Trade Republic öffnet Plattform für GmbHs und UGs
Trade Republic erweitert sein Angebot erstmals um Investments für deutsche Kapitalgesellschaften. Mit dem neuen "Private Holding Account" können Kunden ab sofort auch das Vermögen ihrer GmbH oder haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft (UG) über die Plattform investieren. Voraussetzung ist, dass sie alleinige Eigentümer beziehungsweise Gesellschafter der Gesellschaft sind und bereits ein privates Konto bei Trade Republic besitzen. Für nicht investiertes Guthaben verspricht das Berliner FinTech aktuell eine Verzinsung von 2,5 Prozent ohne Obergrenze.
Firmenvermögen über Trade Republic investieren
Mit dem neuen Angebot überträgt Trade Republic wesentliche Funktionen seines Privatkundengeschäfts auf vermögensverwaltende Kapitalgesellschaften.
Über den Private Holding Account können Kunden in Aktien, ETFs und weitere Anlageprodukte investieren. Sparpläne lassen sich nach Angaben des Unternehmens ohne Ausführungsgebühr einrichten, einzelne Orders sind ab einem Euro möglich.
Für Transaktionen über den Trade Republic Bestpreis fällt eine Abwicklungskostenpauschale von einem Euro an. Alternativ können Orders direkt über einen von 30 angebundenen Börsenplätzen ausgeführt werden. Dazu gehören unter anderem Nasdaq, Xetra und Euronext. Hier nennt Trade Republic Kosten von zwei Euro pro Order.
Die Verwaltung erfolgt über die bestehende App oder das Web Terminal. Nutzer können dort zwischen ihrem privaten Portfolio und dem Vermögen ihrer Gesellschaft wechseln.
2,5 Prozent auf nicht investiertes Guthaben
Neben Wertpapieranlagen will Trade Republic auch bislang nicht investiertes Firmenvermögen adressieren. Auf das Guthaben des Private Holding Accounts zahlt das Unternehmen derzeit 2,5 Prozent Zinsen und das nach eigenen Angaben ohne Obergrenze.
Anders als bei Privatkunden wird das Geldguthaben des Firmenkontos laut Trade Republic ausschließlich in Geldmarktfonds gehalten.
"Milliarden liegen in deutschen Holdings und arbeiten kaum", sagt Mitgründer Christian Hecker. Investments seien für viele Gesellschaften bislang teuer und kompliziert. Trade Republic wolle den Zugang deshalb ähnlich einfach gestalten wie für Privatkunden.
Steuerliche Vorteile bei Aktiengewinnen möglich
Ein wesentlicher Bestandteil der Positionierung sind die steuerlichen Rahmenbedingungen von Kapitalgesellschaften.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Gewinne einer GmbH oder UG aus der Veräußerung von Aktien laut Trade Republic effektiv mit rund 1,5 Prozent besteuert werden. Hintergrund sind die für Kapitalgesellschaften geltenden steuerlichen Regelungen für entsprechende Beteiligungserträge.
Die konkrete steuerliche Behandlung hängt allerdings von der jeweiligen Anlage, Gesellschaft und individuellen Konstellation ab. Die genannte Größenordnung lässt sich daher nicht pauschal auf sämtliche Kapitalerträge einer Holding übertragen.
Werden Gewinne nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern verbleiben innerhalb der Gesellschaft, können sie dort grundsätzlich weiter investiert werden. Damit richtet sich das neue Angebot insbesondere an Unternehmer, die über ihre Gesellschaft langfristig Vermögen aufbauen.
Kontoeröffnung vollständig digital
Trade Republic versucht dabei, die bislang bei Geschäftskonten häufig umfangreicheren Eröffnungsprozesse zu vereinfachen. Der Private Holding Account soll sich innerhalb weniger Minuten vollständig digital über App oder Web Terminal eröffnen lassen.
Voraussetzung ist neben einem bestehenden Trade-Republic-Konto eine deutsche GmbH oder haftungsbeschränkte UG, deren alleiniger Eigentümer beziehungsweise Gesellschafter der jeweilige Kunde ist. Damit ist das Angebot zunächst auf eine klar definierte Gruppe von Kapitalgesellschaften beschränkt. Gesellschaften mit mehreren Gesellschaftern werden von dem beschriebenen Modell bislang nicht erfasst.
Offene Fragen bei LEI und Geldmarktfonds
Offen lässt Trade Republic allerdings einige für Holding-Gesellschaften relevante Detailfragen. So geht aus der Mitteilung nicht hervor, ob für den Wertpapierhandel über den Private Holding Account weiterhin ein Legal Entity Identifier (LEI) erforderlich ist. Eine solche Kennung war für juristische Personen beim Handel mit Wertpapieren bislang in vielen Fällen Voraussetzung. Gerade mit Blick auf das Versprechen einer Kontoeröffnung innerhalb weniger Minuten wäre daher interessant, ob Trade Republic die LEI-Registrierung in den Prozess integriert oder ob sich Kunden weiterhin selbst darum kümmern müssen. Erklärungsbedarf besteht auch bei der Verzinsung des nicht investierten Guthabens. Trade Republic gibt an, dieses ausschließlich in Geldmarktfonds zu halten und darauf aktuell 2,5 Prozent zu zahlen. Für Gesellschafter stellt sich damit die Frage, welchen Vorteil diese Konstruktion gegenüber einem direkten Kauf eines Geldmarktfonds über das eigene Firmendepot bietet. Bei Orderkosten von ein beziehungsweise zwei Euro könnten Anleger die Anlage selbst vornehmen und die entsprechenden Fondsanteile unmittelbar ihrem Depot zuordnen. Für die Bewertung des Angebots dürfte deshalb entscheidend sein, wie Trade Republic die konkrete rechtliche Ausgestaltung, Eigentumszuordnung, Verfügbarkeit und mögliche Risiken der als Guthaben ausgewiesenen Gelder gestaltet.
Trade Republic erschließt Firmenvermögen
Für Trade Republic bedeutet der Private Holding Account eine Erweiterung über das bisherige Privatkundengeschäft hinaus. Statt ausschließlich persönliches Vermögen anzusprechen, öffnet sich die Plattform nun auch für Kapital, das Unternehmer innerhalb ihrer Gesellschaften halten.
Gerade bei kleineren Holdings und inhabergeführten Gesellschaften könnte die Kombination aus digitaler Kontoeröffnung, Wertpapierhandel und Verzinsung bislang uninvestierter Mittel auf Interesse stoßen.
Wie groß dieser Markt für Trade Republic tatsächlich wird, dürfte jedoch auch davon abhängen, ob das Unternehmen das Angebot künftig über Gesellschaften mit nur einem Eigentümer hinaus erweitert. Mit dem Private Holding Account erschließt das FinTech jedenfalls eine weitere Vermögenskategorie, die von Neobrokern bislang deutlich weniger adressiert wurde.

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