1,3 Millionen Euro Pre-Seed für Auxilius
overnance, Risk & Compliance (GRC) gehört in vielen Unternehmen noch immer zu den aufwendigsten und am stärksten manuell geprägten Unternehmensbereichen. Das Münchner Startup Auxilius will das endlich ändern und hat dafür nun eine Pre-Seed-Finanzierung über rund 1,3 Millionen Euro abgeschlossen.
Die Finanzierungsrunde wird vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) angeführt. Darüber hinaus beteiligen sich Techstars sowie mehrere erfahrene Business Angels aus dem Industrie- und Enterprise-Software-Umfeld. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen seine KI-native Plattform weiterentwickeln und den Ausbau seines Teams beschleunigen.
Wenn Compliance an Excel-Listen scheitert
Trotz milliardenschwerer Investitionen in Governance-, Risiko- und Compliance-Systeme werden nach wie vor rund 80 Prozent aller Unternehmenskontrollen manuell durchgeführt. Auditoren arbeiten mit Stichproben, Compliance-Abteilungen verwalten Tabellenkalkulationen und Verantwortliche sammeln Screenshots als Nachweise für regulatorische Anforderungen.
Das führt dazu, dass Unternehmen häufig erhebliche Ressourcen in Compliance-Prozesse investieren, Verstöße und Risiken jedoch weiterhin hohe Kosten verursachen.
Auxilius entwickelt eine KI-native Plattform, die Unternehmensrichtlinien, regulatorische Anforderungen und Kontrollsysteme in deterministischen, ausführbaren Code übersetzt. Kontrollen werden dadurch kontinuierlich statt stichprobenartig ausgeführt und können sich automatisch an veränderte regulatorische oder operative Rahmenbedingungen anpassen.
Von Compliance-Dokumentation zu kontinuierlicher Steuerung
Die erzeugten Kontrollmechanismen dienen nicht nur der Dokumentation regulatorischer Anforderungen, sondern werden selbst zur auditierbaren Evidenz. Dadurch sollen Unternehmen in die Lage versetzt werden, Risiken kontinuierlich zu überwachen und Kontrollsysteme direkt in operative Geschäftsprozesse zu integrieren. Aus punktuellen Prüfungen werden fortlaufende Kontrollen, aus periodischen Audits ein permanenter Prüfungs- und Überwachungsprozess.
Wir entwickeln einen neuen Standard für Assurance – kontinuierlich, auditierbar und direkt an den geschäftskritischen Entscheidungen von Unternehmen ausgerichtet
Christian Hoppe, CEO und Co-Founder Auxilius
Knowledge Graph als zentrales Nervensystem
Ein wesentlicher Bestandteil der Plattform ist ein sogenannter Control-Intelligence-Knowledge-Graph. Dieser bildet die Beziehungen zwischen Risiken, Kontrollen, regulatorischen Anforderungen und Unternehmenszielen ab. Dadurch soll es möglich werden, einmal automatisierte Kontrollen über verschiedene Geschäftsprozesse hinweg auszurollen und dynamisch an neue regulatorische Anforderungen oder veränderte Unternehmensprozesse anzupassen.
Die nun eingeworbenen Mittel sollen insbesondere in die Weiterentwicklung dieser Technologie sowie in den Ausbau des Engineering- und Expertenteams fließen.
Gründerteam mit GRC- und Enterprise-Know-how
Hinter Auxilius steht ein Gründerteam mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Governance, Enterprise-Software und Künstliche Intelligenz. Mitgründer Christian Hoppe war zuvor Equity-Partner bei EY und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Governance, Risk & Compliance sowie SaaS. Mitgründer James Barnes bringt umfassende Erfahrung aus den Bereichen Enterprise AI, ERP-Integration und Cloud-Architektur mit.
Bereits heute arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit ersten zahlenden Unternehmenskunden zusammen, darunter europäische Banken und Industriekonzerne. In Pilotprojekten konnte Auxilius nach eigenen Angaben bereits eine höhere Kontrollabdeckung, geringeren manuellen Aufwand und schnellere Implementierungszeiten nachweisen.
Entsteht gerade die nächste Generation von Enterprise-Software?
Der Ansatz von Auxilius steht exemplarisch für einen größeren Trend im Enterprise-Software-Markt. Statt bestehende Prozesse lediglich zu digitalisieren, entstehen zunehmend KI-native Plattformen, die Unternehmensregeln und regulatorische Anforderungen direkt in ausführbare Softwarelogik übersetzen.
Sollte sich dieser Ansatz durchsetzen, könnten Governance und Compliance künftig nicht mehr als nachgelagerte Kontrollfunktion verstanden werden, sondern als kontinuierliche, datengetriebene Steuerungsebene moderner Unternehmen.

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