FinTech

Lissi zieht 3,5 Millionen Euro an Land

Mit Blick auf die neue EU-Geldwäscheverordnung entwickelt das Frankfurter Startup Lösungen für Banken und Finanzdienstleister.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Frankfurt, 09. Juli 2026

Die Einführung der europäischen digitalen Identitätswallet (EUDI Wallet) rückt näher und mit ihr wächst der Bedarf an technischen Lösungen für Banken und Finanzdienstleister. Das Frankfurter IdentityTech Lissi hat nun eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Euro abgeschlossen, um seine Plattform für die Integration der EUDI Wallet weiter auszubauen.

Angeführt wird die Runde vom französischen Venture-Capital-Investor Ventech. Ebenfalls beteiligt sind die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen sowie die Bestandsinvestoren main incubator (Commerzbank-Gruppe) und Ninepointfive Ventures.

Banken bereiten sich auf die AMLR vor

Die Finanzierung kommt zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt. Ab 10. Juli 2027 gilt die neue europäische Anti-Money Laundering Regulation (AMLR). Für Banken und Finanzdienstleister steigt damit der Druck, digitale Identitätslösungen einzuführen, die den Anforderungen der eIDAS-Verordnung entsprechen.

Bereits heute stammen nach Unternehmensangaben rund 90 Prozent der Kunden von Lissi aus dem Finanzsektor. Dazu gehören Banken, Versicherungen, Zahlungsdienstleister und Identitätsanbieter – darunter Commerzbank und itsme.

SDK soll Banking-Apps zu digitalen Wallets machen

Mit dem frischen Kapital will Lissi seine EUDI Wallet Connector Suite weiterentwickeln und ein eigenes Software Development Kit (SDK) auf den Markt bringen.

Damit sollen Banken und Finanzdienstleister die Funktionen einer digitalen Identitätswallet direkt in ihre bestehenden Banking-Apps integrieren können. Ziel ist es, bestehende Anwendungen ohne aufwendige Neuentwicklung um digitale Identitätsfunktionen zu erweitern.

Europäische Alternative für digitale Identitäten

Lissi versteht sich bewusst als unabhängige europäische Infrastrukturplattform. Das Unternehmen setzt auf Interoperabilität zwischen öffentlichen und privaten EUDI Wallets in allen EU-Mitgliedstaaten und will Finanzinstituten eine datenschutzkonforme Alternative zu internationalen Plattformanbietern bieten.

Neben der technischen Integration stehen dabei regulatorische Anforderungen wie KYC-Prozesse (Know Your Customer), starke Kundenauthentifizierung (SCA) und digitale Nachweise im Mittelpunkt.

Vom Forschungsprojekt zum Marktführer?

Lissi arbeitet bereits seit 2019 an digitalen Identitäten und war maßgeblich an der Entwicklung des europäischen Wallet-Ökosystems beteiligt. Als Leiter des Forschungsprojekts IDunion entwickelte das Unternehmen zentrale technische Komponenten, die heute in der EUDI Wallet zum Einsatz kommen.

Nach dem Spin-off aus der Commerzbank-Gruppe im Jahr 2023 gewann Lissi 2025 die German EUDI Wallet Challenge und arbeitet inzwischen mit mehr als 30 Organisationen aus zehn EU-Mitgliedstaaten an der Einführung digitaler Identitätslösungen. Mit der aktuellen Finanzierung will das Unternehmen seine Position im regulierten Finanzmarkt weiter ausbauen und sich als zentrale Infrastruktur für die europäische digitale Identität etablieren.


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