30 Millionen Dollar für FluoRok
Das britische DeepTech-Startup FluoRok hat in einer überzeichneten Series-A-Finanzierungsrunde 30 Millionen US-Dollar (22,8 Millionen Pfund) eingesammelt. Das Spin-off der Universität Oxford entwickelt ein neuartiges Herstellungsverfahren für Fluorchemikalien, das ohne hochgefährliche Flusssäure auskommt. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Technologie vom Pilotmaßstab in die industrielle Produktion überführen und neue Märkte erschließen.
Fluorchemikalien sind aus zahlreichen Industriezweigen kaum wegzudenken. Sie werden unter anderem für Medikamente, Pflanzenschutzmittel und Lithium-Ionen-Batterien benötigt. Rund jedes fünfte Medikament und jedes dritte Agrochemikalienprodukt auf dem Markt enthält Fluor. Gleichzeitig basiert die industrielle Herstellung vieler dieser Verbindungen noch immer auf einem Verfahren, dessen Grundlagen rund 250 Jahre zurückreichen.
Das Problem dabei ist die Verwendung von Fluorwasserstoff beziehungsweise Flusssäure (HF). Der Stoff ist hochgiftig, schwierig zu handhaben und erfordert aufwendige Sicherheitsmaßnahmen. Hinzu kommt die Abhängigkeit von hochreinem Flussspat, einem kritischen Rohstoff, der nur aus wenigen Ländern bezogen wird, insbesondere aus China.
Das Startup will diese Abhängigkeiten reduzieren und die Herstellung von Fluorchemikalien grundlegend verändern. Für den nächsten Entwicklungsschritt hat sich das Unternehmen nun 30 Millionen US-Dollar in einer Series-A-Finanzierung gesichert.
Angeführt wurde die Runde vom Orano Venture Fund und Supernova Invest. Zu den weiteren Investoren gehören Bidra Innovation Ventures sowie die bestehenden Kapitalgeber Oxford Science Enterprises, BGF, GGF, Volta Energy Technologies und die Universität Oxford.
Neue Technologie soll gefährliche Chemikalien ersetzen
FluoRok verfolgt einen alternativen Herstellungsansatz, bei dem Fluorchemikalien ohne den Einsatz von Fluorwasserstoff produziert werden können. Statt auf Säuren und hohe Temperaturen setzt die Technologie auf mechanische Aktivierung.
Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass das Verfahren mit bereits verfügbarer industrieller Standardausrüstung betrieben werden kann. Dadurch sollen neue Produktionsanlagen schneller aufgebaut und die Investitionskosten reduziert werden.
Darüber hinaus kann FluoRok nach eigenen Angaben auch Fluoridrohstoffe geringerer Reinheit sowie zurückgewonnene Fluoride aus industriellen Abfallströmen verwenden. Das könnte langfristig dazu beitragen, Lieferketten zu diversifizieren und die Abhängigkeit von wenigen Rohstofflieferanten zu verringern.
Die Technologie ist dabei nicht auf ein einzelnes Produkt beschränkt. Zunächst konzentriert sich das Unternehmen auf anorganische Fluoride für die Pharma- und Agrochemieindustrie sowie Lithiumhexafluorophosphat (LiPF₆), ein wichtiges Elektrolytsalz für Lithium-Ionen-Batterien.
Gerade im Batteriebereich könnte eine alternative Herstellungsmethode interessant werden, da der Ausbau der Elektromobilität und stationärer Energiespeicher zusätzliche Nachfrage nach entsprechenden Materialien schafft.
Vom Universitäts-Spin-off zum industriellen Hersteller
FluoRok ist eine Ausgründung der Universität Oxford und hat seine Technologie bereits im Pilotmaßstab erprobt. Nach Unternehmensangaben wurden erste Qualifizierungsverfahren erfolgreich abgeschlossen und wichtige Kundenbeziehungen aufgebaut.
Mit der neuen Finanzierung soll nun der Übergang zur industriellen Produktion gelingen. Geplant sind Demonstrationsanlagen für chemische Reagenzien und Elektrolytsalze, mit denen das Unternehmen die wiederholbare Herstellung größerer Mengen nachweisen will.
Gleichzeitig sollen das Team erweitert, Produkte gemeinsam mit Kunden im größeren Maßstab validiert und zusätzliche Industriepartnerschaften aufgebaut werden.
Die Series-A-Runde war nach Unternehmensangaben überzeichnet und übertraf das ursprünglich angestrebte Finanzierungsvolumen. Zuvor hatte FluoRok bereits 14 Millionen US-Dollar in früheren Finanzierungsrunden eingesammelt. Hinzu kommen mehr als 13 Millionen US-Dollar an öffentlichen Fördermitteln aus Großbritannien und Europa.
Für Gründer und CEO Dr. Gabriele Pupo ist die Finanzierung ein wichtiger Schritt, um aus dem jungen Technologieunternehmen einen industriellen Hersteller zu entwickeln.
Die Herausforderung liegt nun vor allem in der Skalierung. Während das Verfahren im Pilotmaßstab bereits funktioniert, muss FluoRok seine Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit unter industriellen Produktionsbedingungen nachweisen.
Gelingt dieser Schritt, könnte das Unternehmen nicht nur neue Maßstäbe bei der Sicherheit chemischer Produktionsprozesse setzen, sondern auch einen Beitrag zum Aufbau widerstandsfähigerer Lieferketten in der europäischen Chemie- und Batterieindustrie leisten.

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