Wertpapierhandel

Trade Republic reagiert auf das PFOF-Aus und erfindet sich neu

Trade Republic baut seine Handelsplattform grundlegend um und führt automatische Bestpreis-Ausführung über mehrere Börsenplätze hinweg ein. Mit neuen Analyse- und Trading-Tools greift TR verstärkt etablierte Broker an.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 02. Juli 2026

Mit dem Inkrafttreten des Verbots von Payment for Order Flow (PFOF) am 1. Juli 2026 beginnt für europäische Neobroker eine neue Ära. Das bislang weit verbreitete Vergütungsmodell, bei dem Broker für die Weiterleitung von Kundenorders an Handelsplätze bezahlt wurden, gehört der Vergangenheit an. Trade Republic reagiert auf diesen regulatorischen Umbruch mit einer umfassenden Neuausrichtung seiner Handelsinfrastruktur und führt eine vollständig neue Handelsplattform ein.

Im Mittelpunkt stehen eine automatische Bestpreis-Ausführung über verschiedene Börsenplätze hinweg, der direkte Zugang zu 30 internationalen Handelsplätzen sowie ein neues Web Terminal für aktive Anleger. Damit positioniert sich das Berliner FinTech zunehmend als Anbieter professioneller Handelsinfrastruktur für Privatanleger.

Das Ende von Payment for Order Flow verändert den Brokerage-Markt

Das Verbot von Payment for Order Flow gilt als eine der bedeutendsten regulatorischen Veränderungen für den europäischen Brokerage-Markt der vergangenen Jahre. Ziel der Regulierung ist es, Interessenkonflikte bei der Orderausführung zu vermeiden und die Transparenz für Anleger zu erhöhen.

Für Neobroker bedeutet dies jedoch zugleich, dass sie neue Wege finden müssen, um ihren Kunden weiterhin günstige Handelsangebote bei gleichzeitig hoher Ausführungsqualität anzubieten.

Trade Republic begegnet dieser Herausforderung mit einer technologischen Lösung. Statt Orders über einzelne Handelsplätze abzuwickeln, vergleicht die neue Infrastruktur automatisch die verfügbaren Preise verschiedener Börsen und führt Transaktionen zum jeweils besten verfügbaren Kurs aus.

Bestpreis-Ausführung über alle relevanten Börsenplätze

Kernstück der neuen Plattform ist ein eigens entwickelter Bestpreis-Algorithmus. Dieser aggregiert handelbare Echtzeitkurse verschiedener liquider Börsenplätze und ermittelt für jede Order automatisch den günstigsten Kauf- beziehungsweise den besten Verkaufspreis und das unabhängig von der Ordergröße.

Für die Kunden bleibt die Kostenstruktur dabei unverändert. Trade Republic berechnet weiterhin eine Abwicklungspauschale von einem Euro pro Transaktion zuzüglich marktüblicher Spreads und Fremdkosten. Mit diesem Schritt reagiert das Unternehmen nicht nur auf die regulatorischen Veränderungen, sondern will zugleich die Qualität der Handelsausführung stärker in den Mittelpunkt stellen.

Direkter Zugang zu 30 internationalen Börsen

Ergänzend führt Trade Republic sogenannte Direktpreis-Orders ein. Anleger können dabei selbst entscheiden, an welchem Handelsplatz ihre Order ausgeführt werden soll.

Zur Auswahl stehen insgesamt 30 internationale Börsenplätze, darunter Xetra, Euronext, Nasdaq und weitere bedeutende Handelsplätze weltweit. Unterstützt werden Market-, Limit- und Stop-Orders. Für die gezielte Auswahl eines Handelsplatzes berechnet Trade Republic künftig zwei Euro pro Order.

Damit öffnet die Plattform Funktionen, die bislang überwiegend professionellen Anlegern und institutionellen Marktteilnehmern vorbehalten waren.

Kostenlose Echtzeitdaten und transparente Orderbücher

Ein weiterer Bestandteil der neuen Infrastruktur ist ein globales, aggregiertes Orderbuch, das die Geld- und Briefkurse verschiedener Börsenplätze in Echtzeit zusammenführt.

Anleger können die aggregierten Preise direkt mit den Orderbüchern einzelner Handelsplätze vergleichen und erhalten damit ein deutlich höheres Maß an Transparenz über die tatsächliche Preisbildung an den Märkten. Die erforderlichen Live-Marktdaten stellt Trade Republic nach eigenen Angaben kostenlos zur Verfügung.

Neues Web Terminal für aktive Anleger

Parallel zur neuen Handelsarchitektur startet Trade Republic ein eigenes Web Terminal für aktive Anleger.

Dieses bietet professionelle Charting-Funktionen, individuell konfigurierbare Arbeitsoberflächen, Aktien- und Derivate-Screener, Portfolioanalysen sowie Echtzeit-Marktdaten wichtiger Handelsplätze. Anders als bei vielen klassischen Brokern sollen diese Funktionen ohne zusätzliche Abonnementkosten verfügbar sein. Mit dem Web Terminal erschließt Trade Republic zugleich ein neues Geschäftsfeld und positioniert sich verstärkt im Wettbewerb mit spezialisierten Trading-Plattformen und professionellen Brokerage-Anbietern.

Vom günstigen Broker zur Handelsinfrastruktur-Plattform

Nach Angaben des Unternehmens nutzen inzwischen mehr als zehn Millionen Menschen die Plattform. Die neue Handelsarchitektur zeigt dabei einen grundlegenden Strategiewechsel: Während in der Vergangenheit vor allem niedrige Gebühren und einfache Benutzeroberflächen im Mittelpunkt standen, verschiebt sich der Wettbewerb im Brokerage-Markt zunehmend in Richtung Ausführungsqualität, Transparenz und technologischer Infrastruktur.

Ist das PFOF-Aus wirklich vorteilhaft für Privatanleger?

Ob das Ende von Payment for Order Flow tatsächlich zu spürbaren Vorteilen für Privatanleger führt, bleibt allerdings noch offen. Zwar verfolgte der europäische Gesetzgeber mit dem Verbot das Ziel, Interessenkonflikte zu reduzieren und die Ausführungsqualität zu verbessern. Gleichzeitig hatte der Wettbewerb unter den Neobrokern in den vergangenen Jahren bereits zu sehr niedrigen Handelskosten für Privatanleger geführt. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen tatsächlich zu besseren Angeboten führen, oder ob sie den Konsolidierungsdruck in der Branche erhöhen und damit langfristig die Vielfalt der Anbieter verringern.

Die Reaktion von Trade Republic auf das PFOF-Verbot könnte daher beispielhaft für die gesamte Branche stehen. Statt auf umstrittene Vergütungsmodelle zu setzen, investieren Neobroker zunehmend in eigene Handels- und Dateninfrastruktur. Die eigentliche Frage lautet damit nicht mehr, welcher Broker der günstigste ist, sondern welcher Anlegern künftig den besten Zugang zu den Kapitalmärkten bietet.


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