Satellitenkommunikation und KI-gestützte Datenanalyse sollen so miteinander verbunden werden, dass aus der Beobachtung möglichst unmittelbar eine verwertbare Information entsteht. Ein Beispiel ist die Waldbranderkennung. Ein Erdbeobachtungssatellit könnte einen ungewöhnlichen Temperaturanstieg registrieren und ihn mittels KI als potenziellen Brand identifizieren. Über ConnectedCosmos ließen sich diese Informationen direkt an Einsatzkräfte übertragen. Weitere Satelliten und Sensoren könnten anschließend zusätzliche Informationen sammeln.

Der eigentliche Wert des Systems liegt damit nicht zwangsläufig im einzelnen Satelliten, sondern in der Geschwindigkeit, mit der aus Sensordaten eine Entscheidung entstehen kann.

ConnectedCosmos soll souveräne Kommunikation ermöglichen

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Konnektivität. Open Cosmos sicherte sich Ka-Band-Frequenzrechte und entwickelte, fertigte und startete nach eigenen Angaben innerhalb von nur zweieinhalb Monaten die ersten ConnectedCosmos-Satelliten. Die Plattform soll sichere Satellitenkommunikation und perspektivisch ausfallsichere Konnektivität bereitstellen. Das Unternehmen adressiert damit insbesondere Regierungen und Betreiber kritischer Infrastruktur.

"Weltrauminfrastruktur ist heute ebenso kritisch wie Energie-, Digital- und Transportnetze", sagt Gründer und CEO Rafel Jorda Siquier. Entscheidend sei jedoch nicht allein die Infrastruktur. Wert entstehe durch die Verbindung von Datenanalyse und globaler Konnektivität.

Europas Wunsch nach technologischer Souveränität wird zum Markt

Die Finanzierungsrunde fällt in eine Phase, in der Raumfahrt zunehmend als Bestandteil strategischer Infrastruktur betrachtet wird. Regierungen wollen bei Kommunikation und Erdbeobachtung weniger abhängig von außereuropäischen Anbietern sein.

Open Cosmos positioniert sich genau an dieser Schnittstelle zwischen kommerzieller Raumfahrt und staatlicher Souveränität.

Das Unternehmen muss dabei nicht zwangsläufig für jeden Kunden eine vollständig eigene Satellitenkonstellation aufbauen. Über OpenConstellation können mehrere Partner Infrastruktur gemeinsam nutzen. Das könnte insbesondere für Staaten und Organisationen interessant sein, für die eine eigene Konstellation wirtschaftlich oder technisch kaum sinnvoll wäre.

Auch Investoren setzen zunehmend auf diesen Markt. Nach den von Open Cosmos genannten Branchendaten erreichten die weltweiten Venture-Capital-Investitionen im Raumfahrtsektor allein im ersten Halbjahr 2026 11,3 Milliarden US-Dollar. Im gesamten Jahr 2025 waren es 10,1 Milliarden US-Dollar.

Knapp 400 Mitarbeiter und weitere Expansion

Die neuen 300 Millionen Euro sollen nun den nächsten Skalierungsschritt ermöglichen.

Open Cosmos will seine Ingenieurs-, Fertigungs- und Softwareteams in Großbritannien, Spanien, Portugal und Griechenland vergrößern. Aktuell beschäftigt das Unternehmen dort knapp 400 Mitarbeiter.

Gleichzeitig sollen ConnectedCosmos, OpenConstellation und DataCosmos weiter ausgebaut werden. Damit dürfte auch der Software- und Datenanteil des Geschäfts an Bedeutung gewinnen.

Für Lightrock ist gerade diese Kombination attraktiv. Partner Ash Puri sieht in Open Cosmos einen möglichen künftigen europäischen Marktführer für Weltrauminfrastruktur. Auch ETF Partners verweist auf die inzwischen vorhandenen Voraussetzungen, aus Europa heraus international relevante Raumfahrtunternehmen aufzubauen.


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