Proxima Fusion holt sich 411 Millionen Euro
Die europäische Fusionsenergie haut den nächsten Paukenschlag raus. Das Münchner Deep-Tech Proxima Fusion hat eine Finanzierungsrunde über 411 Millionen Euro abgeschlossen. Damit steigt die Gesamtfinanzierung des Startups auf mehr als 650 Millionen Euro, die Unternehmensbewertung auf 2,4 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben ist Proxima damit das bestfinanzierte Fusionsunternehmen Europas.
Die Finanzierungsrunde zählt zugleich zu den größten privaten Technologieinvestments des Jahres in Europa und markiert die bislang größte private Kapitalrunde im europäischen Fusionssektor.
Breites Investorenkonsortium setzt auf Fusionsenergie
Angeführt wurde die Runde von XTX Ventures und East X Ventures. Als strategische Investoren beteiligen sich außerdem der Energiekonzern RWE sowie Google.
Darüber hinaus investieren KfW Capital, SPRIND und Burda Principal Investments gemeinsam mit zahlreichen Bestandsinvestoren, darunter Plural, UVC Partners, Balderton, Cherry Ventures, DST Global Partners, Lightspeed, DTCF, Bayern Kapital und der EIC Fund.
Die internationale Investorengemeinschaft hat ein starkes Signal gesendet: Sie vertraut nicht nur auf die wissenschaftliche Exzellenz Europas, sondern auch auf unsere Fähigkeit, daraus weltweit wettbewerbsfähige Industrieunternehmen aufzubauen.
Dr. Francesco Sciortino, Co-Founder und CEO Proxima Fusion
Besonders bemerkenswert ist der Einstieg von RWE. Erst vor wenigen Monaten hatte der Energiekonzern gemeinsam mit Proxima Fusion, dem Freistaat Bayern und dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik angekündigt, auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen das erste Stellarator-Fusionskraftwerk Europas vorbereiten zu wollen.
Auch Google beteiligt sich an der Runde und unterstreicht damit das wachsende Interesse großer Technologieunternehmen an der Kernfusion als potenzieller Quelle CO₂-freier und dauerhaft verfügbarer Energie.
Alpha soll den Weg zum ersten Fusionskraftwerk ebnen
Mit dem frischen Kapital will Proxima Fusion den Bau von "Alpha" finanzieren – einem Demonstrator für ein Stellarator-Fusionssystem in der Nähe von München.
Das Projekt gilt als entscheidender Zwischenschritt zwischen jahrzehntelanger Grundlagenforschung und dem kommerziellen Einsatz von Fusionsenergie. Ziel ist es, zentrale Technologien für spätere Kraftwerke unter realen Bedingungen zu validieren und die Entwicklung eines kommerziellen Fusionskraftwerks noch in diesem Jahrzehnt vorzubereiten. Dabei arbeitet Proxima eng mit dem Freistaat Bayern, dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik und RWE zusammen.
Europa im Wettlauf mit den USA und China
Die Finanzierung verdeutlicht zugleich den zunehmenden globalen Wettbewerb um die Kommerzialisierung der Fusionsenergie. Während in den vergangenen Jahren vor allem US-Unternehmen milliardenschwere Finanzierungen einwerben konnten, positioniert sich Europa nun zunehmend als eigenständiger Innovationsstandort.
Fusion hat das Potenzial, eine ähnliche wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen wie einst die Automobilindustrie
Dr. Francesco Sciortino, Co-Founder und CEO Proxima Fusion
Nach Einschätzung von Proxima-Gründer und CEO Francesco Sciortino entscheidet sich in den kommenden Jahren, welche Regionen die ersten kommerziell nutzbaren Fusionskraftwerke entwickeln und damit langfristig technologische und industrielle Führungspositionen sichern.
Die aktuelle Finanzierung zeige, dass Europa nicht nur wissenschaftliche Spitzenforschung hervorbringen könne, sondern zunehmend auch Unternehmen mit globalem Anspruch aufbaue.
Vom Forschungsprojekt zum Industrieunternehmen
Seit der Gründung vor weniger als drei Jahren hat Proxima Fusion bereits mehr als 650 Millionen Euro eingeworben, darunter rund 95 Millionen Euro öffentliche Fördermittel. Mit der neuen Finanzierung will das Unternehmen nun die Entwicklung seiner supraleitenden Magnettechnologie, den Bau einer Modellspule für den Stellarator sowie den Ausbau der eigenen Produktions- und Fertigungskapazitäten beschleunigen.
Parallel dazu plant Proxima Fusion einen deutlichen Personalaufbau an seinen Standorten in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien.
Europas nächster Deep-Tech-Champion?
Die Finanzierungsrunde ist mehr als nur ein Erfolg für ein einzelnes Startup. Sie zeigt, dass sich in Europa zunehmend Unternehmen entwickeln, die auch in kapitalintensiven Zukunftstechnologien Milliardeninvestitionen anziehen können.
Ob Proxima Fusion tatsächlich das erste kommerzielle Fusionskraftwerk Europas realisieren wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Wettlauf um die Energiequelle der Zukunft hat längst begonnen – und Europa will dabei nicht nur zuschauen, sondern mit eigenen Technologiechampions eine führende Rolle übernehmen.

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