Startup-Factory

Ein Jahr FUTURY Startup Factory

Mehr als 300 begleitete Startups, 70 Investoren und 150 Mentoren: FUTURY baut das Rhein-Main-Ökosystem aus und feiert den ersten Geburtstag.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Frankurt, 14. September 2026

Ein Jahr nach dem Start der FUTURY Startup Factory zieht das Rhein-Main-Ökosystem eine erste Bilanz. Hessen verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 270 Startup-Neugründungen und damit 82 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch Rheinland-Pfalz legte deutlich zu. FUTURY führt die Entwicklung unter anderem auf stärker gebündelte Startup-Angebote, neue Communities, zusätzliche Industriepartner und verbesserte Bedingungen für Ausgründungen aus Hochschulen zurück.

Allerdings lässt sich der Anstieg der Gründungszahlen nicht einer einzelnen Initiative zurechnen. Er fällt in eine Phase, in der die Startup-Gründungen deutschlandweit kräftig zulegen. Im ersten Halbjahr 2026 entstanden bundesweit 3.053 Startups, 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025.

Hessen steigert Startup-Gründungen um 82 Prozent

Besonders dynamisch entwickelte sich Hessen. Zwischen Januar und Juni wurden dort 270 Startups gegründet. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 148. Das entspricht einem Plus von 82 Prozent. Rheinland-Pfalz erreichte gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum einen Zuwachs von 62 Prozent.

Auch Frankfurt verbessert seine Position. Mit 17,9 Neugründungen je 100.000 Einwohner sprang die Stadt im bundesweiten Ranking vom zwölften auf den fünften Platz. Frankfurt und Darmstadt gehören damit zu den Top-20-Gründungsstandorten Deutschlands. Von insgesamt 346 Neugründungen in Hessen und Rheinland-Pfalz entfielen im ersten Halbjahr 2026 laut FUTURY 252 beziehungsweise 73 Prozent auf die Rhein-Main-Region.

Mehr als 300 Startups innerhalb eines Jahres begleitet

FUTURY gehört zu den zehn bundesweiten Startup Factories und versucht, unterschiedliche Stationen der Gründungsentwicklung unter einer Struktur zusammenzuführen. Inzwischen sind die Flagship-Formate der Initiative gestartet. Sie reichen von frühen Gründungsideen bis zur weiteren Unternehmensentwicklung.

In den vergangenen zwölf Monaten arbeitete FUTURY nach eigenen Angaben mit mehr als 300 Startups zusammen. Gleichzeitig wurden an den vier kooperierenden Hochschulen (Frankfurt School of Finance & Management, Goethe-Universität Frankfurt, Johannes Gutenberg-Universität Mainz und TU Darmstadt) rund 23.000 Studenten erreicht. Etwa 8.000 nahmen an Startup-Formaten teil, aus denen rund 400 konkrete Ideen hervorgingen.

Damit setzt die Startup Factory vergleichsweise früh an. Nicht nur bereits gegründete Unternehmen sollen unterstützt werden, sondern auch Studierende und Wissenschaftler, die zunächst eine Geschäftsidee entwickeln.

Sechs Communities und rund 3.000 Startups im Netzwerk

Parallel hat FUTURY innerhalb eines Jahres sechs Communities aufgebaut. Sie richten sich an Investoren, Corporates, Startups, Female Founder, Mentoren und potenzielle Co-Founder.

Zum Netzwerk zählen mittlerweile mehr als 70 Investoren, über 150 Mentoren, rund 3.000 Startups und 50 Ökosystempartner. Etwa 800 der Startups stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Daraus entstehen unter anderem Matching-Formate und Investment Camps. Ein physischer Mittelpunkt des Netzwerks ist der Bertramshof. Dort arbeiten mittlerweile mehr als 60 Startups. Gemeinsam mit Q and AI betreibt FUTURY dort zudem einen Event Space und einen Showroom für KI und Quantencomputing.

STATION und ryon werden stärker eingebunden

Gleichzeitig versucht FUTURY, bestehende Strukturen der Region stärker zu bündeln. Dazu gehört die Frankfurter News- und Vernetzungsplattform STATION. Mitgründerin Carolin Wagner verstärkt inzwischen als Startup Ecosystem Managerin das FUTURY-Team und konzentriert sich insbesondere auf die Female-Founder-Community. Auch die Aktivitäten des seit 2022 bestehenden Green- und DeepTech-Accelerators ryon werden integriert. Dessen Kompetenzen sollen in das entsprechende FUTURY-Cluster übergehen. Ziel ist es, parallele Strukturen innerhalb des Ökosystems zu reduzieren.

Die Zahl der Unternehmenspartner stieg im vergangenen Jahr von 30 auf 34. Zu den zuletzt hinzugekommenen Partnern zählen KfW Capital, EintrachtTech, die Informationstechnische Servicestelle der gesetzlichen Krankenversicherung und die Frankfurter Wirtschaftsinitiative. Drei Stiftungen gehören ebenfalls zum Partnernetzwerk.

FUTURY Capital hat 47 Millionen Euro eingesammelt

Neben Beratung und Vernetzung spielt der Zugang zu Kapital eine wichtige Rolle. FUTURY arbeitet dazu mit dem Frühphaseninvestor FUTURY Capital zusammen. Für seinen dritten Fonds hat FUTURY Capital 47 Millionen Euro eingesammelt. Die Investments reichen von 250.000 Euro bis drei Millionen Euro und decken Phasen vom Pre-Seed bis zur Series A ab. Mehr als 30 Prozent des Fondsvolumens sollen in Startups aus der Region fließen.

Im Juni veranstaltete FUTURY zudem gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und UnternehmerTUM den Capital for Innovation Summit. Rund 150 Vertreter von Family Offices, Stiftungen, Venture-Capital-Fonds, Unternehmen, Politik und Wissenschaft sowie den zehn deutschen Startup Factories kamen dabei zusammen.

IP4Shares soll Hochschulausgründungen erleichtern

Eine weitere Stellschraube ist der Technologietransfer aus Hochschulen. An der TU Darmstadt wurde dafür das Modell IP4Shares entwickelt. Statt für geistiges Eigentum aus der Forschung unmittelbar Lizenzgebühren oder Kaufpreise zu verlangen, erhält die Universität Unternehmensanteile. Für junge Spin-offs soll dadurch in der kapitalintensiven Frühphase mehr Liquidität erhalten bleiben.

Eine neue Gründungs-Policy der TU Darmstadt ergänzt den Ansatz. Ausgründungen werden darin als akademische Leistung anerkannt, außerdem sind unter anderem Freistellungsoptionen und ein dauerhafter Zugang zu Laboren vorgesehen. Als prominentes Beispiel nennt FUTURY das Fusionsenergie-Startup Focused Energy. Das Spin-off der TU Darmstadt sammelte im Juni 2026 eine Series A über 240 Millionen US-Dollar ein.

Auch weitere Startups aus dem Hochschulumfeld sollen die Entwicklung sichtbar machen. NUVOTIS, ehemals Modulux3D und aus der Goethe-Universität ausgegründet, arbeitet an KI-gestütztem 3D-Bioprinting und erhielt eine Förderung von einer Million Euro. Das Darmstädter TU-Spin-off Genow hat für seine KI-gestützte Zentralisierung von Unternehmensdaten mehr als 1,6 Millionen Euro Venture Capital eingesammelt. LigniLabs, ein Max-Planck-Spin-off aus Mainz, entwickelt eine biobasierte Mikroverkapselungstechnologie und erhielt Fördermittel sowie Business-Angel-Kapital von mehr als 2,2 Millionen Euro.

Das Ziel sind 1.000 neue Startups

Für FUTURY ist das erste Jahr damit nur eine Zwischenetappe. Unter dem Titel "Road to 1.000 Startups" soll das Ökosystem weiter ausgebaut werden. Geplant sind unter anderem ein erweitertes Company-Builder-Programm mit einer Investitionsmöglichkeit von bis zu 450.000 Euro, ein neuer Maker Space in Darmstadt und ein Lab Space in Mainz.

Die zentrale Herausforderung liegt dabei weniger darin, weitere einzelne Programme zu schaffen. Entscheidend wird sein, ob aus Hochschulen, Kapitalgebern, Industriepartnern und bestehenden Startup-Initiativen tatsächlich eine dauerhaft funktionierende

Mehr Strahlkraft über Rhein-Main hinaus nötig

Wichtiger als reine Gründungszahlen dürfte langfristig sein, wie viele der heute entstehenden Startups wachsen, Kapital anziehen, Arbeitsplätze schaffen und dauerhaft in Hesen oder Deutschland bleiben.

Ein möglicher nächster Schritt für FUTURY liegt darin, die Sichtbarkeit über die eigene "Frankfurter Blase" hinaus deutlich zu erhöhen. Im Rhein-Main-Gebiet hat sich die Startup Factory innerhalb kurzer Zeit zu einem zentralen Akteur entwickelt und kann auf ein dichtes Netzwerk aus Hochschulen, Unternehmen, Investoren und Startups zurückgreifen. Im übrigen DACH-Raum ist die Strahlkraft dagegen begrenzter und entsteht bislang nicht zuletzt durch FUTURYs Rolle als eine der zehn vom Bund ausgewählten Startup Factories. Noch größer wird die Herausforderung auf europäischer Ebene. Zwar bestehen bereits internationale Kooperationen, etwa mit RestartIL und La French Tech Frankfurt, doch von einer entsprechend starken internationalen Markenbekanntheit kann noch nicht gesprochen werden. Soll das Rhein-Main-Gebiet langfristig mit führenden Innovationsstandorten konkurrieren, muss FUTURY deshalb auch dort sichtbarer werden, wo ein erheblicher Teil des internationalen Venture Capitals, der Technologieunternehmen und der globalen Startup-Netzwerke sitzt: im Silicon Valley ebenso wie in den großen asiatischen Innovationszentren.


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