Healthtech

Tokura sichert sich Seed-Finanzierung für die Zukunft des ambulanten Operierens

Tokura sammelt in einer Seed-Runde einen mittleren siebenstelligen Betrag ein. Das Berliner Startup will die Infrastruktur für ambulante Operationen in Deutschland neu aufbauen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Stuttgart, 09. Juni 2026

Die Ambulantisierung gilt als eine der größten Herausforderungen und zugleich Chancen des deutschen Gesundheitssystems. Während immer mehr Eingriffe künftig außerhalb von Krankenhäusern durchgeführt werden sollen, fehlen vielerorts die passenden Strukturen. Hier sieht das Berliner HealthTech-Startup Tokura seine Chance. Das Unternehmen hat nun eine Seed-Finanzierung in mittlerer siebenstelliger Höhe abgeschlossen.

Angeführt wird die Runde von Heal Capital und Redalpine. Darüber hinaus beteiligen sich unter anderem einige Angel über die Investoren-Allianz better ventures.

Das Kapital soll in den Aufbau des ersten Standorts sowie in die Weiterentwicklung einer eigenen Technologieplattform fließen.

Ambulantisierung stößt auf strukturelle Grenzen

Politik und Krankenkassen drängen seit Jahren darauf, mehr planbare Eingriffe ambulant statt stationär durchzuführen. Die Gründe liegen auf der Hand: geringere Kosten, effizientere Abläufe und kürzere Aufenthalte für Patientinnen und Patienten.

Deutschland leistet sich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt und trotzdem warten Patient:innen sehr lange auf planbare Eingriffe.

Dr. Daniel Kreter, Co-Founder von Tokura.

Doch die Realität in den Kliniken sieht oft anders aus. Viele ambulante Einrichtungen verfügen nicht über die notwendige Infrastruktur, um größere Fallzahlen effizient zu bewältigen. Gleichzeitig kämpfen Krankenhäuser mit Personalengpässen und wirtschaftlichem Druck. Laut aktuellen Analysen könnten in Deutschland mehrere Millionen stationäre Eingriffe künftig ambulant erfolgen. Dafür fehlen jedoch vielerorts spezialisierte Operationszentren, standardisierte Prozesse und digitale Werkzeuge.

Infrastruktur statt Praxisbetrieb

Tokura versteht sich nicht als klassischer Gesundheitsdienstleister, sondern als Infrastrukturpartner für Ärztinnen, Ärzte und Kliniken.

Das Unternehmen stellt spezialisierte OP-Zentren bereit, in denen niedergelassene Operateure sowie Krankenhäuser Eingriffe durchführen können. Neben den Räumlichkeiten gehören auch eingespielte Teams, standardisierte Abläufe und digitale Steuerungssysteme zum Angebot.

Ambulantes Operieren ist kein Nischenthema mehr. Es ist eine der größten strukturellen Verschiebungen im deutschen Gesundheitssystem. Wir brauchen keine weitere Studie, sondern jemanden, der es in die Realität umsetzt.

Markus Müschenich, Partner bei Heal Capital

Dadurch sollen medizinische Fachkräfte von organisatorischen Aufgaben entlastet werden und sich stärker auf die eigentliche Behandlung konzentrieren können. Gleichzeitig bietet Tokura an, gemeinsam mit medizinischen Partnern neue ambulante OP-Zentren aufzubauen und zu betreiben.

Gründer bringen Scale-up-Erfahrung mit

Hinter Tokura stehen die Gründer Daniel Kreter und David Rizor. Kreter verfügt über langjährige Erfahrung aus der Startup- und Scale-up-Welt, unter anderem bei Zalando und Taxfix. Rizor verantwortete bei Taxfix unter anderem strategische Themen und Finanzierungsprozesse mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Millionen Euro.

Unterstützt wird das Team von einem medizinischen Beirat mit Experten aus Klinik- und Praxisbetrieb, darunter Fachärzte aus den Bereichen Chirurgie, Dermatologie und Anästhesie.

Großer Markt mit wachsendem Reformdruck

Für Investoren ist das Thema hochrelevant. Der demografische Wandel, steigende Gesundheitsausgaben und politische Reformen erhöhen den Druck, Behandlungen effizienter zu organisieren. Tokura adressiert dabei nicht nur ein Digitalisierungsproblem, sondern einen grundlegenden Infrastrukturbedarf. Das Unternehmen will langfristig die Voraussetzungen schaffen, um bis zu eine Million Operationen pro Jahr ambulant durchführen zu können.

Ob dieses ambitionierte Ziel erreicht wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Mit der zunehmenden Verlagerung medizinischer Leistungen aus dem Krankenhaus in ambulante Strukturen wächst auch der Bedarf an neuen Betreibermodellen – und genau darauf setzt Tokura.


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