Finanzierungsrunde

Autofixer erhält 3 Millionen Euro für europäische Expansion

Autofixer erwartet für 2026 rund 52 Millionen Euro Umsatz und eine Million Bestellungen. Jetzt sichert sich das polnische E-Commerce-Startup drei Millionen Euro für den Ausbau seiner Plattform und den Eintritt in weitere europäische Märkte.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Warschau, 28. Oktober 2026

Das polnische Startup Autofixer hat eine Finanzierung über drei Millionen Euro vom Investor Orbit Capital erhalten. Die Mittel werden in Form von Venture Debt bereitgestellt, einer Fremdkapitalfinanzierung für wachstumsorientierte Unternehmen. Autofixer will damit seine internationale Expansion beschleunigen, die eigene Technologie weiterentwickeln und zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Das Unternehmen betreibt eine E-Commerce-Plattform für Autoersatzteile und setzt dabei auf die automatisierte Zusammenführung unterschiedlicher Fahrzeug- und Produktdaten. Ziel ist es, Autofahrern die Suche nach passenden Ersatzteilen zu erleichtern und gleichzeitig Händlern den Zugang zu internationalen Absatzmärkten zu ermöglichen.

Der europäische Markt für Autoersatzteile bietet dafür ein großes Potenzial. Nach Angaben des Branchenverbands FIGIEFA und der Unternehmensberatung Roland Berger erreichte der Umsatz mit Ersatzteilen und Komponenten in 34 europäischen Ländern im Jahr 2023 rund 154 Milliarden Euro. Grundlage ist ein Fahrzeugbestand von mehr als 360 Millionen Autos.

Die Auswahl passender Ersatzteile bleibt allerdings komplex. Selbst innerhalb einer Modellreihe können unterschiedliche Komponenten verbaut sein. Hinzu kommen verschiedene Artikelnummern, Herstellerbezeichnungen und technische Spezifikationen, die einen direkten Produktvergleich erschweren.

KI und automatisierte Datenverarbeitung als Grundlage

Autofixer entwickelt eine Technologie, die Fahrzeugdaten, Ersatzteilkataloge und Angebote verschiedener Lieferanten miteinander verknüpft. Zusätzlich nutzt die Plattform Informationen über bereits bekannte Zuordnungen zwischen Fahrzeugmodellen und kompatiblen Ersatzteilen.

Mithilfe automatisierter Datenanalysen und künstlicher Intelligenz werden Produktinformationen aufbereitet und Angebote erstellt. Kunden sollen dadurch schneller erkennen können, welche Komponenten für ihr Fahrzeug geeignet sind.

Das Geschäftsmodell richtet sich zugleich an Ersatzteilhändler und Distributoren. Diese stellen die Produkte bereit und gewährleisten deren Verfügbarkeit. Autofixer übernimmt dagegen die technische Einbindung der Angebote sowie Marketing, Kundengewinnung und Kundenservice in den jeweiligen Ländern.

Damit verfolgt das Unternehmen einen vergleichsweise kapitalarmen Ansatz, bei dem vorhandene Lieferantenstrukturen genutzt werden, anstatt eine eigene umfangreiche Lager- und Logistikinfrastruktur aufzubauen.

Hinter Autofixer steht ein Gründerteam mit Erfahrung im europäischen Onlinehandel. Die Unternehmer bauten zuvor die Modemarken Renee und born2be auf, die später unter dem Dach der AZA Group zusammengeführt wurden. In ihrer größten Ausbaustufe erzielte die Gruppe einen Jahresumsatz von rund 114 Millionen Euro.

Umsatzwachstum und Markteintritt in Tschechien

Autofixer meldet für das laufende Geschäftsjahr ein deutliches Wachstum. Nach Unternehmensangaben wurden 2026 bislang rund 41 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Bis zum Jahresende soll dieser Wert auf etwa 52 Millionen Euro steigen.

In den ersten zehn Monaten des Jahres bearbeitete die Plattform mehr als 840.000 Bestellungen. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit rund einer Million Aufträgen. Seit Juli erzielt Autofixer nach eigenen Angaben zudem ein positives monatliches Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

Mit der neuen Finanzierung soll zunächst der Markteintritt in Tschechien erfolgen. Der Verkaufsstart ist innerhalb des kommenden Monats geplant. Weitere europäische Märkte sollen anschließend folgen.

Parallel investiert Autofixer in die Weiterentwicklung seiner Onlineshops und plant zusätzliche KI-Funktionen, die Kunden bei der Produktauswahl unterstützen. Darüber hinaus arbeitet das Startup an einer App, die Autofahrer auch im Alltag begleiten soll. Damit will das Unternehmen die Kundenbindung über einzelne Ersatzteilkäufe hinaus stärken.

Bereits 2023 und 2025 hatte sich Montis Capital an Autofixer beteiligt. Mit Orbit Capital kommt nun ein weiterer Finanzierungspartner hinzu. Die gewählte Fremdkapitalstruktur ermöglicht es dem Unternehmen, zusätzliches Wachstumskapital aufzunehmen, ohne unmittelbar weitere Unternehmensanteile abzugeben.

Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund eines zunehmend digitalisierten Ersatzteilmarktes. Einer Prognose der Boston Consulting Group zufolge könnte der Onlineanteil bei Ersatzteilkäufen durch Endkunden bis 2035 von rund 30 auf etwa 70 Prozent steigen. Autofixer will von dieser Entwicklung profitieren und sich als digitale Anlaufstelle für Fahrzeughalter in Europa etablieren.


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