finmid holt sich 17 Millionen Euro
Das Berliner FinTech finmid hat weitere 17 Millionen Euro von Investoren erhalten. Angeführt wird die Finanzierung von Big Pi Ventures, Main Set und Earlybird VC. Damit steigt das bislang vom Unternehmen eingesammelte Kapital auf insgesamt 52 Millionen Euro. finmid will mit der Finanzierung sein Embedded-Lending-Geschäft weiter ausbauen und über digitale Plattformen zunehmend auch größere und länger laufende Unternehmenskredite anbieten.
Das Geschäftsmodell setzt dort an, wo Unternehmen ohnehin ihre Geschäfte abwickeln. Statt für eine Finanzierung separat zu einer Bank wechseln zu müssen, können gewerbliche Nutzer direkt über angebundene Plattformen Kredite beziehungsweise Finanzierungen beantragen.
Nach Angaben von finmid wurden seit dem Marktstart Finanzierungsangebote im Gesamtvolumen von mehr als vier Milliarden Euro in 30 europäischen Märkten bereitgestellt. Rund 85 Prozent der Kreditnehmer würden das Angebot anschließend erneut nutzen.
Kredite werden Teil digitaler Plattformen
finmid stellt die technische und finanzielle Infrastruktur hinter solchen Angeboten bereit. Plattformbetreiber können ihren gewerblichen Kunden dadurch Finanzierungsmöglichkeiten anbieten, ohne selbst eine entsprechende Kreditinfrastruktur aufbauen zu müssen.
Dabei erweitert sich nach Angaben des Unternehmens zunehmend die Art der möglichen Finanzierungen. Embedded Lending beschränkte sich zunächst häufig auf vergleichsweise kurzfristige Betriebsmittelfinanzierungen für kleine Unternehmen und Händler. Inzwischen nutzt finmid die Infrastruktur auch für länger laufende Finanzierungsprodukte.
Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Mobilitätsplattform Bolt. Gemeinsam haben die Unternehmen in Deutschland das Angebot Bolt Vehicle Solutions aufgebaut.
Flottenbetreiber können darüber Fahrzeuge auswählen und anschließend eine Finanzierung über finmid beantragen. Die Rückzahlung erfolgt über feste monatliche Raten. Mit der letzten Zahlung geht das Fahrzeug in das Eigentum des Flottenbetreibers über.
Mehr als 40 Millionen Euro Finanzierungsangebote für Bolt-Flotten
Über Bolt Vehicle Solutions wurden nach Angaben von finmid bislang Finanzierungsangebote von mehr als 40 Millionen Euro für über 400 Flotten in Deutschland bereitgestellt.
Der Anwendungsfall unterscheidet sich damit deutlich von klassischen kurzfristigen Betriebsmittelkrediten. Statt beispielsweise einem Händler Liquidität für wenige Monate zur Verfügung zu stellen, finanziert finmid hier Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum.
Für die Kreditentscheidung können dabei Daten aus den Plattformen eine wichtige Rolle spielen. Gerade kleinere Unternehmen oder spezialisierte Geschäftsmodelle lassen sich mit klassischen Kreditprüfungen teilweise nur eingeschränkt abbilden.
finmid will deshalb stärker die operativen Daten berücksichtigen, die auf den jeweiligen Plattformen entstehen. Beim Bolt-Angebot können damit beispielsweise Informationen über das Geschäft eines Flottenbetreibers in die Beurteilung einfließen.
Skroutz als weiterer Partner
Neben Bolt nennt finmid den griechischen Online-Marktplatz Skroutz als weiteres Beispiel für den Ausbau seines Plattformgeschäfts. Dort sollen Händler Zugang zu Finanzierungsangeboten erhalten.
Damit verfolgt finmid einen B2B2B-Ansatz: Das Unternehmen tritt nicht primär als eigenständige Kreditmarke gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen auf, sondern integriert seine Finanzierungsangebote in Plattformen, die bereits eine Geschäftsbeziehung zu diesen Unternehmen haben.
Für Plattformbetreiber entsteht daraus die Möglichkeit, zusätzliche Finanzdienstleistungen in ihr bestehendes Angebot einzubauen. finmid wiederum erhält über die Kooperation Zugang zu einer größeren Zahl potenzieller Kreditnehmer und zu Daten, die bei der Beurteilung der Unternehmen helfen können.
Mehr als vier Milliarden Euro an Finanzierungsangeboten
Nach eigenen Angaben hat finmid inzwischen Finanzierungsangebote von mehr als vier Milliarden Euro über seine Infrastruktur ermöglicht. Das Unternehmen ist dabei in 30 europäischen Märkten aktiv.
Als weitere Traktionskennzahl nennt finmid eine Wiederkehrrate von rund 85 Prozent bei Kreditnehmern. Details dazu, über welchen Zeitraum die Quote erhoben wurde oder welche Finanzierungsprodukte dabei berücksichtigt werden, nennt das Unternehmen in seiner Ankündigung nicht.
Auch das tatsächlich ausgezahlte Finanzierungsvolumen lässt sich aus den Angaben nicht ableiten. Die genannten vier Milliarden Euro beziehen sich ausdrücklich auf Finanzierungsangebote und sind daher nicht mit dem Kreditvolumen gleichzusetzen, das letztlich von Unternehmen in Anspruch genommen wurde.
Insgesamt 52 Millionen Euro eingesammelt
Mit den zusätzlichen 17 Millionen Euro steigt die Gesamtfinanzierung von finmid auf 52 Millionen Euro. Die neue Finanzierung soll insbesondere die nächste Entwicklungsstufe der Plattform unterstützen.
Dabei verschiebt sich der Einsatzbereich von Embedded Lending zunehmend über kurzfristige Liquiditätslösungen hinaus. Mehrjährige Fahrzeugfinanzierungen wie bei Bolt zeigen, dass sich die zugrunde liegende Infrastruktur auch auf größere Finanzierungsentscheidungen übertragen lässt.
Für finmid eröffnet das einen entsprechend größeren Markt. Entscheidend wird dabei sein, ob sich die Kreditmodelle auf unterschiedliche Plattformen, Branchen und europäische Märkte übertragen lassen und wie sich die Qualität der Kredite über längere Laufzeiten entwickelt. Mit vier Milliarden Euro an bisherigen Finanzierungsangeboten hat finmid nach eigenen Angaben bereits eine relevante Größenordnung erreicht.

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