Digitale Verwaltung

Deutschland testet die digitale Unternehmensgründung: Projekt "Schneller Gründen" startet Pilotphase

Von der Gewerbeanmeldung bis zur Steuernummer: Acht Pilotregionen erproben die digitale Unternehmensgründung ohne Medienbrüche.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 27. Mai 2026

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen möchte, muss sich bislang häufig durch zahlreiche Formulare, Behördengänge und Wartezeiten kämpfen. Das soll sich ändern. Mit dem Projekt Schneller Gründen startet das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) nun die Pilotphase für eine vollständig digitale Unternehmensgründung.

An acht Standorten testen Gewerbeämter, Finanzämter und Registergerichte erstmals einen medienbruchfreien Gründungsprozess.

Acht Pilotregionen starten den Praxistest

Der sogenannte Kombiantrag zur Unternehmensgründung wird zunächst in folgenden Regionen erprobt:

  • Aachen
  • Dresden
  • Düsseldorf
  • Fulda
  • Goslar
  • Mannheim
  • München
  • Nordfriesland

Ziel ist es, den Prozess unter realen Bedingungen mit echten Nutzern und tatsächlichen Behördendaten zu testen und anschließend bundesweit auszurollen.

Schluss mit dem Behördenmarathon

Trotz steigender Gründungszahlen gilt Deutschland weiterhin als bürokratisch anspruchsvoller Standort für Unternehmensgründungen. Gründerinnen und Gründer müssen bislang zahlreiche Behörden kontaktieren und vielfach dieselben Informationen mehrfach einreichen.

Mit Schneller Gründen soll dieser Aufwand deutlich reduziert werden. Das Ziel ist eine digitale Unternehmensgründung, die künftig bundesweit viel schneller und einfacher möglich ist.

Die fünf Bausteine der Reform

Im Zentrum des Projekts stehen fünf zentrale Maßnahmen:

One-Stop-Shop für Gründer

Künftig sollen alle relevanten Schritte über eine zentrale digitale Plattform abgewickelt werden können, von der Anmeldung bis zu steuerlichen Formalitäten.

Schnellere Vergabe der Steuernummer

Digitale Prozesse sollen die Bearbeitungszeit erheblich verkürzen. In Standardfällen könnte die Vergabe künftig automatisiert innerhalb weniger Minuten erfolgen.

Vollständig digitale Gewerbeanmeldung

Die Anmeldung eines Gewerbes soll ohne Papierformulare und Medienbrüche möglich werden.

Automatischer Datenaustausch zwischen Behörden

Über das sogenannte Once-Only-Technical-System (NOOTS) sollen Behörden Daten automatisiert austauschen. Mehrfacheingaben werden dadurch überflüssig.

Modernisierung des Handelsregisters

Optimierte Verfahren sollen Registereintragungen beschleunigen und die Transparenz erhöhen.

Teil der Modernisierungsagenda von Bund und Ländern

Das Vorhaben ist eines der zentralen Hebelprojekte der Modernisierungsagenda „Bund und Föderal“. Neben dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung sind unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz sowie Länder und Kommunen beteiligt.

Die Pilotphase soll nun zeigen, wie schnell sich die digitale Gründung in der Praxis umsetzen lässt.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland zuletzt einen Rekord bei Neugründungen verzeichnete. Gleichzeitig zählt die Bürokratie weiterhin zu den größten Kritikpunkten vieler Gründerinnen und Gründer.

Aus unserer eigenen Erfahrung ist die Gründung zwar immer eine zeitliche und bürokratische Hürde gewesen, aber bildlich gesprochen auch nur die erste auf einem ganzen Marathon. Der bürokratische Alltag im Unternehmertum ist das was Kreativität, Produktivität, Wachstum und auch unser aller Wohlstand auffrisst. Die Gründung war bisher nur die Eintrittskarte, die man mit Rechtsbeistand, Notar und Steuerberater noch recht elegant überspringen konnte.
Wie soll jemand, der die Gründungsphase bisher nicht erfolgreich in Deutschland abschließen konnte, die Bürokratie überstehen, die noch vor ihm liegt? Erleichtert man zuerst die Gründung, birgt es die Gefahr, dass auf lange Sicht sich viel mehr Gründer unglücklich machen. Alleine der Versatz von zwei Jahren bis zur ersten Bilanz und dann entsprechende Nach- und Vorauszahlungen. Sozialkassen, die Gründer nur zu gerne nach langer Zeit plötzlich ablehnen. Und dann rechnet man unerwartet mehrere Jahre Krankenkassenbeiträge und Rentenkassenbeiträge rückwirkend aus. Anzeiger Rechnungen, die einem mt kryptischer Nummer im Betreff zugeschickt werden, aber das betroffene Unternehmen überhaupt nicht genannt wird, bis man den Anhang öffnet...

Und trotzdem ist ein Anfang gemacht und es fühlt sich wie ein kleiner Aufbruch an. Alleine für diesen kleien Hoffnungsschimmer sollten wir dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) dankbar sein.


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