Porelio erhält 2,4 Millionen Euro für die Kreislaufwirtschaft
Ob wertvolle Edelmetalle in Industrieabwässern oder langlebige PFAS-Chemikalien im Trinkwasser, Porelio will für beide Probleme eine gemeinsame technologische Lösung liefern. Das Potsdamer Deep-Tech-Startup hat dafür nun eine überzeichnete Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2,4 Millionen Euro abgeschlossen.
Angeführt wird die Runde vom portugiesischen Investor Faber. Ebenfalls beteiligt sind Polytechnique Ventures aus Frankreich, Grupo Tecnológica aus Spanien sowie better ventures aus Deutschland. Über better ventures investieren zudem die Business Angels Henning Emmrich, Robert Levenhagen, Michal Bartmanski und Thomas Gottheil. Bereits zuvor hatte das Unternehmen rund 2,5 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln für die Entwicklung seiner Technologie erhalten.
Eine Plattform für zwei Milliardenmärkte
Statt für jede industrielle Herausforderung eine eigene Lösung zu entwickeln, setzt das Proelio auf eine gemeinsame Materialplattform für unterschiedliche Trennprozesse.
Die Wasserqualität ist zu einer großen gesellschaftlichen Herausforderung geworden, und die Beseitigung persistenter Schadstoffe ist heute eine dringende Umwelt- und öffentliche Gesundheitsfrage.
Cécile Tharaud, Gründungspartnerin bei Polytechnique Ventures
Im Fokus stehen zwei Anwendungsfelder mit erheblichem wirtschaftlichem Potenzial. Zum einen sollen wertvolle Edelmetalle wie Gold, Platin, Palladium oder Rhodium effizient aus industriellen Stoffströmen zurückgewonnen werden. Zum anderen will Porelio sogenannte PFAS aus Wasser entfernen. PFAS sind langlebige Industriechemikalien, die aufgrund ihrer Umwelt- und Gesundheitsrisiken zunehmend reguliert werden
Zusammengenommen schätzt das Unternehmen das Marktpotenzial beider Bereiche auf rund 34 Milliarden Euro.
Neue Materialien für industrielle Trennprozesse
Die Technologie basiert auf sogenannten funktionalisierten mesoporösen Silicamaterialien (FOMS), einer Materialklasse, die gezielt bestimmte Moleküle oder Metalle aus Flüssigkeiten binden kann.
Diese Chemie lag dreißig Jahre lang auf Laborbänken. Jeder konnte ihr Potenzial erkennen; niemand hatte sie im entscheidenden Maßstab hergestellt.
Dr. Rhea Machado, CEO und Mitgründerin von Porelio
Die eigentliche Innovation liegt jedoch nicht im Material selbst, sondern in dessen Herstellung. Porelio hat nach eigenen Angaben ein kontinuierliches Produktionsverfahren entwickelt, das diese Hochleistungsmaterialien erstmals wirtschaftlich im industriellen Maßstab herstellen kann.
Das Verfahren soll rund 30-mal schneller arbeiten als bisherige Produktionsmethoden und gleichzeitig nachhaltiger sein. Zudem lassen sich die Materialien regenerieren und mehrfach einsetzen, was die Betriebskosten deutlich reduzieren soll.
Deutlich höhere Effizienz in ersten Pilotprojekten
Nach Unternehmensangaben konnte die Technologie ihre Leistungsfähigkeit bereits in mehreren europäischen Pilotprojekten unter Beweis stellen.
So soll die Rückgewinnung von Palladium rund sechsmal schneller erfolgen als mit herkömmlichen Adsorptionsverfahren. Auch bei der Entfernung von Trifluoressigsäure (TFA), einem besonders schwer zu entfernenden Vertreter der PFAS-Gruppe, erzielte die Technologie deutlich bessere Ergebnisse als klassische Aktivkohlefilter.
Porelio adressiert einen äußerst relevanten Bedarf, indem es Unternehmen ermöglicht, kritische Metalle zurückzugewinnen und komplexe Industrieströme erheblich effizienter zu behandeln. Die Plattformtechnologie hat ein breites Potenzial in mehreren Sektoren.
Rita Sousa, Partnerin bei Faber
Diese Kombination aus Ressourcengewinnung und Schadstoffentfernung macht die Plattform für unterschiedliche Industrien interessant – von Chemie und Pharma über Halbleiter bis hin zu Bergbau und Wasserwirtschaft.
Von der Pilotanlage zur industriellen Produktion
Mit der neuen Finanzierung will Porelio den nächsten Entwicklungsschritt vollziehen. Geplant ist der Ausbau der Produktion von derzeit Pilotmengen im Kilogrammbereich auf industrielle Kapazitäten von mehreren Tonnen pro Jahr.
Parallel dazu sollen bestehende Pilotprojekte in langfristige kommerzielle Partnerschaften überführt werden.
Wissenschaftliches Gründerteam mit internationalem Hintergrund
Gegründet wurde Porelio von Dr. Rhea Machado (CEO), Javier Silva Mora (CTO) und Nikol Michailidou (CPO). Das Team vereint Expertise aus Verfahrenstechnik, Chemie und Chemieingenieurwesen und bringt Forschungserfahrung unter anderem von der Technischen Universität Berlin sowie der École Polytechnique in Paris mit.
Mit seinem Plattformansatz adressiert Porelio zwei der drängendsten Herausforderungen moderner Industrie gleichzeitig: den effizienteren Umgang mit knappen Rohstoffen und die Beseitigung langlebiger Umweltbelastungen. Gelingt die industrielle Skalierung, könnte daraus eine neue Generation von Trenntechnologien entstehen, die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbindet.

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