Aeon erhöht Seed-Finanzierung auf über 14 Millionen Dollar und übernimmt Aware Health
Das Schweizer HealthTech Aeon hat eine Erweiterung seiner Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen und gleichzeitig zentrale Vermögenswerte des Berliner Blutdiagnostik-Anbieters Aware Health übernommen. Damit steigt das gesamte Seed-Kapital des Zürcher Unternehmens auf mehr als 14 Millionen US-Dollar. Die Erweiterungsrunde wird von Araya Ventures mitangeführt. Aeon will die Technologie, das Team und die Diagnostikinfrastruktur von Aware in seine Plattform integrieren und Ganzkörper-MRT, regelmäßige Blutanalysen und KI-basierte Risikoprognosen miteinander verbinden.
Von der Momentaufnahme zur kontinuierlichen Prävention
Aeon bietet KI-gestützte Gesundheitschecks an, bei denen unter anderem Ganzkörper-MRTs zur Früherkennung eingesetzt werden. Nach Angaben des Unternehmens können dabei mehr als 500 mögliche Auffälligkeiten an Gehirn, Organen und Gefäßen untersucht werden. Mit der Übernahme von Aware soll daraus nun ein kontinuierlicheres Präventionsangebot entstehen.
Der Gedanke dahinter: Eine MRT-Untersuchung liefert eine detaillierte Momentaufnahme des Körpers, findet aber nur zu bestimmten Zeitpunkten statt. Blutwerte können dagegen regelmäßig erhoben und ihre Veränderungen über längere Zeiträume verfolgt werden. Aeon will beide Datenquellen miteinander kombinieren und zusätzlich genetische Informationen einbeziehen. KI-Modelle sollen daraus individuelle Entwicklungen erkennen, Abweichungen früher identifizieren und langfristig persönliche Gesundheitsrisiken prognostizieren.
Aware bringt 100 Biomarker und 45 Standorte mit
Aware Health hat in Deutschland eine Plattform für Blutdiagnostik aufgebaut. Das Angebot umfasste mehr als 100 Biomarker und verschiedene präventive Testpakete. Nach Angaben des Unternehmens nutzten zuletzt knapp 10.000 aktive Kunden das Angebot. Für Blutentnahmen stand ein Netzwerk von mehr als 45 Standorten zur Verfügung.
Aeon übernimmt nun die vollständige Technologieplattform, zentrale Verträge und Geräte, Kundenbeziehungen sowie das Kernteam. Das Berliner Team soll unter der Marke Aeon weiterarbeiten.
Für Aeon ist insbesondere die bestehende Infrastruktur interessant. Dazu gehören neben den Blutentnahmestellen auch Laborintegrationen und die regulatorische Infrastruktur. Die Übernahme verschafft dem Schweizer Unternehmen damit Ressourcen, deren eigener Aufbau nach Einschätzung von Aeon mehrere Jahre gedauert hätte.
Kundendaten nur nach ausdrücklicher Zustimmung
Eine besondere Rolle spielt bei der Übernahme der Umgang mit Gesundheitsdaten. Mit den wiederkehrenden Bluttests hat Aware einen longitudinalen Datensatz aus Biomarkern aufgebaut, den Aeon perspektivisch für die Entwicklung seiner KI-Modelle nutzen möchte. Das Unternehmen betont allerdings, dass Kundendaten nicht automatisch im Zuge der Transaktion übertragen werden.
Eine Übertragung soll ausschließlich nach ausdrücklicher individueller Zustimmung des jeweiligen Kunden und unter Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung erfolgen. Für den Aufbau KI-basierter Gesundheitsmodelle ist dieser Punkt relevant, da Aeons langfristige Strategie auf der Verknüpfung unterschiedlicher sensibler Gesundheitsdaten basiert.
Mehr als 14 Millionen Dollar Seed-Kapital
Parallel zur Übernahme hat Aeon seine Seed-Finanzierung erweitert. Insgesamt hat das Unternehmen damit in seiner Seed-Phase mehr als 14 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Erweiterungsrunde wurde von Araya Ventures mitangeführt. Auch die bestehenden Investoren Concentric, GoHub Ventures, Kadmos Capital, Calm/Storm Ventures, N&V Capital und Bigwave Capital beteiligen sich.
Das zusätzliche Kapital soll sowohl die Integration von Aware Health als auch die weitere Expansion in Europa finanzieren. Aeon ist seit Anfang 2026 in Deutschland aktiv. Nach Unternehmensangaben hat sich der Markt bereits zum am schnellsten wachsenden für das Schweizer HealthTech entwickelt.
KI soll Veränderungen über längere Zeit erkennen
Neben Finanzierung und Übernahme baut Aeon auch sein KI-Team aus. Pablo Tano übernimmt die Position des AI Lead.
Er soll die Entwicklung der sogenannten Intelligence Layer der Plattform verantworten. Die dort eingesetzten Modelle sollen Daten aus Bildgebung, Blutanalysen und genetischen Untersuchungen gemeinsam auswerten. Statt einzelne Labor- oder MRT-Ergebnisse isoliert zu betrachten, will Aeon Veränderungen über Monate und Jahre erfassen.
Imaging tells you where you are. Blood diagnostics tell you where you are heading. AI is what connects the two into prediction.
Tim Seithe, Gründer und CEO
Nach Angaben von Aeon liefern bereits heute mehr als 90 Prozent der durchgeführten Check-ups Ergebnisse, aus denen Kunden konkrete Maßnahmen ableiten könnten. Den Anteil signifikanter Befunde beziffert das Unternehmen auf 15,4 Prozent. Diese Angaben stammen von Aeon und lassen für sich genommen noch keine Aussage über den medizinischen Nutzen eines solchen Screenings oder der daraus abgeleiteten Maßnahmen zu.
Übernahme soll Expansion um zwei Jahre beschleunigen
Strategisch ist die Aware-Übernahme für Aeon vor allem eine Abkürzung beim Aufbau des deutschen Geschäfts. Statt selbst ein Netzwerk für Blutentnahmen, Laboranbindungen und regulatorische Prozesse aufzubauen, kann das Unternehmen auf eine bereits etablierte Infrastruktur zurückgreifen. CEO Tim Seithe geht davon aus, dass die Akquisition die eigene Strategie um rund zwei Jahre beschleunigt.
Aware-Mitgründer Ferdinand Schmidt-Thomé sieht in der Kombination mit Ganzkörperbildgebung und KI wiederum die Möglichkeit, die bisherige Blutdiagnostik in ein breiteres Präventionsangebot zu integrieren.
Aeon setzt auf kontinuierliche Gesundheitsdaten
Mit der Übernahme verändert sich damit auch das Geschäftsmodell von Aeon. Aus einzelnen umfangreichen Gesundheitschecks soll zunehmend eine kontinuierliche Plattform entstehen, die ihre Datengrundlage regelmäßig aktualisiert. Der Ansatz folgt einem derzeit verbreiteten Trend im HealthTech-Bereich: Gesundheitsdaten sollen nicht erst bei konkreten Beschwerden erhoben werden, sondern möglichst kontinuierlich, um Risiken früher zu erkennen.
Die technologische Herausforderung besteht darin, aus der wachsenden Datenmenge tatsächlich medizinisch relevante und verlässliche Aussagen abzuleiten. Gerade bei präventiven Untersuchungen müssen zudem mögliche Fehlalarme, Überdiagnosen und der klinische Nutzen der gefundenen Auffälligkeiten berücksichtigt werden.
Mit dem frischen Seed-Kapital und der Infrastruktur von Aware Health verfügt Aeon nun über deutlich mehr Ressourcen, um seinen Ansatz insbesondere in Deutschland zu skalieren.

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