Seed

ARC Intelligence sammelt 4 Millionen Euro ein

Weg von Excel und fragmentierten Reports: ARC entwickelt eine KI-Plattform, die CFOs erstmals Echtzeit-Einblicke in komplexe Unternehmensstrukturen ermöglichen soll.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 07. Juli 2026

Die Digitalisierung der Finanzabteilungen in Unternehmen gilt seit Jahren als Dauerbaustelle. Obwohl Milliarden in ERP-Systeme investiert wurden, basieren viele strategische Entscheidungen noch immer auf fragmentierten Daten, manuellen Auswertungen und Excel-Tabellen. Das Berliner Startup ARC Intelligence will das ändern und hat dafür nun frisches Kapital in Höhe von vier Millionen Euro eingesammelt.

Die Seed-Finanzierungsrunde wird vom Münchner Venture-Capital-Investor 42CAP angeführt. Zudem beteiligen sich die Bestandsinvestoren 468 Capital und IBB Ventures erneut an dem Unternehmen. Mit dem Kapital will ARC seine Produktentwicklung beschleunigen, weitere internationale Märkte erschließen und seine Position im Bereich KI-gestützter Finanzsoftware ausbauen.

Ein Betriebssystem für die Finanzsteuerung

Im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie steht ein sogenanntes "AI-native Finance OS". Die Plattform soll bestehende ERP-, CRM- und weitere Unternehmenssysteme miteinander verbinden und eine zentrale, intelligente Steuerungsebene schaffen.

Gerade größere mittelständische Unternehmensgruppen stehen häufig vor der Herausforderung, Daten aus verschiedenen Gesellschaften, Standorten und Softwaresystemen zusammenzuführen. Entscheidungen basieren dadurch oft auf zeitverzögerten Reports und manuellen Abstimmungsprozessen.

Die Zukunft von Unternehmenssoftware liegt nicht darin, bestehende ERP-Systeme zu ersetzen, sondern darin, Daten, Prozesse und Entscheidungen intelligent über Systemgrenzen hinweg zu verbinden.

Clemens Wessendorff, CEO und Co-Founder ARC

ARC setzt stattdessen auf Echtzeitdaten und KI-gestützte Analysen. Finanzverantwortliche sollen dadurch jederzeit einen aktuellen Überblick über die wirtschaftliche Situation ihres Unternehmens erhalten und Entscheidungen treffen können, ohne auf Monatsabschlüsse oder manuelle Berichte warten zu müssen.

Mehr als 200.000 Entscheidungen bereits unterstützt

Nach Angaben des Unternehmens wurden über die Plattform bislang bereits mehr als 200.000 unternehmenskritische Entscheidungen unterstützt. Finanzverantwortliche verbringen demnach durchschnittlich rund 20 Minuten täglich in der Software, um aktuelle Unternehmens- und Finanzkennzahlen auszuwerten.

Innerhalb von sechs Monaten sollen Unternehmen durch die Automatisierung bereits mehr als 100.000 Stunden manueller Arbeit eingespart haben. Den Markteintritt fokussiert ARC zunächst bewusst auf das sogenannte CFO Office. Langfristig soll die Plattform jedoch zu einem umfassenden KI-basierten Betriebssystem für ERP-intensive Unternehmen weiterentwickelt werden.

Starkes Wachstum seit der Pre-Seed-Runde

Seit dem Abschluss der Pre-Seed-Finanzierung vor rund einem Jahr (wir berichteten) konnte das Berliner Startup seine Geschäftsentwicklung deutlich beschleunigen. Nach eigenen Angaben verzehnfachte sich der Umsatz in diesem Zeitraum.

Zu den Kunden zählen inzwischen unter anderem Burmester, Pfanner Schutzbekleidung, Ferrotec, die OCONO Gruppe sowie Robert Bürkle. Darüber hinaus arbeitet ARC mit Private-Equity-Gesellschaften wie Auctus Capital und GENUI zusammen, um die Lösung auch in deren Portfoliounternehmen zu etablieren.

42CAP setzt auf die nächste Generation der Finanzsoftware

Mit dem Einstieg von 42CAP gewinnt ARC einen renommierten europäischen Investor für B2B-Software. Hinter dem Fonds steht unter anderem Moritz Zimmermann, Mitgründer des E-Commerce-Softwareunternehmens Hybris, das 2013 für rund 1,5 Milliarden US-Dollar von SAP übernommen wurde.

Für Zimmermann steht fest, dass sich der Markt für Unternehmenssoftware grundlegend verändern wird: Statt isolierter Einzellösungen könnten künftig KI-native Plattformen die Steuerung komplexer Unternehmensstrukturen übernehmen. Die hohe Zufriedenheit der bisherigen Kunden habe dabei eine entscheidende Rolle für das Investment gespielt.

KI als neue Steuerungsebene für Unternehmen?

Mit der neuen Finanzierung will ARC zusätzliche ERP-Integrationen entwickeln, das Engineering-Team ausbauen und die internationale Expansion vorantreiben. Das langfristige Ziel bleibt dabei ambitioniert: Das Unternehmen möchte sich als KI-native Steuerungsplattform für komplexe Unternehmensgruppen etablieren.

Die Entwicklung von ARC verdeutlicht zugleich einen größeren Trend im Enterprise-Software-Markt. Während klassische ERP-Systeme weiterhin das operative Rückgrat vieler Unternehmen bilden, entstehen zunehmend KI-basierte Steuerungsebenen darüber, die Daten, Prozesse und Entscheidungen intelligent miteinander verknüpfen. Ob daraus tatsächlich die nächste Generation von Unternehmenssoftware entsteht, dürfte sich in den kommenden Jahren entscheiden.


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