Finanzierungsrunde

Quint Computing sammelt 9,1 Millionen Euro für skalierbare Quantencomputer ein

Weniger Fehler, geringere Kosten und schnellere Quantencomputer. Das DeepTech-Startup sichert sich frisches Kapital von Vsquared und weiteren Investoren. Zusätzlich fließen 2,2 Millionen Euro EU-Fördermittel.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Erlangen, 05. November 2026

Das Erlanger DeepTech-Startup Quint Computing hat in seiner ersten Finanzierungsrunde 9,1 Millionen Euro eingesammelt. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die bislang größte Erstfinanzierung eines deutschen Quantencomputing-Startups. Angeführt wird die Runde von Vsquared Ventures. Mit einer neuartigen Chiparchitektur will das Unternehmen eines der größten Probleme der Quantentechnologie lösen: die aufwendige Fehlerkorrektur.

Quantencomputer gelten als eine der vielversprechendsten Zukunftstechnologien. Sie könnten komplexe Berechnungen ermöglichen, an denen selbst leistungsfähige klassische Supercomputer scheitern. Doch bis zur breiten industriellen Nutzung müssen noch erhebliche technische Herausforderungen überwunden werden.

Eben da setzt das im Oktober 2025 gegründete Startup Quint Computing aus Erlangen an. Das Unternehmen entwickelt eine neue Architektur für supraleitende Quantenprozessoren, die Fehler bereits auf Hardwareebene reduzieren soll. Für die Weiterentwicklung seiner Technologie hat Quint nun 9,1 Millionen Euro von Investoren erhalten. Die Finanzierungsrunde wurde von Vsquared Ventures angeführt. Beteiligt sind außerdem Quantonation, Nucleus Capital, Faber, Vanagon Ventures und ZOHO.VC sowie der Quantencomputing-Experte und IQM-Mitgründer Prof. Mikko Möttönen.

Zusätzlich erhielt das Unternehmen einen Pathfinder-Zuschuss des European Innovation Council (EIC) in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Damit stehen Quint aus Finanzierung und Förderung insgesamt 11,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Aus der Universitätsforschung zum DeepTech-Startup

Hinter Quint Computing stehen die beiden Quantenphysiker Prof. Michael Hartmann und Prof. Christopher Eichler sowie der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Jona Stinner. Das Unternehmen entstand aus Forschungsarbeiten an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und ist Teil des Ökosystems Munich Quantum Valley.

Unterstützt wird das Gründerteam von einem wissenschaftlich und industriell erfahrenen Beirat. Dazu gehören Prof. Florian Marquardt, Direktor am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, der frühere Infineon-Vorstandsvorsitzende Dr. Reinhard Ploss und Dr. Markus Hoffmann, ehemals verantwortlich für Partnerschaften bei Google Quantum AI.

Die zentrale technologische Herausforderung liegt in der Fehleranfälligkeit von Quantencomputern. Schon kleinste äußere Störungen können Berechnungen beeinflussen. Um diese Fehler zu korrigieren, benötigen bisherige Ansätze erhebliche zusätzliche Hardware und komplexe Verfahren.

Die patentierte Chiparchitektur soll einen großen Teil der Fehler bereits direkt in den Schaltungselementen unterdrücken. Dadurch könnte der Aufwand für zusätzliche Fehlerkorrektur deutlich sinken. Nach Angaben des Unternehmens soll die Technologie im vollständig entwickelten Zustand Komplexität, Hardwarebedarf und Energieverbrauch um den Faktor 100 reduzieren, ohne die Rechengeschwindigkeit wesentlich einzuschränken. Diese Leistungsziele müssen allerdings erst im industriellen Maßstab nachgewiesen werden.

Industrielle Anwendungen und Wachstum bis 2028

Mit dem neuen Kapital will Quint seine Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ausbauen und erste industrielle Einsatzprojekte vorbereiten. Bis 2028 soll das Team auf rund 40 Mitarbeitende wachsen. Potenzielle Anwendungen sieht das Unternehmen insbesondere in der Chemie, Pharmaforschung, Logistik und industriellen Fertigung. Quantencomputer könnten beispielsweise komplexe molekulare Wechselwirkungen simulieren und dadurch die Entwicklung neuer Medikamente unterstützen.

Die Gründer haben entsprechende Anwendungsfelder bereits im Rahmen von Forschungskooperationen mit Bosch, BASF und Boehringer Ingelheim untersucht. Das wirtschaftliche Potenzial ist erheblich. Branchenstudien schätzen den möglichen wirtschaftlichen Wert von Quantencomputing bis 2035 auf bis zu 2,7 Billionen US-Dollar, sofern fehlertolerante Systeme erfolgreich entwickelt und skaliert werden können.

Aus einem wissenschaftlich fundierten Technologieansatz soll eine industriell einsetzbare Lösung entstehen. Die Finanzierung verschafft dem jungen Unternehmen die notwendigen Ressourcen, um seine Chiparchitektur weiterzuentwickeln und sich im internationalen Wettbewerb um kommerziell nutzbare Quantencomputer zu positionieren.


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