18 GovTech-Unternehmen gründen Allianz für die digitale Verwaltung
Mit der GovTech Allianz formiert sich eine neue Interessenvertretung für private Anbieter digitaler Verwaltungslösungen in Deutschland. Zum Start haben sich 18 GovTech-Unternehmen zusammengeschlossen, um gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit künftig mit einer gemeinsamen Stimme aufzutreten. Im Mittelpunkt stehen fairer Wettbewerb, digitale Souveränität und einfachere Beschaffungsprozesse für innovative Verwaltungstechnologien.
Gemeinsame Stimme für die GovTech-Branche
GovTech-Unternehmen bewegen sich in einem Markt, der besonders stark von politischen Entscheidungen, Vergaberecht, Digitalstrategien und regulatorischen Vorgaben geprägt ist. Gleichzeitig fehlte spezialisierten privaten Anbietern bislang nach Ansicht der Initiatoren eine gemeinsame Interessenvertretung.
GovTech-Unternehmen sind unmittelbar von Vergaberegeln, Digitalstrategien und regulatorischen Rahmenbedingungen betroffen. Doch bislang fehlte uns eine gemeinsame Stimme.
Ruth Bosse, Gründerin und CEO von Ark Climate
Diese Lücke soll die neue, unabhängige und überparteiliche GovTech Allianz schließen. Dabei versteht sich der Zusammenschluss ausdrücklich nicht als Vertretung einzelner Unternehmen, sondern als Stimme für das gesamte privatwirtschaftliche GovTech-Ökosystem.
Breites Bündnis aus der Branche
Der Allianz gehören zum Start Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen der Verwaltungsdigitalisierung an. Dazu zählen unter anderem Aivot, Ark Climate, Ayunis, Brifle, Charly, comuneo, cosinex, GovRadar, ivicos, kaleidemoskop, kibaudi, Leistungslotse, MACH, Nect, neuraflow, PCT digital, SUMM AI, Verwaltungscloud.SH, vialytics und viind.
Die vorliegenden Angaben sprechen an dieser Stelle allerdings von 18 Gründungsmitgliedern, während in der veröffentlichten Mitgliederübersicht 20 Unternehmen aufgeführt werden. Das Spektrum reicht von KI-Systemen für Behörden und digitalisierten Antragsprozessen über E-Vergabe, digitale Identitätsprüfung und Sozialleistungen bis zu Software für kommunalen Klimaschutz und Infrastrukturmanagement.
Drei Forderungen an die Verwaltungsdigitalisierung
Inhaltlich konzentriert sich die GovTech Allianz zunächst auf drei zentrale Handlungsfelder.
Beim Wettbewerb fordert sie bessere Bedingungen für private Technologieanbieter im öffentlichen IT-Markt. Ein innovationsfähiger Staat benötige einen funktionierenden Markt und gleiche Chancen für neue Anbieter.
Der zweite Schwerpunkt ist die digitale Souveränität. Die Allianz versteht darunter nicht lediglich die Unabhängigkeit von einzelnen internationalen Technologiekonzernen. Stattdessen sollen europäische Wertschöpfung, offene Standards, Interoperabilität und technologische Wahlfreiheit gestärkt werden.
Beim dritten Schwerpunkt, Vergabe und Skalierung, geht es um eine der zentralen Hürden vieler GovTech-Unternehmen: Innovative Produkte sollen einfacher von Behörden getestet und beschafft werden können. Funktionierende Lösungen sollen anschließend schneller über einzelne Kommunen und Verwaltungsgrenzen hinweg ausgerollt werden.
Bosse und Michel übernehmen erste Sprecherrollen
Vertreten wird die Allianz nach außen jeweils von zwei gewählten Sprecherinnen oder Sprechern. Die Positionen werden halbjährlich neu vergeben.
Zum Start übernehmen Ruth Bosse von Ark Climate und Andreas Michel, Gründer und CEO von Ayunis, diese Aufgabe. Neben der Koordination gemeinsamer Positionen sollen sie insbesondere den Austausch mit Politik, Behörden und Öffentlichkeit vorantreiben.
"Die Zukunft des Staates entsteht nicht allein im Staat", sagt Michel. Viele Lösungen für Verwaltungsmodernisierung und digitale Souveränität entstünden bereits in der Privatwirtschaft. Diese Innovationskraft zu stärken, liege deshalb auch im Interesse des Staates.
Private Anbieter wollen stärkere Rolle bei Staatsmodernisierung
Hinter der Gründung steht damit auch eine grundsätzliche Forderung: Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung soll stärker als Zusammenspiel von Staat und privatwirtschaftlichen Technologieunternehmen verstanden werden.
Die Allianz sucht nach eigenen Angaben ausdrücklich den Dialog mit Politik, Verwaltung, Verbänden und öffentlichen IT-Dienstleistern. Statt Konfrontation gehe es um Rahmenbedingungen, unter denen innovative Lösungen schneller eingesetzt und anschließend skaliert werden können. Dabei soll der Kreis nicht auf die Gründungsmitglieder beschränkt bleiben. Weitere Unternehmen, die digitale Produkte für den öffentlichen Sektor entwickeln, können sich der Initiative anschließen.
Allianz muss sich im politischen Alltag beweisen
Ob sich die neue Interessenvertretung im politischen Alltag tatsächlich durchsetzen kann, muss sich allerdings erst zeigen. Gerade in Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte dürfte fraglich sein, ob alle Mitglieder gleichermaßen von neuen Aufträgen und besseren Rahmenbedingungen profitieren können. Vergabe- und Entscheidungsprozesse im GovTech-Bereich sind traditionell langwierig und komplex. Diese Gründlichkeit ist jedoch nicht ausschließlich als Hindernis zu betrachten: Gerade beim Einsatz digitaler Lösungen durch den Staat sind transparente Prüfungen und klare Regeln auch ein wichtiger Vertrauensanker für die Bevölkerung. Umso mehr ist jede Initiative zu begrüßen, die Verfahren für Unternehmen und Verwaltung vereinfacht, ohne notwendige Kontrollmechanismen aufzugeben und dabei vor allem eines schafft: weniger Bürokratie für alle Beteiligten!

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