Finanzierungsrunde

Marble erhält 3,75 Millionen Dollar

Marble analysiert die tatsächliche Arbeit in Unternehmen und entwickelt daraus Automatisierungen. Erste Kunden sind EGYM, Mutares und Enam.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · München, 02. November 2026

Das Münchner Startup Marble Cognition hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,75 Millionen US-Dollar eingesammelt. Angeführt wird die Runde von Heartcore Capital und Seedcamp. Marble entwickelt KI-Agenten, die Arbeitsabläufe in Unternehmen zunächst beobachten und anschließend selbstständig übernehmen können. Zu den Kunden gehören EGYM, Mutares und Enam. Mit dem Kapital will das Unternehmen sein Team in München vergrößern und in die USA expandieren.

Die Idee ist einfach, viele Unternehmen möchten ihre Prozesse mit KI automatisieren, wissen aber oft selbst nicht genau, wie die tägliche Arbeit tatsächlich abläuft. Ein großer Teil des Wissens steckt in den Köpfen der Mitarbeiter, in E-Mails oder Excel-Tabellen. Dieses Wissen will Marble erfassen und für die Automatisierung nutzbar machen.

Heartcore und Seedcamp investieren in Marble

Mit Heartcore Capital und Seedcamp gewinnt das Ende 2025 gegründete Startup zwei europäische Frühphaseninvestoren.

Heartcore hat unter anderem GetYourGuide, Tink und FINN unterstützt. Seedcamp zählt Unternehmen wie Revolut, Wise, UiPath und Synthesia zu seinem Portfolio. An der Runde beteiligen sich außerdem Business Angels aus dem Umfeld von Datadog, Personio, McKinsey, Mistral AI und Lovable. Dazu gehören ein Mitglied des Verwaltungsrats von Datadog, ein Personio-Gründer sowie Führungskräfte der genannten Unternehmen. Die Investoren sehen vor allem im Verständnis unternehmensinterner Prozesse einen Wettbewerbsvorteil. Denn während sich KI-Agenten immer einfacher entwickeln lassen, bleibt die Frage, welche Aufgaben sich sinnvoll automatisieren lassen.

KI-Agenten lernen direkt aus dem Arbeitsalltag

Marble setzt dafür auf eine Desktop-Anwendung, die erfasst, wie Mitarbeiter mit geschäftlichen Programmen arbeiten. Sie zeichnet Bildschirmaktivitäten, Mausklicks und Tastatureingaben auf und erstellt daraus strukturierte Prozessmodelle. Anschließend identifiziert die Software wiederkehrende Aufgaben und entwickelt sogenannte Marble Coworkers, die diese Tätigkeiten in den bestehenden Anwendungen übernehmen.

Nach Beobachtungen von Marble sind bei seinen Kunden rund 90 Prozent der zentralen Arbeitsprozesse nicht vollständig schriftlich festgehalten. Das erschwert den Einsatz herkömmlicher Automatisierungslösungen. Die KI-Agenten sollen deshalb zunächst verstehen, wie Aufgaben tatsächlich erledigt werden. Bei Entscheidungen, die menschliches Urteilsvermögen erfordern, bleiben Mitarbeiter eingebunden.

90 Prozent weniger Bearbeitungszeit bei einem Kunden

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus der US-Finanzdienstleistungsbranche. Bei einem Private-Equity-finanzierten Unternehmen übernimmt ein Marble Coworker die Vorbereitung von Vergleichsangeboten, die anschließend von einem Spezialisten freigegeben werden. Nach Angaben des Startups sank dadurch die Bearbeitungszeit pro Fall um 90 Prozent. Im ersten Monat konnte das Team 50 Prozent mehr Fälle bearbeiten, ohne zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Die Software hatte den Prozess zuvor durch die Beobachtung der Beschäftigten gelernt. Ob sich solche Ergebnisse auch bei anderen Unternehmen erzielen lassen, ist bislang offen. Marble nennt jedoch bereits EGYM, Mutares und Enam als Kunden und arbeitet nach eigenen Angaben mit weiteren Technologieunternehmen und Private-Equity-finanzierten Gesellschaften zusammen.

Gründer bringen Erfahrung aus der KI-Branche mit

Marble wurde Ende 2025 von Felix Rösner und Christophe Schmit gegründet. Kennengelernt haben sich die beiden am Center for Digital Technology and Management (CDTM). Rösner arbeitete zuvor bei 11x, einem Anbieter KI-gestützter Vertriebsagenten. Schmit war als Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig und sammelte anschließend Erfahrungen beim KI-Startup Enam. Beide beschäftigten sich bereits vor ihrer Gründung mit dem Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen.

Jedes Unternehmen, mit dem wir sprechen, möchte, dass KI echte Arbeit übernimmt. Aber niemand kann der KI genau erklären, wie diese Arbeit tatsächlich erledigt wird.

Felix Rösner, Gründer

Marble will dieses Problem lösen, indem die Software die Arbeitsabläufe zunächst selbst kennenlernt.

Mit frischem Kapital in die USA

Die Finanzierung soll vor allem in die Weiterentwicklung der Technologie fließen. Geplant sind zusätzliche Einstellungen im Münchner Entwicklungsteam und der Ausbau der Rechenkapazitäten. Außerdem bereitet Marble den Markteintritt in den USA vor.

Für Marble könnte sich daraus ein wachsender Markt ergeben. Entscheidend wird allerdings sein, wie zuverlässig die KI-Agenten arbeiten und wie schnell sich die Technologie bei neuen Kunden einsetzen lässt. Marble setzt auf die Idee, dass künftig nicht die Entwicklung einzelner KI-Agenten den größten Wert schafft, sondern das Wissen darüber, wie Unternehmen tatsächlich arbeiten. Ob sich dieser Ansatz im größeren Maßstab bewährt, muss das junge Startup nun zeigen.


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