Integral erhält 18 Millionen Euro in Series A
Das Berliner FinTech Integral hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 18 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Mosaic Ventures und LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman. Auch die Bestandsinvestoren Cherry Ventures, General Catalyst und Puzzle Ventures beteiligen sich erneut. Damit steigt die Gesamtfinanzierung des vor weniger als zwei Jahren gegründeten Unternehmens auf mehr als 30 Millionen Euro. Integral will mit KI-Agenten Buchhaltung, Steuern und Lohnabrechnung für kleine und mittlere Unternehmen automatisieren.
KI-Agenten übernehmen vorbereitende Arbeit
Integral verfolgt dabei einen anderen Ansatz als klassische Softwareanbieter für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Statt Kanzleien lediglich ein zusätzliches Werkzeug zur Verfügung zu stellen, kombiniert das Unternehmen die Technologie mit der eigentlichen Dienstleistung. Die KI-Agenten von Integral übernehmen repetitive Aufgaben und bereiten unter anderem Buchhaltung, Lohnabrechnungen und Steuererklärungen vor. Zugelassene Berufsträger prüfen anschließend die Ergebnisse und übernehmen die Verantwortung für die finale Freigabe.
Dazu ordnet die Software beispielsweise Belege automatisch Banktransaktionen zu und erstellt daraus Buchungsvorschläge. Korrekturen durch Steuerexperten fließen wiederum zurück in das System und sollen die Ergebnisse der Plattform kontinuierlich verbessern. Bei mehr als der Hälfte der Mandanten bereiten die KI-Agenten nach Unternehmensangaben bereits die laufende Buchhaltung vor.
Integral Tax verdoppelt betreute Mandate pro Mitarbeiter
Zum Unternehmen gehört mit Integral Tax eine zugelassene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die kleine und mittlere Unternehmen in ganz Deutschland betreut und dafür die Technologie von Integral einsetzt. Seit Jahresbeginn habe sich die Zahl der Mandate, die ein Mitarbeiter monatlich betreuen könne, verdoppelt, berichtet das Unternehmen.
KI-Agenten übernehmen die repetitive Arbeit, Berufsträger tragen die Verantwortung für jedes Ergebnis.
Lukas Zörner, CEO und Mitgründer Integral
Gerade angesichts des Fachkräftemangels in der Steuerberatung soll dadurch ein einzelner Experte deutlich mehr Unternehmen betreuen können. CEO und Mitgründer Lukas Zörner sieht darin den entscheidenden Unterschied zum reinen Softwaremodell. Integral wolle nicht das nächste Tool für Steuerberater entwickeln, sondern die Dienstleistung selbst mithilfe von KI neu organisieren.
Reid Hoffman investiert in deutsches Steuer-KI-Modell
Mit LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman gewinnt Integral einen prominenten neuen Investor. Hoffman sieht in dem Modell ein Beispiel dafür, wie KI die Produktivität von Fachkräften erhöhen kann, ohne die menschliche Verantwortung vollständig zu ersetzen. Besonders relevant sei dies in stark regulierten und vertrauensabhängigen Branchen.
Neben Hoffman führt Mosaic Ventures die Runde an. Die bestehenden Investoren Cherry Ventures, General Catalyst und Puzzle Ventures investieren ebenfalls erneut. Für Integral ist die Series A bereits die nächste größere Finanzierung innerhalb kurzer Zeit. Insgesamt hat das Berliner Unternehmen seit seiner Gründung mehr als 30 Millionen Euro Kapital eingesammelt.
18 Millionen Euro für weitere Automatisierung
Das neue Kapital soll insbesondere in die Weiterentwicklung der eigenen KI-Agenten fließen. Integral will dabei zunehmend die gesamte Prozesskette automatisieren. Auch komplexere Buchhaltungs- und Steuerprozesse sollen künftig stärker von den Agenten vorbereitet werden.
Parallel dazu baut das Unternehmen seine Teams in den Bereichen KI-Entwicklung, Vertrieb und Steuerexpertise aus. Auch Marketing und kommerzielles Wachstum sollen mit der Finanzierung verstärkt werden. Integral positioniert sich damit in einer neuen Generation sogenannter KI-nativer Dienstleistungsunternehmen. Die Idee besteht darin, bestehende Dienstleistungen nicht nur durch Software effizienter zu machen, sondern deren Arbeitsabläufe von Beginn an rund um KI zu organisieren.
Gerade die Steuerberatung bietet dafür einen interessanten Testfall. Viele Arbeitsschritte sind strukturiert und wiederkehrend, gleichzeitig bestehen hohe regulatorische Anforderungen und die finale Verantwortung kann nicht einfach an ein KI-System delegiert werden.

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