Refined Diagnostics sammelt 2,9 Millionen Euro ein und bereitet Markteintritt für KI-gestützte Krebsdiagnostik vor
Schnellere Diagnosen können in der Krebsmedizin entscheidend sein. Das MedTech-Startup Refined Diagnostics will Gewebeanalysen von mehreren Stunden auf wenige Minuten verkürzen und hat dafür nun 2,9 Millionen Euro Wachstumskapital eingeworben. Ergänzt wird die Finanzierung durch 2,6 Millionen Euro öffentliche Fördermittel von der Europäischen Union, dem Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen.
Die Finanzierungsrunde wurde vom Companisto Business Angel Netzwerk gemeinsam mit bestehenden und neuen Co-Investoren getragen. Darüber hinaus führt das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits fortgeschrittene Gespräche mit weiteren Venture-Capital-Investoren.
Krebsdiagnostik direkt während der Operation
Refined Diagnostics entwickelt ein bildgebendes Diagnosesystem auf Basis der Raman-Lasertechnologie, für deren wissenschaftliche Grundlagen der Nobelpreis vergeben wurde.
Die Technologie analysiert den molekularen Fingerabdruck von Gewebe und kann dadurch gesundes und krankhaft verändertes Gewebe innerhalb weniger Minuten unterscheiden. Im Gegensatz zu klassischen Verfahren, bei denen Gewebeproben häufig erst im Labor untersucht werden, soll das System die Analyse direkt während eines chirurgischen Eingriffs ermöglichen.
Gerade in der Krebschirurgie könnte dies dazu beitragen, medizinische Entscheidungen schneller und präziser zu treffen und unnötige Folgeeingriffe zu vermeiden.
Klinischer Markteintritt für 2027 geplant
Mit dem frischen Kapital will Refined Diagnostics den nächsten entscheidenden Entwicklungsschritt gehen: die Zulassung als Medizinprodukt.
Geplant sind der Abschluss der laufenden klinischen Studien, die CE-Kennzeichnung als In-vitro-Diagnostikum (IVD) sowie der Aufbau von Produktion und Vertrieb. Der klinische Markteintritt ist für 2027 vorgesehen.
Nach Angaben des Unternehmens liegen bereits vor der offiziellen Markteinführung konkrete Kaufanfragen von Kliniken vor.
KI soll Diagnosen künftig weiter verbessern
Langfristig will Refined Diagnostics seine Plattform um KI-gestützte Diagnosehilfen erweitern. Diese sollen Ärztinnen und Ärzte künftig dabei unterstützen, Gewebeanalysen schneller auszuwerten und personalisierte Therapieentscheidungen zu treffen.
Das Geschäftsmodell kombiniert dabei den Verkauf der Diagnosesysteme mit wiederkehrenden Erlösen aus Leasing- und Serviceverträgen.
Ausgründung der Universität Münster
Refined Diagnostics wurde 2019 als Spin-off der Universität Münster von Dr. Max Brinkmann, Dr. Tim Hellwig und Christoph Seidenstücker gegründet.
Neben der klinischen Diagnostik entwickelt das Unternehmen bereits heute Lasersysteme für Forschungseinrichtungen weltweit, unter anderem für Anwendungen in der Raman-Mikroskopie und Quantentechnologie.
Mit der aktuellen Finanzierung rückt nun erstmals der klinische Einsatz der Technologie in den Mittelpunkt. Gelingt der Markteintritt wie geplant, könnte Refined Diagnostics dazu beitragen, die Krebsdiagnostik im Operationssaal deutlich schneller und präziser zu machen.

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