LegalTech

Noxtua erhält mehr als 100 Millionen Euro in Series C

Das Berliner LegalTech schließt seine Series C ab. C.H.BECK wird Mehrheitsgesellschafter und tätigt das größte Investment seiner mehr als 260-jährigen Unternehmensgeschichte.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 23. September 2026

Das Berliner LegalTech Noxtua hat eine Series-C-Finanzierungsrunde über mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. C.H.BECK wird im Zuge der Transaktion neuer Mehrheitsgesellschafter des KI-Unternehmens. Für den 1763 gegründeten juristischen Fachverlag handelt es sich nach eigenen Angaben um das größte Investment seiner Unternehmensgeschichte. Mit MANZ beteiligt sich zudem einer der führenden österreichischen Rechtsverlage erstmals an Noxtua. Das Kapital soll insbesondere in die Weiterentwicklung der Rechts-KI und die Expansion in weitere europäische Märkte fließen.

C.H.BECK übernimmt Mehrheit an Noxtua

C.H.BECK war bereits im April 2025 als Hauptinvestor an der Series B von Noxtua beteiligt. Mit der neuen Finanzierungsrunde vertieft der Verlag sein Engagement nun deutlich und übernimmt die Mehrheit am Berliner Scaleup.

Auch MANZ baut die bestehende operative Zusammenarbeit mit Noxtua durch ein Investment aus. Der österreichische Fachverlag arbeitet seit 2025 mit dem Unternehmen am Legal AI Workspace MANZ-Noxtua.

Die neue Eigentümerstruktur soll Noxtua nach Angaben des Unternehmens langfristigere Planungshorizonte ermöglichen und die paneuropäische Expansion unterstützen.

Verlagsinhalte werden zum strategischen Faktor

Hinter den Investments steht eine Entwicklung, die für den Legal-AI-Markt zunehmend relevant wird: Neben leistungsfähigen KI-Modellen werden hochwertige und verlässliche juristische Daten zum zentralen Wettbewerbsfaktor. Noxtua setzt deshalb auf Kooperationen mit europäischen Fachverlagen und verwendet deren kuratierte Inhalte für jurisdiktionsspezifische Legal-AI-Workspaces.

Zu den Partnern zählen neben C.H.BECK und MANZ unter anderem Helbing Lichtenhahn sowie weitere juristische Fachverlage in Polen, Tschechien, der Slowakei, Schweden und Bulgarien. Besonders umfangreich ist die Zusammenarbeit mit C.H.BECK. Dessen Datenbank beck-online umfasst nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Dokumente aus unterschiedlichen Rechtsgebieten. Gemeinsam brachten die Unternehmen 2025 den Legal AI Workspace Beck-Noxtua auf den deutschen Markt.

Mehr als 30.000 Nutzer

Noxtua ging aus Forschungsarbeiten an der Oxford University und dem Imperial College London hervor und wurde 2017 gegründet. Die erste Version der heutigen Rechts-KI kam 2024 auf den Markt. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter an sechs europäischen Standorten in Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg. Mehr als 30.000 Nutzer greifen nach Angaben des Unternehmens auf die Plattform zu.

Noxtua deckt verschiedene Bereiche juristischer Textarbeit ab. Dazu gehören Recherche, die Analyse komplexer Rechtsfragen und die Erstellung von Dokumenten. CEO und Gründer Leif-Nissen Lundbæk sieht insbesondere die Kombination aus eigener Technologie und exklusiven Inhalten europäischer Fachverlage als Grundlage für die weitere Expansion.

Investorenstruktur wird neu geordnet

Mit der Series C verändert sich gleichzeitig die Gesellschafterstruktur von Noxtua deutlich. Die bisherigen Investoren Global Brain Corporation, KDDI Open Innovation Fund, CMS, Dentons und Dominik Schiener scheiden im Zuge der Transaktion aus.

Wie die Anteile übertragen werden und welcher Teil der mehr als 100 Millionen Euro unmittelbar als Wachstumskapital in Noxtua fließt beziehungsweise für den Erwerb bestehender Anteile verwendet wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor. CMS und Dentons sollen dem Unternehmen allerdings als Ankerkunden erhalten bleiben. CMS hatte Noxtua 2024 bei der Entwicklung einer speziell auf die Anforderungen professioneller juristischer Anwender ausgerichteten Rechts-KI mitinitiiert.

Europas Verlage positionieren sich im KI-Wettbewerb

Die Series C ist damit mehr als eine klassische Wachstumsfinanzierung. C.H.BECK und MANZ verbinden ihre juristischen Inhalte zunehmend mit der Technologie eines spezialisierten KI-Anbieters und sichern sich gleichzeitig direkten Einfluss auf dessen weitere Entwicklung.

Für Noxtua entsteht daraus eine strategische Positionierung gegenüber allgemeinen KI-Modellen und internationalen LegalTech-Anbietern: Der Zugang zu kuratierten und teilweise exklusiven juristischen Inhalten kann insbesondere bei Quellenqualität und jurisdiktionsspezifischer Arbeit zum wichtigen Differenzierungsmerkmal werden.

Mit mehr als 100 Millionen Euro und C.H.BECK als Mehrheitsgesellschafter erhält Noxtua nun erheblichen finanziellen und inhaltlichen Rückhalt für seine europäische Expansion. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von der Frage, ob sich die Verbindung aus Verlagsexpertise, exklusiven Rechtsdaten und spezialisierter KI langfristig als eigenständiges europäisches Modell im internationalen Legal-AI-Markt etablieren kann.


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