NextGO Epi zieht 2 Millionen Euro an Land
Nur eine Woche nach der Vorstellung des European Chips Act 2.0 hat das Berliner DeepTech-Startup NextGO Epi eine Pre-Seed-Finanzierung über 2 Millionen Euro abgeschlossen. Das Spin-off des Leibniz-Instituts für Kristallzüchtung (IKZ) entwickelt und produziert Galliumoxid-Epitaxiewafer. Dabei handelt es sich um einen Halbleiterwerkstoff, der als Schlüsseltechnologie für die nächste Generation der Leistungselektronik gilt.
Die Finanzierungsrunde wird von Vireo Ventures angeführt. Ebenfalls beteiligt sind Ultratech Capital Partners, IBB Ventures sowie Business Angel Boris Habets. Mit dem frischen Kapital will NextGO Epi seine Produktentwicklung beschleunigen, das Team erweitern und den internationalen Vertrieb ausbauen.
Europas einzige industrielle Produktion von Galliumoxid-Wafern
NextGO Epi ist nach eigenen Angaben derzeit das einzige Unternehmen in Europa, das Galliumoxid-Epitaxiewafer in industrieller Qualität und bis zu einer Größe von vier Zoll produziert.
Galliumoxid gilt als einer der vielversprechendsten Werkstoffe für zukünftige Leistungshalbleiter. Im Vergleich zu heute weit verbreiteten Materialien wie Siliziumkarbid oder Galliumnitrid können Bauteile höhere Spannungen verarbeiten, arbeiten effizienter und sollen sich deutlich kostengünstiger herstellen lassen.
Nach Unternehmensangaben könnten dadurch unter anderem Ladezeiten von Elektrofahrzeugen von rund einer Stunde auf etwa zehn Minuten sinken, während sich die Produktionskosten von Leistungshalbleitern um bis zu 75 Prozent reduzieren.
Halbleiter für Energiewende und KI
Die Technologie kommt überall dort zum Einsatz, wo große Energiemengen effizient gesteuert werden müssen – von Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge über Wechselrichter für erneuerbare Energien bis hin zu Stromversorgungen für KI-Rechenzentren und industriellen Hochleistungssystemen.
Mit dem neuen Chips Act 2.0 verfolgt die Europäische Union das Ziel, ihre Abhängigkeit von asiatischen und amerikanischen Halbleiterlieferanten zu reduzieren. NextGO Epi positioniert sich dabei als Teil einer europäischen Wertschöpfungskette für künftige Schlüsseltechnologien.
Vom Forschungslabor in den Markt
Gegründet wurde NextGO Epi von den drei promovierten Halbleiterforschern Dr. Ta-Shun Chou, Dr. Andreas Popp und Dr. Andreas Fiedler. Gemeinsam verfügen sie über mehr als zehn Jahre Forschungserfahrung im Bereich Galliumoxid, zwei internationale Patente sowie über 30 wissenschaftliche Publikationen. Unterstützt wird das Unternehmen außerdem von Dr. Jochen Linck, dem ehemaligen COO von Aixtron, der als Operating Partner den industriellen Ausbau begleitet.
Bereits heute produziert NextGO Epi seine Wafer und beliefert Kunden in Europa, Asien und Nordamerika. Zu den Kooperationspartnern zählen unter anderem Foxconn, Gallox Semiconductor, das Ferdinand-Braun-Institut (FBH) sowie das taiwanische Forschungsinstitut ITRI. Mit der Finanzierung will das Berliner Startup seine Position als europäischer Anbieter der nächsten Generation von Leistungshalbleitern weiter ausbauen.

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